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Der 20-jährige Tibor Pleiß spielt in Bamberg als Starting Center rund 19 Minuten pro Partie © imago

Center-Ass Tibor Pleiß erklärt seinen Karriereplan, seine Draft-Chancen und Bambergs Erfolgszug. An ALBA verteilt er Seitenhiebe.

Von Ingo Weber

München - Eine Saison wie im Rausch für Tibor Pleiß: Der 2,15-Meter-Mann durfte als Rohdiamant mit zur EM nach Polen, wechselte als Backup zu den Brose Baskets Bamberg und stieg dort zum Starter und besten deutschen U22-Spieler der Liga auf.

Mit den Franken holte der 20-Jährige den BBL-Pokal und marschierte ohne Playoff-Niederlage in die Finals, die am Sonntag (ab 19.25 Uhr LIVE auf SPORT1 und LIVESCORES) starten.

Im Interview der Woche erklärt Deutschlands größte Center-Hoffnung seinen Karriereplan, seine Draft-Aussichten und den Bamberger Erfolgszug. Zudem spricht er über die WM 2010 in der Türkei - und NBA-Profi Chris Kaman.

SPORT1: Die Brose Baskets Bamberg haben in den Playoffs bislang noch kein Spiel verloren. Was macht die Mannschaft aktuell so stark?

Tibor Pleiß: Wir sind als Team gewachsen und haben einen tollen Zusammenhalt. Jeder kennt die Stärken und Schwächen der Mitspieler ganz genau. Wir harmonieren als Team gut zusammen, haben keinen "Ego-Shooter" in unseren Reihen. Alle Spieler stellen sich voll in den Dienst der Mannschaft und tun alles für den Erfolg.

SPORT1: Die möglichen Finalgegner Frankfurt und Bremerhaven waren in der Hauptrunde schlechter platziert als Bamberg. Macht das ihren Klub in den Finals automatisch zum Favoriten?

Pleiß: Von der Papierform her schon, aber das sollte man nicht überbewerten. In den Finals versucht jeder alles zu geben, da spielt es auch keine Rolle mehr, dass wir in den Playoffs noch ungeschlagen sind.

SPORT1: Sie haben mit Bamberg bereits den Deutschen Pokal gewonnen und damit schon einen Titel in der Tasche. Ist das ein Vorteil?

Pleiß: Nein, das denke ich nicht. Der Gegner wird aufgrund dessen sicher noch eine Schippe drauf legen. Wenn man am Ende der Saison darauf zurückblickt ist das natürlich eine schöne Sache. Wir haben am Anfang der Saison ein paar Probleme gehabt, da es auch galt, die Neuzugänge zu integrieren. Aber das hat sich gelegt und wir haben uns gut eingespielt, was der Titel beweist.

SPORT1: Sie sind in der Beko BBL zum Rookie des Jahres gewählt worden. Wie ordnen Sie diese Ehrung ein? (DATENCENTER: Die Playoffs der Beko BBL)

Pleiß: Ich habe super gearbeitet, viel dafür getan und trainiert. Ich habe sehr viel Zeit und Kraft in meine Karriere gesteckt und mich in Bamberg zum Starter entwickelt. Ein Dank geht auch an den Coach, dass er mir das Vertrauen entgegen bringt. Durch die Spielzeit, die ich immer wieder bekommen habe, konnte ich mich Schritt für Schritt verbessern. Die ganze Organisation in Bamberg ist einfach fantastisch. Ich absolviere ja nebenbei noch den Zivildienst und der Klub macht es möglich, dass beides parallel laufen kann.

SPORT1: Mit Ihrer ersten Saison in Bamberg sind sie also rundum zufrieden?

Pleiß: Ja, auf jeden Fall. Ich habe mehr geschafft als ich erwartet hatte. Ich bin nach Bamberg gekommen mit dem Gedanken, ich bin froh, wenn ich ein paar Minuten Spielzeit bekomme. Mittlerweile habe ich ja eine Führungsrolle. Das ist einfach klasse.

SPORT1: Ihr Backup Elton Brown ist ein komplett anderer Center: ein kleinerer, wuchtiger Wühler. Was können Sie sich von Ihm abgucken?

