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Kyle Hines erzielte beim Champions Cup 13 Punkte und fünf Rebounds © imago

Tibor Pleiß' neuer Center-Konkurrent ist 20 Zentimeter kleiner als der Deutsche. Kyle Hines spricht bei SPORT1 über Bamberg.

Aus Bamberg berichtet Michael Spandern

Ein Rammbock mit Dynamit in den Beinen stemmt sich Tibor Pleiß in seiner vielleicht letzten Saison vor dem Sprung in die NBA entgegen - und das in jedem Training.

Bambergs neuer Backup-Center Kyle Hines bewies gleich bei seinem ersten Pflichtspiel, dass er nicht nur ein Upgrade für den nach Israel gewechselten Elton Brown ist, sondern nach dem Wechsel von Jeff Gibbs von Bremerhaven nach Japan der neue "Mr. Incredible" der Beko BBL werden kann.

"Ja, viele vergleichen mich mit Jeff Gibbs, der auch ein zu klein geratener Innenspieler ist. Und ich mache viele Dinge genau wie er", sagte Hines SPORT1 nach dem ungefährdeten 85:58 im Champions Cup gegen die Frankfurt Skyliners.

"Es ehrt mich natürlich, mit jemandem verglichen zu werden, der so viel geleistet hat in Deutschland."

"Jeder dachte, ich würde größer werden"

Mit 112 Kilogramm - zwei weniger als Pleiß - steht er in den Listen, ist aber rund 20 Zentimeter kleiner. Dabei sind die 1,96 Meter noch großzügig gemessen.

Doch Hines hat das Spiel unter den Körben von der Pike auf gelernt:

"Der Grund ist: Jeder dachte, ich würde größer werden - so zwischen 1,98 und 2,06. Doch als ich 1,95 war, hörte ich auf zu wachsen. Und mit meiner Spielweise war ich innen erfolgreich, das wäre ich als Guard oder als Small Forward nicht."

Nun also verwertet er wie gegen Frankfurt Offensivrebounds, bei denen der Verteidiger von seinem stämmigen Körper abprallt, stopft nach Alley-Oop-Anspiel - oder windet sich nach einem verblüffenden Crossover-Dribbling zu Korb.

"Ich hoffe, ihr werdet noch viel mehr davon sehen", schmunzelt der 24-Jährige.

Keith Gatlin empfiehlt Bamberg

Als mit Auszeichnungen überhäufter Rekordsammler der kleinen Universität von North Carolina Greensboro ging Hines 2008 zu Prima Veroli in die zweite italienische Liga. Nun erobert er "Freak City".

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"Ich liebe Bamberg. Und ich bin begeistert von der riesigen Unterstützung der Fans. Nirgendwo in Europa, wo ich gewesen bin, war das vergleichbar", sagt er.

Alle, die er gefragt hat, hätten ihm Stadt und Klub ans Herz gelegt: Der Neu-Bayreuther Jared Reiner, der Neu-Tübinger Chris Oliver und sein früherer Trainer Keith Gatlin, der in den 90er-Jahren fünf Spielzeiten die Bundesliga aufwirbelte.

Der Gegenentwurf zu Pleiß

Zudem sei auch Brose-Baskets-Coach Chris Fleming vielen seiner Freunde rund um New Jersey bekannt - als Spieler und Trainer.

"Alle haben nur Gutes über ihn gesagt", berichtet Hines. "Er hat mir ganz neue Perspektiven aufs Spiel eröffnet. Nun spiele ich solider, warte auf meine Gelegenheiten."

"Wir wollten ihn schon letztes Jahr haben, konnten ihn aber nicht verpflichten", verrät Fleming, der sich bei der Summer League in Las Vegas mit dem Power-Zwerg traf.

[kaltura id="0_1xqohdmi" class="full_size" title="Freakcity im Titelrausch"]

Bamberg habe nach Brown erneut einen Gegenentwurf zu Pleiß gesucht, der "eine andere Dynamik" ins Spiel bringt.

Hines lehrt Geduld

"Wenn ich hereinkomme, verändere ich das Tempo des Spiels, da ich etwas athletischer bin und mehr Fast-Breaks laufe", sagt Hines, schwärmt aber von Pleiß. "Ich habe noch nie einen Spieler mit solch einer Länge und diesen Fertigkeiten im Team gehabt."

"Er verbessert sich jeden Tag. Und vielleicht das Wichtigste: Er ist hungrig", erläutert Hines. "Jedes Mal, wenn ich in die Halle komme, sehe ich, wie er arbeitet. Ich bin begeistert, dass ich einem solchen Spieler helfen kann, sich weiterzuentwickeln."

Sein Lehrauftrag? "Ich kann ihm beibringen, geduldig zu sein. Er ist manchmal zu ungeduldig, führt seine Moves zu schnell aus."

Mit vollem Einsatz auf Titeljagd

Allerdings mahnt Fleming auch Hines, er müsse sich auf dem Feld "mehr Zeit nehmen". Dennoch traut er dem Mann aus Sicklerville zu, auch mal in die Anfangsformation vorzurücken.

Hines ist es egal, ob er auf der Position 4 oder 5, als Starter oder Reservist ins Getümmel geht - Hauptsache, mit vollem Einsatz.

"In unserem Team kann fast jeder auf verschiedenen Positionen spielen können", sagt Hines. "Und es gibt keinen Eigensinn. Unser Ziel ist nicht, in diesem oder jenem Spiel in der Startfünf zu stehen, sondern Titel zu gewinnen."

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