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Baldi formte aus der BG und dem DTV Charlottenburg Anfang der 90er Jahre ALBA Berlin © getty

Bei SPORT1 spricht ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi über die Neuzugänge, Gerüchte um den Trainer, die Saisonziele und Bayern München.

Von Olaf Mehlhose

München/Berlin - Bereits direkt nach dem überraschenden frühen Aus in den Playoffs der Beko BBL gegen die Skyliners Frankfurt hatte ALBA Berlins Geschäftsführer Marco Baldi bei SPORT1 angekündigt, dass man "jeden Stein umdrehen" werde.

Und den Worten ließ er Taten folgen.

Die Berliner krempelten den Kader um, verpflichteten mit Derrick Allen, Marko Marinovic, Sven Schultze, Patrick Femerling und Yassin Idbihi bisher fünf neue. Und die Kaderplanung ist noch nicht abgeschlossen wie Baldi bei SPORT1 verrät.

Im Interview mit SPORT1 spricht der ALBA-Geschäftsführer über die Neuzugänge, das Verhältnis zwischen Rückkehrer Femerling und Coach Luka Pavicevic, die Saisonziele und über Euroleague-Quali-Gegner Roanne.

SPORT1: Fünf Neuzugänge stehen bei ALBA fest, die es zu integrieren gilt. Durch die WM in der Türkei ist die Vorbereitungszeit verkürzt. Darf man in der Hauptstadt einen Holperstart erwarten?

Marco Baldi: Eine perfekte Vorbereitung sieht sicher anders aus. Wir wollen nicht klagen, aber das ist schon recht anspruchsvoll. Wir starten ja bereits am 21. September mit der Euroleague-Quali, das heißt, wir werden die komplette Mannschaft bloß eine Woche vorher zur Verfügung haben, um sie auf die Spiele, die eine gewisse Bedeutung für uns haben, vorzubereiten.

SPORT1: Gerade Femerling gilt bei Trainer Luka Pavicevic nicht als Liebling. Was waren die Gründe für die Rückholaktion und die Entscheidung contra Adam Chubb?

Baldi: Das ist ein Gerücht, das sich festgesetzt hat. Genau das Gegenteil ist der Fall. Luka Pavicevic ist ein großer Fan von Patrick Femerling.

SPORT1: Wie kam es dann zu diesen Gerüchten?

Baldi: Was viele verdrängt haben: Patrick war damals lange Zeit verletzt. Wir haben daraufhin Blagota Sekulic verpflichtet, und Patrick kam erst direkt zu den Playoffs wieder. Da hat man nicht die Zeit, einen Spieler langsam wieder an ein intaktes Team heranzuführen. Daher kamen diese Gerüchte, dass Pavicevic Patrick nicht mögen würde. Patrick hat sich damals, wie es seine Art ist, impulsiv geäußert. Aber jetzt ist die Gelegenheit, mit diesem Märchen aufzuräumen. Beide schätzen sich gegenseitig sehr.

SPORT1: Daher gab es oder gibt es auch keine Aussprache zwischen den beiden?

Baldi: Es gibt nichts zu klären. Es gibt generell ein paar Gerüchte, was Pavicevic anbelangt, dass er nicht auf deutsche Spieler setzt und so einen Quatsch. Wir haben hier hohe Ziele, und es geht nach Leistung. Nationalität, Religion, Hautfarbe und was weiß ich noch alles spielen keine Rolle.

SPORT1: Marinovic und Allen sind Spieler, die ALBA in der vergangenen Saison mit ihren Klubs Valencia und Frankfurt empfindliche Niederlagen zugefügt haben. Hat dieser Aspekt bei der Verpflichtung eine Rolle gespielt?

Baldi: Nein, überhaupt nicht. Marinovic haben wir schon seit geraumer Zeit auf unserem Radar und jetzt konnten wir ihn verpflichten. Bei Allen ist es ähnlich. Er hat sich immer durch seine Energie und seine Konstanz ausgezeichnet.

