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Neu-"Albatross" Derrick Allen (r.) kam aus Frankfurt, Triers Dragan Dojcin aus Berlin © imago

Horst Schneider macht in der Klartext-Kolumne zwei Gründe des Transfer-Anstiegs aus. Er erklärt die Überstunden der Ausländer.

Die Beko-BBL-Kolumne "Klartext" erscheint unregelmäßig und greift ein aktuelles Thema auf. Der Sportjournalist und Basketball-Experte Horst Schneider erklärt das Wechselfieber von 2010.

Die 26.711 Zuschauer (1.700 mehr als vor einem Jahr), die zu den ersten acht Spielen der neuen Saison strömten, hatten vieles zu entdecken: neue Markierungen auf dem Parkett, einige neue Regeln - und jede Menge neuer Gesichter.

In den Zwölferkadern der 18 Bundesligisten finden sich nicht weniger als 136 Neuzugänge. Hatten die Verantwortlichen in der Beko BBL nicht das Streben nach Kontinuität auf ihre Fahnen geschrieben und sich in den letzten beiden Jahren auch daran gehalten?

2008 gab es im Transfersommer im Schnitt nur noch sechs Neuzugänge, 2009 sogar nur 5,6 pro Team. Warum jetzt plötzlich der signifikante Rückfall auf 7,6 Wechsel pro Team? Klartext begibt sich auf die Spurensuche.

Nur vier Klubs unter dem Ausländer-Maximum

Ab dieser Saison müssen pro Team jeweils fünf deutsche Spieler im Zwölferkader (vier im Zehner- oder Elferkader) stehen. (Augenreiben im Mutterland der Quote)

Wie einschneidend diese neue Vorgabe ist, erkennt man daran, dass fast jeder Bundesligist das jetzt noch maximal mögliche Kontingent von sieben ausländischen Akteuren voll ausschöpft. Einzig Gießen, Tübingen, Trier und Ulm begnügen sich - vorerst - mit nur sechs Ausländern.

Die wegen der neuen Regelung in die Liga gekommenen (oft noch unerfahrenen) zusätzlichen deutschen Spieler können auf dem hohen Niveau der Beko BBL aber erst einmal noch keine Akzente setzen.

Einsatzzeit für Deutsche fast unverändert

Zwar starteten 13 von 16 Klubs am Wochenende mit einem oder gar zwei deutschen Startern in die neue Saison (vor einem Jahr taten das nur sechs). Trotzdem ist die Gesamtspielzeit deutscher Akteure am ersten Spieltag im Vergleich zum ersten Spieltag des Vorjahres gerade mal um 21 Minuten (entspricht 0,65 Prozent) gestiegen.

Es gibt jetzt zwar nur noch sieben ausländische Leistungsträger pro Team, aber die sieben müssen offenbar die Spielanteile ihrer entlassenen Kollegen übernehmen.

Viele Bundesligisten haben das vorausgesehen und neue Ausländer verpflichtet, die das auch leisten können.

Viele Wechsel innerhalb der Beko BBL

Bei den von diesen neuen Bedingungen erzwungenen Wechseln sind die Klubs im Sommer auffällig vorsichtig vorgegangen. Noch nie standen Spieler anderer Bundesligisten so hoch im Kurs wie in diesem Sommer.

Fast ein Viertel aller Wechsel (32) fanden wie bei Derrick Allen (von Frankfurt nach Berlin) oder Louis Campbell (von Bremerhaven nach Oldenburg) innerhalb der Beko BBL statt. Bei solchen Spielern weiß man eben, was man bekommt.

Noch besser sind natürlich Akteure einzuschätzen, mit denen man schon einmal selber zusammengearbeitet hat.

Nur 89 ohne Bundesliga-Erfahrung

Dass neben Patrick Femerling (Berlin) oder Jerry Green (Ludwigsburg) noch 13 weitere Spieler aus anderen Ligen in die Beko BBL zurückgekehrt sind, unterstreicht, wie konservativ auf dem Transfermarkt agiert wurde.

Die Zahl der tatsächlich neuen Spieler in der Beko BBL reduziert sich dadurch von 136 auf nur 89. 292902(DIASHOW: Die wichtigsten Wechsel)

So viele neue Gesichter, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat, muss sich der Zuschauer also gar nicht merken. Kontinuität herrscht auch auf der Trainerbank: Gerade einmal vier neue Trainer (Stefan Koch, Markus Jochum, Henrik Rödl und Murat Didin) sorgen hier für frischen Wind.

Die neuen Regeln

Mit großem Interesse verfolgen alle Beobachter, wie sich die Regeländerungen auf das Spiel auswirken. Schon vorab sind sich alle Experten aber darin einig, dass die rechteckige Zone in Kombination mit der nach außen gerückten Dreierlinie dazu führt, dass die Rollen der großen Spieler auf den Positionen vier und fünf wichtiger werden.

Dem wurde bei der Team-Zusammenstellung Rechnung getragen. Gab es in früheren Jahren nicht wenige Bundesligisten, die mit einer unorthodoxen kleinen Aufstellung agierten, so haben jetzt fast alle einen oder gar mehrere 2,10-Meter-Riesen im Aufgebot. Einzig Düsseldorf und Göttingen spielen noch "Small Ball".

Auch die neuen Regeln haben somit manchen Wechsel erzwungen, den es unter anderen Umständen nicht gegeben hätte.

Kontinuität um jeden Preis?

Dass die Düsseldorfer - erzwungen aufgrund der finanziellen Turbulenzen - gleich ihr komplettes Team ausgetauscht haben, schlägt natürlich auch in der Wechselstatistik der gesamten Beko BBL negativ zu Buche.

Indes: Ist negativ überhaupt das richtige Wort? Ist die oft zitierte Kontinuität wirklich so wertvoll? Was wurden zu Beginn der zurückliegenden Saison Oldenburg und Berlin dafür gefeiert, dass sie nahezu unverändert in die neue Spielzeit gegangen sind!

Profitiert haben beide Favoriten davon genau 34 Spieltage lang (Platz 1 und 2 nach der Punktrunde). Im Sommer 2011 kehrt Ruhe ein Spätestens in den Playoffs wurde jedoch offensichtlich, dass diese beiden Mannschaften ihre besten Tage schon hinter sich hatten.

Überrascht es tatsächlich, dass jetzt speziell in Oldenburg und Berlin besonders viel umgebaut wurde? Jede Wette: Im nächsten Sommer, in dem es keine neue Quote und keine neuen Regeln geben wird, wird es nicht nur an Hunte und Spree, sondern in der gesamten Liga wieder spürbar ruhiger zugehen.

>> Die Kolumne "Klartext" ist eine Publikation der Beko BBL

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