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Nick Schneiders verbuchte im letzten NCAA- Jahr 12,4 Punkte und 6,8 Rebounds pro Spiel © imago

Goliath Nick Schneiders spricht im Interview über seinen Spätstart, die Auswirkungen seiner Länge und eine Party mit Bibo Mayr.

Von Markus Gröchtemeier

Den aktuell längsten Spieler der Beko BBL haben die New Yorker Phantoms Braunschweig in ihrem Kader.

Bei Nick Schneiders muss sich so mancher Gegenspieler unter dem Korb noch den Nacken verrenken: Der 26-Jährige misst stattliche 2,21 Meter.

Der in der Nähe von Bielefeld beheimatete Deutsche wechselte im Sommer von der University of South Carolina Upstate (NCAA 1) - dort hält der Big Man den Hochschulrekord bei den geblockten Würfen in einer Saison (88 Stück) - nach Braunschweig.

Vor dem 8. Spieltag und dem Niedersachsenderby gegen die Artland Dragons (So., 17 Uhr LIVESCORES) spricht der Grafikdesigner im Interview über seinen holprigen Spätstart, die Auswirkungen seiner Länge und eine Große-Menschen-Party mit Bibo Mayr.

Frage: Herr Schneiders, Sie spielen erst sechs Jahre Basketball. Die Geschichte, wie Sie zum Basketball gekommen sind, klingt sehr kurios? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nick Schneiders: Ja, das stimmt. Mit meinen Eltern war ich 2003 an der Westküste der USA im Urlaub. Da haben mich viele Leute auf meine Größe angesprochen. Natürlich kam schnell die Frage auf, ob ich Basketball spiele. Zurück in Deutschland wollte ich das erstmalig in meinem Leben ausprobieren. Der nächste Basketballverein in der Nähe meines Heimatortes Rietberg war die DJK Rheda, die damals in der 2. Regionalliga spielte. Nachdem ich auf den Anrufbeantworter des Vereins gesprochen hatte, riefen mich gleich drei Vereinsoffizielle zurück.

Frage: Wie verlief Ihr Debüt in der Viertklassigkeit?

Schneiders: Im letzten Saisonspiel kam ich in den letzten drei Angriffen zum Einsatz. Das Trikot war viel zu klein, ein Korb ist mir auch nicht gelungen. Wir sind zudem in die Oberliga abgestiegen. Ich absolvierte anschließend mein Freiwilliges Soziales Jahr und konnte so überhaupt nur wenige Spiele mitmachen.

Frage: Das klingt ja nicht gerade nach einer bevorstehenden Profikarriere?

Schneiders:(lacht) Aber ich wollte gerne in den USA studieren und habe einige Basketball-Videotapes von mir an Colleges und Universitäten verschickt. Eddie Payne, der Trainer der University of South Carolina Upstate, war gerade in Italien im Urlaub. Er hat sich ein Auto gemietet und ist zu uns nach Hause gekommen. In der Sporthalle in Rheda hat er mit mir trainiert - und mir daraufhin ein Stipendium angeboten. Das war schon ziemlich verrückt.

Frage: Und dann ging schnell aufwärts?

Schneiders: Obwohl ich im ersten Jahr nur trainiert habe, kann man es so bewerten. In meinem Abschlussjahr in der NCAA 1 kam ich für USC Upstate auf einen Punkteschnitt von 12,8 pro Partie, habe 6,8 Rebounds geholt und drei Blockshots verbucht.

Frage: Wissen Sie eigentlich, dass Sie mit über 2,20 Meter in die Fußstapfen so bekannter ehemaliger Nationalspieler wie Gunther Behnke, Rolf Mayr und Sascha Hupmann treten, die in den 90er Jahren die Riesen unter den Körben in der BBL waren?

Schneiders: Bibo Mayr habe ich 2004 sogar mal persönlich kennengelernt, als mich "Süddeutsche TV" nach Köln eingeladen hat, um eine Reportage zu machen. Auf einer Große-Menschen-Partie haben Rolf und ich uns einige Minuten unterhalten, uns aber kaum verstanden, weil es so laut war.

Frage: Sicherlich kommt es häufiger vor, dass die Menschen im Alltag hinter Ihnen her gucken oder Sie ansprechen. Gibt es einen Unterschied zwischen Deutschland und den USA im Umgang mit großen Menschen?

Schneiders: Für die Amerikaner bedeutet Größe automatisch Ruhm, Reichtum und Erfolg. Sie assoziieren mit meiner Körperlänge, dass ich ein Basketballspieler bin. Kinder und Erwachsene in den USA finden lange Menschen toll und sprechen einen gerne nett und sehr häufig auf der Straße an. In Deutschland blicken sie dir eher still hinterher oder zeigen auch mal mit dem Finger auf dich.

Frage: Die USA ist das Land der Auszeichnungen und Preise. Sie gehören zu den besten Uniabsolventen in der Kombination Basketball/Studium überhaupt. Sie haben Grafikdesign mit der sehr guten amerikanischen Note 3,7 abgeschlossen. Wie sehen Ihre Pläne nach der Basketballkarriere aus?

Schneiders: Ich liebe es, im Printbereich Layouts zu entwickeln und Logos zu entwerfen. Mein Traum wäre es, nach dem Basketball eine eigene Agentur zu gründen. Aber das hat noch Zeit. Erst einmal konzentriere ich mich auf das Basketballspielen in der Beko BBL.

Frage: Ist die Körperlänge von 2,21 Meter für Sie Vorteil oder Hypothek?

Schneiders: Vorteil! Ich habe gelernt, ein positiver Mensch zu sein und überlege nicht, was es bedeuten würde, wenn ich kleiner wäre. Ich bin sehr groß, und das ist auch gut so. Meine 2,21 Meter sind einzig und alleine der Grund, warum ich bei den New Yorker Phantoms Basketball spiele. Und das bewerte ich als sehr positiv.

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