vergrößernverkleinern
Philipp Schwethelm (re.) war 2008 Basketball-Bundesliga Nachwuchsspieler des Jahres © getty

Nach dem Last-Second-Triumph in Göttingen zeigt sich Philipp Schwethelm im SPORT1.de-Interview euphorisiert und voller Hoffnung.

Aus Göttingen berichtet Jan Wilke

Göttingen - Drei Minuten vor Spielende war das Publikum in der Göttinger Lokhalle bereits in Partylaune. Mit zehn Punkten führten die "Veilchen" im Viertelfinale der Beko-BBL-Playoffs gegen die Eisbären Bremerhaven.

Was dann aber folgte, war aus lila-weißer Sicht ein schleichender, nicht enden wollender K.o.

Punkt für Punkt kämpften sich die Gäste wieder heran. Eine Sekunde vor der Schlusssirene drehte Andrew Drevo mit seinem Lay-up zum 79:78 ein total verrücktes Spiel. (DATENCENTER: Playoffs der Beko BBL)

"Jetzt ist alles möglich"

"Das hätten wir besser verteidigen müssen", analysierte BG-Coach John Patrick geschockt.

Während sein Team wie paralysiert vom Parkett schlich, brachen bei den Eisbären alle Dämme. Die mitgereisten Bremerhavener Fans füllten die gespenstische Stille mit Trommelwirbeln, vor ihnen fielen sich ihre Helden in die Arme.

"Jetzt ist für uns alles möglich", jubelte Philipp Schwethelm. Der Forward kam auf 13 Punkte und spricht im SPORT1.de-Interview über den dramatischen Fight gegen Göttingen und die Titelchancen der Eisbären.

SPORT1: Herr Schwethelm, eine Sekunde vor Schluss dreht Bremerhaven das Spiel und zieht ins Halbfinale ein. Wie fühlt sich das an?

Philipp Schwethelm: Das ist echt der Wahnsinn. Es sind meine ersten Playoffs, in denen ich wirklich spielen konnte und allein das Viertelfinale hat so einen Spaß gemacht. Nach so einem unfassbaren Krimi mit glücklichem Ende weiterzukommen ? das muss ich erst mal verarbeiten.

SPORT1: Wie oft haben Sie während dieser Achterbahnfahrt der Gefühle gedacht "Das war es jetzt?"?

Schwethelm: Das ist schwer zu sagen. Wenn ein Spiel so eng ist; es um so viel geht und die Zuschauer so eine tolle Stimmung machen, hat man nicht viel Zeit nachzudenken. Da spielt man einfach nur.

SPORT1: Trotzdem: Woher haben sie den Mut und die Energie genommen und das Spiel trotz 10-Punkterückstand drei Minuten vor Schluss noch gedreht?

Schwethelm: Ich glaube das war Verzweifelung oder Wut. Am Ende gab es Provokationen; das Spiel wurde härter. Ich zumindest hatte einfach nur Wut im Bauch und wollte es denen zeigen. Als ich meine Kameraden angeschaut hab, hab ich gesehen, dass es ihnen nicht anders ging.

SPORT1: Wut allein wird aber kaum gereicht haben, um den heimstarken Eurochallenge-Champion rauszuwerfen.

Schwethelm: Wir haben nicht so viele Fehler gemacht wie in den ersten Spielen, haben weniger Turnover gemacht und weniger Offensiv-Rebounds zugelassen. Ich glaube, auf solche Kleinigkeiten kommt es in so engen Spielen an. Wir waren voll konzentriert.

SPORT1: Was ist nun im Halbfinale drin?

Schwethelm: Darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Wir waren bisher nur auf das Spiel gegen Göttingen fixiert, aber nun ist alles möglich.

SPORT1: Mit Göttingen sind nun die vier besten Beko-BBL-Teams ausgeschieden. Ein Zeichen für die Ausgeglichenheit der Liga?

Schwethelm: Ich glaube, so etwas hat es noch nie gegeben. Wir haben als Sechster nun sogar fast nen Heimvorteil. Das ist schon Wahnsinn ? selbst der neunte und zehnte Platz hatte dieses Jahr Playoff-Kaliber. Die Liga ist wirklich extrem eng beisammen.

SPORT1: Nun ihr Bewerbungsschreiben um den Titel: Warum werden am Ende die Eisbären Meister?

Schwethelm: Weil wir den richtigen Mix aus Erfahrung und Jugend und zudem super Einzelspieler haben. Wir spielen gut zusammen und haben gerade über die Serie gelernt, gut in der Defense zu stehen. Das hat uns bisher gefehlt und kann am Ende den Unterschied machen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel