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Sportjournalist Horst Schneider gehört zum Kolumnistenkreis der Beko BBL © getty

Basketball-Experte Horst Schneider schätzt die Bedeutung der Inländer-Quote ab. Sie anzuheben, verhindere den Exodus.

Die Beko-BBL-Kolumne "Klartext" erscheint unregelmäßig und greift ein aktuelles Thema auf. Der Sportjournalist und Basketball-Experte Horst Schneider macht sich Gedanken über den internationalen Stellenwert der Beko BBL und die Auswirkungen der Inland-Quote.

Die Beko BBL stellt zwölf von 288 WM-Akteuren. "Mehr nicht?" ist man auf den ersten Blick versucht, zu fragen. Zählt man indes genauer nach, relativiert sich das Bild.

Die meisten WM-Teilnehmer stellt - wenig überraschend - trotz der vielen Absagen die NBA. Neben den zwölf US-Nationalspielern sind noch 25 weitere WM-Teilnehmer aus allen Kontinenten in der stärksten Liga der Welt beheimatet.

Rang zwei belegt die spanische ACB mit insgesamt 30 WM-Akteuren, gefolgt von der russischen (18) und der griechischen Liga (17).

Noch vor der französischen Pro A

Die bei der WM von gleich drei Nationalteams (Serbien, Kroatien und Slowenien) repräsentierte Adria-Liga kommt ebenfalls auf 17 Akteure, gefolgt von der obersten Spielklasse der Türkei (15).

Mit ihren zwölf WM-Teilnehmern rangiert die Beko BBL somit in der Liste der in der Türkei am stärksten vertretenen Ligen auf einem durchaus respektablen siebten Platz.

Gleichauf mit der angolanischen Division I und der jordanischen Premier League, die beide jeweils das komplette Nationalteam ihres Landes stellen. Rang zehn belegt die französische Pro A mit elf WM-Teilnehmern.

Oldenburg und Bamberg achten auf Aussies

Die meisten Beko-BBL-Spieler bei der WM, neun an der Zahl, stehen natürlich in der DBB-Auswahl.

An diversen Bundesligastandorten wird man aber auch anderen Spielern die Daumen drücken, die in der zurückliegenden Saison das Trikot ihres Vereins trugen: In Hagen Jonathan Kale (Elfenbeinküste), in Bamberg Mark Worthington (Australien) oder in Quakenbrück Nathan Peavy (Puerto Rico).

[kaltura id="0_vf5ysto4" class="full_size" title="Beko BBL: Spürst du das Dribbeln"]

Und Oldenburg schaut auf Neuzugang Aaron Baynes.

Ex-Dragon spielt für den Libanon

In Berlin und Köln erinnert man sich sicher noch an die Serben Aleksandar Rasic und Marko Keselj sowie an den Angolaner Joaquim Gomes und den Neuseeländer Kirk Penney.

Der Puerto Ricaner Filiberto Rivera (Bamberg und Quakenbrück) und der Kanadier Jermaine Anderson (Bamberg und Tübingen) spielten sogar schon jeweils für zwei Bundesligisten.

Der Kroate Kresimir Loncar stand vor zehn Jahren im Würzburger Bundesliga-Aufgebot, und erinnert sich eigentlich noch jemand an Matt Freije? Der 2007 für die Artland Dragons aktive US-Power Forward spielt bei der WM 2010 ... für den Libanon.

Droht ein Exodus?

Dass die Beko BBL neun deutsche Nationalspieler stellt (bei der WM 2006 waren es nur fünf), liegt auch daran, dass die DBB-Auswahl noch sehr jung ist.

Werden diese Youngsters bald das Nest der Beko BBL verlassen und Heiko Schaffartzik in eine ausländische Liga folgen? Ich denke, die von der Beko BBL verschärfte Quotenreglung wird das verhindern.

Ab der kommenden Saison sind nur noch sieben Ausländer pro Team erlaubt, ab 2013 nur noch sechs.

Deutsche werden begehrter

Die Liga nähert sich damit den in Europa üblichen Quotierungen: Auch in Spanien und in Polen sind sieben Ausländer pro Team erlaubt, in Russland, Griechenland, Italien und Israel sechs.

Schon dieser Wechselsommer zeigte, dass die Bundesligisten unter den neuen Bedingungen bereit sind, beim Buhlen um deutsche Spieler tiefer in die Tasche zu greifen.

Umgekehrt folgen immer mehr andere europäische Ligen dem deutschen Beispiel und verzichten bei der Definition der Ausländerpositionen auf die Unterscheidung zwischen Europäern und Nicht-Europäern.

Das führt dazu, dass europäische und damit auch deutsche Spieler in mehr europäischen Ligen verstärkt in Konkurrenz zu den immer noch vergleichsweise "billigen" amerikanischen Basketballern stehen und deshalb eher auf die Angebote aus der Beko BBL zurückgreifen werden.

Irritation in Italien

Bei Diskussionen um die Quote wird gerne das Argument ins Feld geführt, dass eine solche letztlich auch dem Nationalteam zugute kommt - nicht nur hier in Deutschland, sondern auch im Mutterland der Quote, in Italien.

Doch auch die in der Serie A schon seit vielen Jahren obligatorische Regel, dass in jedem Team mindestens sechs Italiener stehen müssen, hat den Niedergang des Silbermedaillen-Gewinners der Olympischen Spiele von 2004 nicht stoppen können.

Die Squadra Azzurra, die bereits bei der Europameisterschaft 2009 zuschauen musste, verpasste in der vergangenen Woche erneut die Qualifikation für die EM 2011.

Etwas irritiert blickt man deshalb in Italien nach Deutschland, wo sich der Basketball - trotz einer bisher vergleichsweise moderaten Quote - in den letzten Jahren viel besser entwickelt hat...

>> Die Kolumne "Klartext" ist eine Publikation der Beko BBL

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