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Pascal Roller wechselte 1999 vom USC Freiburg nach Frankfurt © getty

Playmaker Pascal Roller spricht bei SPORT1 über Frankfurts Umbruch, die Eurocup-Pleite, Not-Transfers und das Wesen eines MLP.

Von Michael Spandern

München - Im Champions Cup vom Double-Gewinner Bamberg mit 58:85 abgefertigt, in der Eurocup-Quali nach der Heimpleite im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul fast gescheitert: Bereits vor dem Auftakt in Oldenburg (Sa., 20 Uhr LIVESCORES) knirscht es bei den Frankfurt Skyliners.

Schlimmer noch: Der Namenssponsor des Vizemeisters und Pokalfinalisten, die Deutsche Bank, hat seinen Ausstieg nach dieser Saison angekündigt.

Aus dem letztjährigen Kader haben die Hessen mit Seth Doliboa und Dragan Labovic sowie den Startern Derrick Allen, Aubrey Reese und Greg Jenkins gleich fünf Leistungsträger verlassen.

Roller vor der elften Skyliners-Saison

Das Gesicht der Skyliners aber bleibt an Bord: Pascal Roller geht in seine elfte Saison für Frankfurt.

Der 33-Jährige wurde nach der vorigen Saison zum Most Likeable Player (MLP), also zum beliebtesten Spieler der Beko BBL gewählt.

Im SPORT1-Interview spricht der Vize-Europameister von 2005, der 2008 aus dem Nationalteam zurückgetreten ist, über die Aussichten der Skyliners und die S.O.S.-Transfers.

SPORT1: Das 61:68 gegen Besiktas ist sicher kein Wunschergebnis, dabei brachten Sie die Skyliners kurz nach der Halbzeit mit elf Punkten in Front. Was lief dann schief?

Pascal Roller: Ich sehe es gar nicht mal so negativ. Unter den Umständen war es ein ordentliches Spiel, das wir abgeliefert haben. Wir haben auf drei Leute aus der Starting Five verzichten müssen. In der zweiten Spielhälfte hat es Besiktas dann doch verstanden, seine Größenvorteile und unsere kleinere Rotation zu nutzen.

SPORT1: Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, in Istanbul den Spieß umzudrehen?

Roller: Sieben Punkte sind eine Differenz, die man auswärts auch mal tilgen kann. Wir haben zu Hause recht clever agiert, und darauf kommt es auch in Istanbul an. Wir müssen unser Spiel so durchziehen, wie wir es wollen. Dann sehe ich durchaus eine Chance, dass wir die Qualifikation überstehen.

SPORT1: Gelingt das nicht, landet Ihr Team im EuroChallenge-Cup, für den es in der Vorsaison eine Wildcard ablehnte. Ist der Wettbewerb zu unattraktiv?

Roller: Die Wildcard abzulehnen, war eine Entscheidung des Klubs und spiegelt nicht unbedingt das wider, was wir Spieler wollen. Gerade für die vielen jungen Spieler, die wir in diesem Jahr wieder haben, ist es interessant, international zu spielen - egal in welchem Wettbewerb.

SPORT1: Nach dem Champions Cup funkte Co-Trainer Klaus Perwas S.O.S. Es sei "ein Problem ", wenn Kimmo Muurinen starten müsse. Sind die Skyliners mit den Verpflichtungen von Bradley Buckman und Jermaine Bucknor dieses Problem los?

Roller: Zunächst mal: Diese Aussage habe nicht ich getroffen. Mit dem noch verletzten Joe Dabbert und den Nachverpflichtungen haben wir drei Spieler, mit denen wir im Frontcourt deutlich tiefer besetzt sind. Wie sie sich das Spielfeld aufteilen, harmonieren und sich ergänzen, muss sich noch zeigen.

SPORT1: Wie erklären Sie Außenstehenden, dass der Vizemeister, der im Vorjahr alle Erwartungen übertroffen hat, drei Spieler aus der Starting Five abgegeben hat?

Roller: Das ist relativ leicht zu erklären. Die Mannschaft und jeder einzelne Spieler steigert durch eine sehr erfolgreiche Saison seinen Wert, und dann ergeben sich eben für die Spieler Chancen, sich sportlich oder vom Gehalt her zu verbessern. Ich weiß, dass Frankfurt sehr solide und sinnvoll wirtschaftet und sich ab einem bestimmten Punkt bewusst ist, dass man bei einem Spieler nicht mehr mitbieten kann. Wir hatten solch einen Aderlass ja auch nach der Meisterschaft 2004.

