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Konrad Wysocki bestritt bislang 45 Länderspiele für Deutschland © getty

In der Klartext-Kolumne schreibt Konrad Wysocki über seinen Ex-Klub Ulm. Er erklärt dabei Mike Taylors Erfolgsgeheimnis.

Die Beko-BBL-Kolumne "Klartext" erscheint unregelmäßig und greift ein aktuelles Thema auf. Nationalspieler Konrad Wysocki schreibt über seinen Ex-Klub ratiopharm Ulm, für den er von 2006 bis 2008 spielte. Derzeit ist der 28-Jährige für den polnischen Erstligisten Turow Zgorzelec aktiv.

Meine Zeit in Ulm liegt zwar schon mehr als zwei Jahre zurück, ich halte aber immer noch Kontakt zu meinen damaligen Coaches und dem Management und komme immer wieder gerne nach Ulm und an den Kuhberg zurück.

Erst am vergangenen Wochenende konnte ich dort den spannenden Heimsieg gegen Phoenix Hagen live miterleben. Aber auch hier in Zgorzelec verfolge ich sehr genau, was in der Beko BBLund in Ulm passiert.

Ich bin immer wieder überrascht, wie bekannt Mike Taylor ist. Sogar in Polen gibt es keine Mannschaft, in der nicht mindestens ein Spieler Mike aus US-Sommer-Camps, von seiner Homepage oder über ehemalige Teamkollegen kennt.

Mannschaftsbastler Taylor

Er ist nicht nur das Aushängeschild der Ulmer, sondern auch ein sehr kommunikativer Mensch, der schnell und gerne Kontakte knüpft und weiß, wie er sie pflegen muss. Jeder, der mit ihm zu tun hat, schätzt an ihm die Art, wie er den Sport lebt.

Mike versteht es sehr gut, aus den verschiedensten Charakteren eine Mannschaft zusammenzubasteln. Dennoch gelingt das natürlich in einer Saison besser und in einer anderen weniger gut. Als ich damals in Ulm war, hatten wir eine richtig gute Mannschaft.

Alle haben ihre Rollen verstanden, waren damit zufrieden. Das hat unseren Erfolg ausgemacht. Diese Saison scheint das in Ulm ähnlich zu sein. Da sind Spieler, die genau wissen, wie sie der Mannschaft helfen können ? und Mike Taylor treibt diesen Erfolg unermüdlich weiter voran.

Positive Lebenseinstellung

Manche, die Mike nicht persönlich kennen, wundern sich vielleicht, ob seine immerzu positive Art wirklich ernst gemeint ist. Dazu kann ich nur sagen: Ja! Mike ist ein unglaublich motivierter Mensch mit einer sehr positiven Lebenseinstellung.

Jeden Tag freut er sich darüber, in der Halle zu stehen und trainieren zu dürfen. Diese gute Laune und positive Energie versprüht er nicht nur auf dem Feld, sondern auch im alltäglichen Leben.

Bowling und Paintball statt Basketball

Die Trainingseinheiten sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison. Bei nur einem Spiel pro Woche wird das Training in jeder Mannschaft aber schnell monoton. Deshalb bringt Mike als großer Sportfan alternative Sportarten ein.

In meiner Zeit bei ratiopharm Ulm gab es den Ulmer Superbowl, die Ulmer World Series, aber auch Bowling oder Paintball wurden ausprobiert

Mike versucht spielerisch den Alltagstrott, der sich nach ein paar Monaten Training zwangsläufig einstellt, ein bisschen zu durchbrechen. Solche "Teamdays" bringen immer wieder neue Energie in die Mannschaft, die man dann wieder in Basketball-Einheiten verarbeiten kann.

Neue Festung ab 2011

Wie wird es weiter gehen mit Ulm? Gelingt in der nächsten Saison in der neuen Halle der nächste große Schritt nach vorne? Ich denke, die Erwartungen sollten nicht zu hoch angesetzt werden. Das ist ja aber auch das Schöne am Sport ? es ist nichts vorhersehbar.

Wenn man sich allerdings die Stimmung in der Kuhberghalle anschaut, dann ist man alleine den Fans eine neue Halle schuldig. Und ich bin fest davon überzeugt, dass mit der Zeit und dieser Euphorie die Donaustadt wieder eine Festung des deutschen Basketballs werden kann.

Ulm als zweite Heimat

Wenn ich hier so von Ulm schwärme, muss ich natürlich auch die Frage beantworten, ob ich mir irgendwann eine Rückkehr vorstellen kann.

In meiner letzten Ulmer Saison vor mehr als zwei Jahren haben mir die Verantwortlichen nahe gelegt, meine Erfahrungen zu sammeln, um dann möglichst schnell wieder nach Ulm zurückzukehren.

Ich habe die Stadt, den Verein und die Fans in sehr guter Erinnerung behalten. Ulm ist für mich eine zweite Heimat geworden, und wenn es sich irgendwann einmal ergeben sollte, werde ich gerne wieder das Ulmer Trikot überziehen.

Zgorzelec als Ulm-Double

Erst einmal habe ich aber mit meinem Team in Zgorzelec viel vor. Wir haben eine gute Mannschaft und freuen uns auf die Herausforderungen in dieser Saison.

Wie auch in Ulm, spielen wir in Zgorzelec in einer kleinen Halle mit vielen euphorischen Fans und einer wahnsinnig tollen Stimmung. Der Erfolg in den letzten Jahren hat die Stadt überzeugt, eine neue größere Halle zu bauen, die für den europäischen Spitzenbasketball geeignet ist.

Auch deshalb sind wir auf dem besten Weg, uns dieses Jahr erneut für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. Und wer weiß: Vielleicht geht es dann ja auch mal zu einem Auswärtsspiel nach Ulm.

>> Die Kolumne "Klartext" ist eine Publikation der Beko BBL

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