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Stefan Koch war 2000 und 2005 Trainer des Jahres in der Bundesliga © imago

Bei SPORT1 spricht Stefan Koch über seine neue Aufgabe bei den Artland Dragons und den "leergefegten" Markt für deutsche Spieler.

Von Matthias Becker

München - SPORT1-Experte Stefan Koch ist zurück in der Beko BBL. Der 46-Jährige, der unter anderem schon in Gießen, Frankfurt und Karlsruhe coachte, übernimmt die Artland Dragons, die sich im Mai von ihrem Trainer Thorsten Leibenath getrennt hatten.

Nach zwei Jahren ohne Playoff-Teilnahme wollen die Niedersachsen den Sprung unter die besten Acht in der kommenden Saison auf jeden Fall schaffen.

Im Interview mit SPORT1 spricht Koch über seine neue Aufgabe, den "leergefegten" Markt für deutsche Spieler und die Aufeinandertreffen an der Seitenlinie mit seinem Bruder Michael.

SPORT1: Herr Koch, nach vier Jahren Pause kehren Sie als Cheftrainer in die Beko BBL zurück. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie den Posten bei den Artland Dragons übernehmen?

Stefan Koch: Zunächst einmal haben die Dragons Interesse an mir gezeigt. Ich habe immer gesagt, dass ich eine Rückkehr ins Trainergeschäft nicht ausschließe, aber dass diese nur unter exzellenten Rahmenbedingungen möglich ist. Die Dragons sind einer der Klubs in Deutschland, die solche Bedingungen bieten können.

SPORT1: Das ist ein großer Schritt, schließlich waren Sie in den letzten Jahren ja auch gut beschäftigt.

Koch: Die Entscheidung ist mir auch nicht leichtgefallen. Das Geschäft mit meiner Firma hat angezogen. Aber es ist ja immer so: Irgendwann kommt alles auf einmal, wie bei einer Ketchupflasche: Erst kommt gar nichts raus und dann alles.

SPORT1: Wie lautet Ihre Zielsetzung für die Arbeit bei den Dragons? Ihr Vorgänger ist daran gescheitert, dass er zwei Mal in Folge die Playoffs verpasst hat.

Koch: Dass es die Playoffs sein müssen, ist ja gar keine Frage. Wenn das nicht das Ziel wäre, dann hätte der Verein auch die Arbeit mit solch einem exzellenten Trainer wie Thorsten Leibenath weitergeführt. Das ist das Mindestziel, wir sind in einem Wettbewerbssport. Nun müssen wir erstmal sehen, wie unsere eigene Mannschaft ausschaut und dann vergleichen, wie wir im Vergleich zu unseren Konkurrenten dastehen.

SPORT1: Was die Mannschaft angeht, fangen Sie fast bei null an.

Koch: Momentan haben wir zwei Spieler unter Vertrag und haben noch eine Option. Da kann man jetzt noch gar nichts sagen.

SPORT1: Haben Sie mit dem Verein auch schon über eine langfristige Perpektive gesprochen, oder wie sieht Ihr Vertrag aus?

Koch: Ich habe einen Einjahresvertrag mit Option.

SPORT1: Kam eine längerfristige Zusammenarbeit auch schon ins Gespräch?

Koch: Ich verstehe, dass der Klub momentan keine langfristige Bindung eingehen will. Die Dragons haben zwei Mal in Folge die Playoffs verpasst. Was ist - auch wenn ich das nicht erwarte - wenn das mit mir auch wieder passiert? Dann hängt der Verein in einem langfristigen Vertrag drin und hat vielleicht wieder das Mindestziel verpasst. Da habe ich Verständnis, dass man die Sache erstmal so angeht.

SPORT1: Was ist denn in Quakenbrück in den letzten zwei Jahren falsch gelaufen? Wo können Sie ansetzen?

Koch: Der Ansatzpunkt ist relativ einfach: Dem Klub hat ein bisschen das Glück gefehlt. In beiden Jahren hat ein einziger Sieg gefehlt. In beiden Jahren ist die Entscheidung erst am letzten Spieltag gefallen. Im Jahr, als Quakenbrück Vize-Meister geworden ist, sind sie auch als Achter so gerade in die Playoffs gerutscht. In der abgelaufenen Saison hat auch der Achte den Ersten geschlagen - das hätten genauso gut die Dragons schaffen können. Das Verpassen der Playoffs war letztendlich in Quakenbrück nur eine Millimetersache.

SPORT1: Könnte auch Ihre langjährige Erfahrung weiterhelfen, damit es beim nächsten Mal anders kommt?

Koch: Ich hoffe es. Wobei ich auch schon im Alter von 30 Jahren Trainer in der Bundesliga war. Autorität kommt nicht ausschließlich über das Alter, sondern in erster Linie über Kompetenz. Da hat auch Thorsten (Leibenath, Anm. d. Red.) ganz viel ausgestrahlt.

SPORT1: Wie Sie schon sagten, haben Sie derzeit nur zwei Spieler fest im Kader für kommende Saison. Sind Sie schon in die Personalplanungen eingebunden?

Koch: Ja, klar. Mein Tag müsste im Moment mehr als 24 Stunden haben, weil ich auch noch Verpflichtungen für meine eigene Firma habe. Gleichzeitig steht aber auch die Spielersuche an. Wir sind schon am Tun und Machen.

SPORT1: Haben Sie schon ein Konzept vor Augen, möglicherweise auch mit vielen deutschen Spielern?

Koch: Es war immer mein Ansatz, viel mit deutschen Spielern zu arbeiten. Diesem Ansatz versuche ich treu zu bleiben. Wir müssen aber auch realistisch sehen, dass wir der letzte Verein sind, der einen Trainer verpflichtet hat. Alle anderen Klubs sind schon deutlich länger auf dem Markt unterwegs, und der Markt an deutschen Spielern ist ein Stück weit begrenzt und auch schon leergefegt.

Aber natürlich brauchen wir fünf deutsche Spieler. Das schreibt die Regel vor und das ist auch gut so. Wie viele deutsche Qualitätsspieler wir jetzt noch bekommen können, ist schwierig zu sagen. Aber so ist es nun mal, da nutzt es nichts, dem nachzuweinen. Man muss die Fakten akzeptieren und machen, was möglich ist.

SPORT1: In der kommenden Saison treffen Sie auch wieder auf Ihren Bruder Michael, der Headcoach in Bonn ist. Ist das noch etwas Besonderes, oder gab es dieses Trainerduell ohnehin schon?

Koch: Duellieren hört sich an, als würden wir uns mit den Colts gegenüberstehen. Die Spiele gegen Bonn sind natürlich auch ein Stück weit etwas Besonderes. Aber wir haben beide schon die Erfahrung gemacht, gegeneinander zu coachen. So etwas ist immer dann besonders reizvoll, wenn es das erste Mal passiert.

SPORT1: In den vier Jahren, die Sie nicht an der Seitenlinie aktiv waren: Wie hat sich die Beko BBL aus Ihrer Sicht leistungsmäßig entwickelt?

Koch: Sie hat sich natürlich weiterentwickelt. Wir haben mittlerweile ein gutes Produkt, das sich in Europa sehen lassen kann. Im zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb hatten wir mit ALBA Berlin einen Finalisten, im dritten Wettbewerb haben wir mit Göttingen den Sieger gestellt. Das zeigt, dass die Beko BBL auf dem richtigen Weg ist. Ich persönlich freue mich darauf, zurückzukommen. Wir haben ein Niveau, mit dem wir uns in Europa nicht zu verstecken brauchen.

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