SPORT1: Nach dieser Saison steigt der Hauptsponsor Deutsche Bank aus. Erhöht das den Erfolgsdruck aufs Team?

Roller: Nein. Wir denken nicht darüber nach, dass wir dann nicht mehr den Namenspatron haben. Der sportliche Druck ist generell hoch. In Frankfurt ist die Erwartungshaltung nicht gerade gering. Aber der ein oder andere weiß, dass es wichtig wäre, eine erfolgreiche Saison zu spielen.

SPORT1: Manager Gunnar Wöbke meint, "von Platz 18 bis 1 ist alles möglich". Wenn das der Vizemeister sagt, klingt das wie eine Warnung? Wo sehen Sie die Frankfurter?

Roller: Wir haben als Mannschaft bisher noch keine Saisonziele festgelegt. Gedanklich sind wir die letzten Wochen bei der Qualifikation und versuchen erstmal diese Hürde zu nehmen. Und dann werden wir auch konkretisieren, wo wir in der Bundesliga hinwollen. Das war auch wegen der Verletzungen und Nachverpflichtungen noch nicht abzuschätzen.

SPORT1: Sie wurden zum beliebtesten Spieler der Liga gewählt, sind auch wenn es schlecht läuft stets aufgeräumt. Wann werden Sie mal böse?

Roller: Vielleicht mal zu Hause (lacht). Meine Freundin hat mittlerweile gelernt, hier und da als Puffer zu agieren. Das rechne ich ihr auch ganz hoch an. Sonst versuche ich meinen Mitspielern gegenüber positiv zu bleiben. Das ist auch eine wichtige Voraussetzung, um eine gute Teamchemie und Erfolg zu haben. Richtig böse werde ich nicht. Durch die Erfahrung relativieren sich Erfolge und Misserfolge. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht so leicht ärgern lasse.

SPORT1: Aus Ihrer Sicht: Was zeichnet einen MLP aus?

Roller: Ich kann nicht wirklich sagen, was die Fans da bewegt. Auf jeden Fall habe ich mich sehr gefreut. Es war ein netter Trost in der Situation, nachdem wir so knapp gescheitert waren. Rückblickend ist das etwas, was mir in der Sammlung noch gefehlt hat. Es ist eine sehr emotionale Auszeichnung.

SPORT1: Zur WM hat Dirk Bauermann drei Spielmacher mitgenommen. Zu den drei besten deutschen Point Guards zählen aber in den Augen vieler auch Sie. Gibt es eine Chance, Pascal Roller noch mal im Nationalteam zu sehen?

Roller: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich. Ich habe nach Olympia 2008 meinen Rücktritt erklärt und bin damals mit dem DBB so verblieben, dass ich wenn Not am Mann ist einspringe. Aber ich sehe den Bedarf nicht. Der Bundestrainer baut auf ein junges Team. Auch als ich jung war wurde ich gepuscht, obwohl ich spielerisch noch nicht so weit war. Ich glaube, es ist notwendig, Risiken einzugehen, damit sich junge Leute entwickeln können.

SPORT1: In den Finals haben Sie dem Spiel absolut Ihren Stempel aufgedrückt. Können Sie an diese Form anknüpfen?

Roller: Das will ich natürlich versuchen. Ich fühle mich körperlich sehr fit. Ich kann viele Erfahrungswerte einbringen, wenn Spiele verloren gehen. Das kann man nicht lernen, das kommt mit der Zeit. Wenn wir in die Situation kommen sollten, dass wir um den Titel spielen, würde ich es mir auch zutrauen, die Mannschaft führen zu können.

SPORT1: In der vorigen Saison standen Sie in wichtigen Phasen oft gemeinsam mit dem Starting Point Guard Aubrey Reese auf dem Feld. Ist das auch mit DaShaun Wood zu erwarten?

Roller: In der Vorbereitung haben wir manchmal zusammen auf dem Feld gestanden. Also hat der Coach diese Option schon mal in Erwägung gezogen. Aber ich denke, dass er Starter und Backup strikter trennt.

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