SPORT1: Was versprechen Sie sich von Allen und Marinovic?

Baldi: Letztes Jahr hatten wir Spieler wie Bajramovic und Golemac, die vom Preislevel her einen hohen Standard versprachen, ihre Leistung aber nicht immer abgerufen haben. Daher war es für uns wichtig, Spieler zu verpflichten, die gerne in Berlin spielen, die Berlin nicht als Durchgangsstation sehen, sondern die sich mit Zielen identifizieren können. Da gehören sie mit Sicherheit dazu.

SPORT1: Was sind nach dem frühen Playoff-Aus in der abgelaufenen Saison die Ziele für die kommende Spielzeit?

Baldi: Die letzte Saison war schizophren. Einerseits waren wir in der Saison stabil, waren mit Oldenburg punktgleich Erster, standen im Eurocup-Finale. Andererseits war das Ende recht abrupt. Da geht man mit einem sehr gespaltenen Eindruck aus der Saison. Über Ziele möchte ich erst sprechen, wenn unser Team komplett ist. Aber was die nationalen Wettbewerbe anbelangt, werden wir auf jeden Fall versuchen, ganz vorne zu landen.

SPORT1: ALBA bekommt über eine Wildcard die Chance, sich für die Euroleague zu qualifizieren. Mit 15 anderen Mannschaften streitet ALBA um zwei Plätze. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Baldi: Wie gesagt, die Vorbereitung ist alles andere als ideal dafür. Aber das betrifft nicht nur uns, sondern auch die Gegner. Es ist sehr, sehr schwer etwas vorauszusagen, weil auch die Gegner ihre Teams noch nicht komplett haben. Es wird noch einen Zacken schärfer als letztes Jahr, weil noch eine Runde hinzukommt, drei statt zwei. Es ist ein sehr kompakter, schwieriger Wettbewerb mit Hin- und Rückspiel. Wenn man da einen kleinen Aussetzer hat, kann es das schon gewesen sein.

SPORT1: Was würde ein Ausscheiden für ALBA bedeuten?

Baldi: Wir haben im letzten Jahr erlebt, wohin das führen kann, wenn man aus der Euroleague-Quali ausscheidet. Uns hat es ins Endspiel des Eurocups geführt. Insofern sehen wir alles ein wenig entspannt. Wir werden natürlich versuchen, uns für die Euroleague zu qualifizieren.

SPORT1: In der ersten Runde wartet das französische Topteam Chorale Roanne. Was ist über den Gegner bekannt?

Baldi: Roanne war letztes Jahr Dritter in Frankreich. Sie gelten als sehr heimstarkes Team, haben letztes Jahr zu Hause nur ein Spiel verloren. Sie werden die Mannschaft zusammenhalten. Das wird ein riesiger Gradmesser.

SPORT1: Was erwartet ALBA in diesen beiden Partien?

Baldi: Die genaue Vorbereitung auf den Gegner wird erst dann erfolgen, wenn sie ihren Kader komplett haben. Zu dem frühen Zeitpunkt der Saison ist das - ich will nicht sagen Roulette -, aber es gibt schwer berechenbare Faktoren, weil auch Roanne nicht eingespielt sein wird. Sie starten praktisch mit der Euroleague-Quali in die Saison - wie wir.

SPORT1: Die Zukunftsplanungen von ProA-Ligist Bayern München sorgen derzeit für Aufsehen. Nach Trainer Bauermann verpflichteten die Münchner fünf zum Teil hochkarätige Spieler. Wie ordnet man bei ALBA diese Entwicklung ein?

Baldi: Uneingeschränkt positiv. Wir freuen uns sehr darüber. Es wird die Liga extrem beleben, die Liga lebt von Rivalitäten, lebt von ehrgeizigen und ambitionierten Programmen. Und das ist schon eine Marke, wenn ein Zweitligist den Bundestrainer verpflichtet, von dem man weiß, wie er mit solchen Herausforderungen umgeht, und dass da richtig hingelangt wird. Das ist sehr gut für die BBL.

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