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Robin Benzing kam 2009/10 für Ulm auf 12,5 Punkte und 2,5 Rebounds pro Partie © imago

Im Sommer geriet Ulms Schlaks Robin Benzing in die Kritik. Bei SPORT1 spricht der Youngster über Muskelaufbau und seine Zukunft.

Von Michael Spandern

München - Der Hype um den besten deutschen Korbjäger der Beko BBL, der kurzzeitig mit dem NBA-Draft geflirtet hatte, schlug bereits vor der WM heftig um.

Experten befanden Robin Benzing für zu leicht - im wahren Sinne des Wortes - um sich auf der internationalen Bühne durchzusetzen. Und Bundestrainer Dirk Bauermann mahnte den Ulmer: "Er muss lernen, dass nicht jeder Wurf ein guter Wurf ist".

In der Türkei wirkte der 21-Jährige daraufhin verunsichert, kam nur auf 4,6 Punkte pro Partie, traf nur 32 Prozent seiner Würfe aus dem Feld - und blieb in der Krtitik.

Im SPORT1-Interview stellt sich der Small Forward der Kritik, spricht über sein Athletikprogramm und setzt sich neue Ziele. Dass die Ulmer beim Meister Bamberg (So., 17 Uhr LIVESCORES) in die Liga starten, kommt Benzing gerade recht. (1. Spieltag, Giessen 46ers - Telekom Baskets Bonn: Sa., 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

SPORT1: Herr Benzing, die WM verlief für Sie sportlich enttäuschend. Was nehmen Sie aus diesem Sommer mit?

Robin Benzing: Ich bin froh, dass ich dabei sein durfte. Das war eine Ehre für mich. Ich war natürlich enttäuscht, dass wir so früh ausgeschieden sind. Dennoch war es eine wertvolle Erfahrung für mich.

SPORT1: Es setzte Kritik von den Medien, von den Fans und auch vom Bundestrainer. Schleppen Sie die als Rucksack mit?

Benzing: Kritik gehört dazu und ist wichtig. Ich nehme sie an und werde hart arbeiten, um mich zu verbessern.

SPORT1: Dirk Bauermann monierte im Vorfeld der WM ihre Wurfauswahl und ermahnte alle deutschen Talente, härter zu arbeiten. Hat es Sie überrascht, dass er dies öffentlich tat?

Benzing: Das ist halt passiert, ich habe mir darüber nicht zu viele Gedanken gemacht. Aber es motiviert mich nur noch mehr.

SPORT1: Unser TV-Kommentator Frank Buschmann sagte, Sie hätten sich im Vergleich zur EM 2009 athletisch nicht weiterentwickelt. Dabei betont Ihr Umfeld, dass Sie intensiv mit dem Athletiktrainer des Fußball-Nationalteams, Shad Forsythe, zusammenarbeiten. Also sehen Sie Hanteln doch nicht nur aus der Ferne an...

Benzing: Nein, ich gucke mir die Hanteln bestimmt nicht nur an, und ich arbeite auch weiterhin hart mit Shad Forsythe.

SPORT1: Dennoch ist Ihnen ein Muskelzuwachs nicht wirklich anzusehen. Was für Fortschritte macht die Athletik?

Benzing: Muskelmasse baut ein Spielertyp wie ich nicht so schnell auf. Aber ich fühle mich auf jeden Fall stärker und stabiler. Dieses Gefühl macht einen sicherer und besser. Aber klar, es ist noch Luft nach oben.

SPORT1: Geht es während der neuen Saison eher um Stabilität oder darum, einige Kilo draufzupacken?

Benzing: Auf jeden Fall muss ich auch an Masse zulegen. Trotzdem darf ich dadurch nicht an Schnelligkeit oder Beweglichkeit verlieren.

SPORT1: Wie sieht Ihr Programm dazu konkret aus?

Benzing: Bei vielen Übungen arbeite ich mit meinem eigenen Körpergewicht. Ich mache viele Kniebeugen und Klimmzüge. Wir arbeiten oft mit Thera-Bändern, manchmal auch mit Medizin-Bällen.

SPORT1: Wie wollen Sie sich basketball-spezifisch verbessern?

Benzing: Junge Spieler neigen dazu, unkonstant zu werfen. Ich will an meiner Konstanz arbeiten. Und im Rebound muss auch mehr kommen. Und dann möchte ich Ulm hoffentlich in die Playoffs führen.

SPORT1: Sie sind mit 21 Jahren Starter in der Beko BBL und im Nationalteam sowie bester deutscher Scorer der Liga. Vermissen Sie dafür den Respekt von außen?