Pleiß: Elton hat eben die Masse, ich bin eher der schnelle, flinke Spielertyp. Von ihm kann ich mir sicher noch den Willen, die Energie zum Korb zu ziehen abgucken. Im Moment schieße ich eben viel und hole die Rebounds.

SPORT1: Viele sehen Sie vor einem Engagement in der NBA. Was sind die nächsten Stufen Ihres Karriereplans?

Pleiß: Das kann ich jetzt noch nicht genau sagen. Die NBA ist natürlich ein Traum und ich möchte dieses Ziel auf jeden Fall erreichen. Durch meine Willensstärke ist bis jetzt alles, was ich mir vorgenommen habe, auch eingetreten. Ich werde auf jeden Fall noch ein Jahr in Bamberg bleiben und mich dort auf die Zukunft vorbereiten. Ich will mich noch weiter verbessern, um NBA-Niveau zu erreichen.

SPORT1: In welchem Jahr steht die Anmeldung zum Draft auf der Agenda?

Pleiß: Meinen Agenten sind gerade dabei zu checken, wie es dieses Jahr mit dem Draft aussieht, es gäbe ja auch die Möglichkeit das Ganze wieder zurückzuziehen. Aber mein richtiges Draft-Jahr ist erst 2011. Ich will mich in der Euroleague zeigen, dort werden mich sicher ein paar Klubs beobachten. Und dann hoffe ich, dass ich nächstes Jahr in die erste Draft-Runde komme.

SPORT1: Wie wichtig ist es, in der Euroleague gespielt zu haben?

Pleiß: Die Euroleague ist sehr wichtig. Dieses Jahr habe ich im Euro-Cup schon extrem viel dazugelernt. Auf europäischem Niveau zu bestehen ist eine Erfahrung, die einen jungen Spieler weiter bringt.

SPORT1: Hat Bamberg das Zeug, dort zu bestehen, oder müssen dazu noch Verstärkungen her?

Pleiß: Die Frage ist erstmal, wer in der kommenden Saison noch dabei ist. Es laufen viele Verträge aus und der Klub muss schauen, wer bleibt. Ich hoffe aber, dass wir wieder ein Team haben, das mental so stark ist wie das aktuelle.

SPORT1: ALBA Berlin wird aufgrund des Etats gerne als Branchenführer bezeichnet. Tut man den Bambergern damit Unrecht?

Pleiß: Das kann ich nicht beantworten. Aber ich glaube, dass es nicht immer zum Erfolg führt, wenn man die besten Spieler verpflichtet. Da sind Komplikationen oft vorprogrammiert. Die Gefahr besteht, dass der Teamgeist dem persönlichen Erfolg untergeordnet wird. Geld steht nicht immer automatisch für Erfolg.

SPORT1: Die Berliner haben nach dem Viertelfinal-Aus angekündigt, jeden Stein umzudrehen. Ist Ihnen schon ein Angebot ins Haus geflattert?

Pleiß: Nein, bis jetzt noch nicht. Ich habe in Bamberg noch einen Zwei-Jahres-Vertrag. Ich fühle mich hier sehr wohl und ich bekomme genug Spielzeit. In Berlin kommen die deutschen Spieler nur sehr selten zum Einsatz. Deswegen bin ich froh, in der nächsten Saison noch in Bamberg spielen zu können.

SPORT1: Im August steht die Basketball-WM in der Türkei an. Wo stehen Sie in der Hackordnung der deutschen Center?

Pleiß: Ich hoffe natürlich erstmal, dass ich dabei bin. Ich werde auf jeden Fall alles dafür tun, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Die Erfahrungen auf europäischer Ebene haben mich auch für die Nationalmannschaft weiter gebracht. Wenn ich dabei bin, dann hoffe ich, dass ich viel Spielzeit bekommen werde.

SPORT1: Glauben Sie daran, dass Chris Kaman dabei ist?

Pleiß: Das kann ich nicht sagen. Das wird man in den nächsten Wochen sehen.

SPORT1: Ist seine Einbürgerung mittelfristig von Vorteil für den deutschen Basketball?

Pleiß: Ja, auf jeden Fall. Für mich persönlich ist es ein Vorteil, weil ich mir von ihm sehr viel abgucken kann. Er kann das Niveau der Mannschaft auf ein anderes Level heben.

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