Benzing: Nein, darum kümmere ich mich nicht. Ich spiele einfach drauf los, das ist meine Devise.

SPORT1: Bekommen Sie das Zuckerbrot stattdessen vom Coach Mike Taylor, oder setzt er eher auf die Peitsche?

Benzing: Ein bisschen von beidem. Er ist ein sehr positiver Mensch, der uns viele Freiheiten gibt. Da dürfen die jungen Spieler auch mal Fehler machen, und nur daraus lernen sie ja. Das finde ich sehr gut, und ich möchte das Vertrauen auch zurückzahlen. Aber wenn ich zwei, drei schlechte Würfe in Folge genommen habe, sagt er auch: "So geht es nicht!"

SPORT1: Ulm hat die Playoffs nicht als offizielles Saison-Ziel ausgegeben. Sie aber sprechen durchaus von der K.o.-Runde?

Benzing: Wenn wir auf die vorige Saison zurückschauen, muss unser erstes Ziel der Klassenerhalt sein. Aber wir haben in dieser Saison eine gute Perspektive und können auf jeden Fall für eine Überraschung sorgen. Ich übernehme in Ulm eine Führungsrolle, und da sind die Playoffs für mich ein Ansporn.

SPORT1: Neu dabei sind vier Amis und ein Serbe. Wer hat einen Startplatz sicher?

Benzing: John Bryant startet als Center, und auf der 4 startet entweder Sean Sonderleitner oder Coleman Collins, der bereits im letzten Jahr dabei war. Das ist noch nicht klar. Im Backcourt bleibt es wohl dabei, dass Per Günther Lee Humphrey und ich starten.

SPORT1: Werden Sie ausschließlich auf der 3 zum Einsatz kommen?

Benzing: Ja, wahrscheinlich schon.

SPORT1: Und auf dieser Position macht Ihnen nur Sebastian Betz Konkurrenz. Ist das nicht zu wenig?

Benzing: Es ist auf jeden Fall nicht wenig! Betz ist ein Spieler der um seine Spielzeit sehr hart kämpft und zu keinem Zeitpunkt im Training aufgibt. Er setzt mich im Training, genau wie ich ihn, konstant unter Druck was mich als Spieler sehr sicher weiterbringen wird.

SPORT1: John Bryant ist der schwerste Mann der Liga. Muss man Angst haben, ihm zu begegnen?

Benzing: Er ist trotzdem beweglich und mit guten Moves ausgestattet. Auf jeden Fall ist John eine gefährliche Waffe unter dem Korb. Und wenn man gegen ihn zum Korb zieht, tut das schon mal weh.

SPORT1: Das erste Spiel führt Sie gleich zum Meister nach Bamberg. Sind die Brose Baskets noch stärker als in der Vorsaison?

Benzing: Wir haben sie in der Vorbereitung gesehen, und ich habe zudem mit Demond Greene und Steffen Hamann gesprochen, die dreimal gegen Bamberg gespielt haben. Die sagten, dass die Bamberger wahrscheinlich noch besser sind. Es ist eine Super-Aufgabe zum Auftakt. Da werden wir sehen, wo wir stehen.

SPORT1: Haben die Bamberger auch den besten Small Forward der Liga?

Benzing: Casey Jacobsen ist der Finlas-MVP und zumindest einer der besten Small Forwards der Liga. Das war bereits in den letzten Begegnungen ein schönes Duell?

SPORT1: Ein Blick über die Saison hinaus: Da sie dieses Jahr zurückgezogen haben, sind Sie automatisch für den NBA-Draft 2011 angemeldet. Glauben Sie, dass Sie Chancen haben, in der ersten Runde ausgewählt zu werden?

Benzing: Damit beschäftige ich mich gerade gar nicht! Mein Fokus liegt nur auf Ulm: Gut arbeiten, meinen Körper entwickeln, und dann schauen wir weiter. Es wird ein wichtiges Jahr für mich.

SPORT1: Ihr Vertrag in Ulm läuft nach der Saison aus. Wollen Sie danach unbedingt international spielen?

Benzing: Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt, dafür ist es zu früh.

SPORT1: Was würde es für Sie bedeuten, bei der EM 2011 womöglich erstmals mit Dirk Nowitzki in einem Team zu spielen?

Benzing: Das wäre ein super Sache und eine große Ehre, mit dem besten deutschen Basketballer zu spielen. Er war ja letztes Jahr bei den Lehrgängen des Nationalteams mal zu Besuch, da haben wir ein wenig gequatscht.

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