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Philip Zwiener spielte in der vorigen Saison neun, nun 30:29 Minuten pro Partie © imago

Im Interview spricht Philip Zwiener über seinen Wechsel zu Trier und den Aufstieg vom Bankdrücker zum besten deutschen Scorer.

Von Jan Finken

Vom Bankdrücker zum besten deutschen Scorer der BEKO BBL: Nach seinem Wechsel von ALBA Berlin zum TBB Trier ist Philip Zwiener durchgestartet.

Mit knapp 15,3 Punkten pro Spiel hat der Ex-Nationalspieler die Trierer überraschend zu sechs Siegen aus zwölf Spielen und auf den siebten Tabellenplatz geführt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Interview spricht der 25-Jährige über die Bedeutung seines Mentors und neuen TBB-Trainers Henrik Rödl, seine wechselhafte Zeit in Berlin und den Allstar Day in Trier. Der Small Forward hofft zudem auf eine Rückkehr Nationalteam.

Frage: Herr Zwiener, TBB Trier hat einen respektablen Saisonstart hingelegt, mit dem nicht viele gerechnet haben. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe?

Philip Zwiener: Ich denke, dass bei uns die Mischung aus jungen, hungrigen Akteuren und erfahrenen Spielern stimmt. Oskar Faßler, Oliver Clay oder auch ich harmonieren sehr gut mit den Routiniers wie George Evans, Dragan Dojcin oder auch John Bynum. Die Chemie in unsere Truppe stimmt, und wenn das Zusammenspiel Spaß macht, kommt der Erfolg meist von ganz alleine.

Frage: Trier kassiert nur 69,5 Punkte pro Partie und zählt damit zu den Top 5 der Liga. Ist auch die Defense ein Erfolgsfaktor?

Zwiener: Das stimmt, unser Fokus liegt auf der Defensive. Coach Henrik Rödl hat von Beginn an klar gemacht, dass unser System auf einer intensiven Abwehrarbeit basieren wird. Nach diesem Kriterium hat er im Sommer auch sein neues Team zusammengestellt.

Frage: Ist es nicht ein wenig seltsam, wenn die Nummer sechs der aktuellen Korbjägerliste über den Stellenwert der Defensivarbeit spricht...

Zwiener: Nun, das Eine schließt das Andere ja nicht aus. In meinen fünf Jahren in Berlin habe ich einiges über richtiges Verteidigungsverhalten gelernt, schließlich zeichnet sich ALBA seit Jahren durch eine starke Defense aus. Andererseits weiß ich um meine Stärken in der Offensive, beispielsweise meinen Zug zum Korb. Meine Qualitäten habe ich ja nicht verloren, konnte sie zuletzt - speziell in den letzten zwei Jahren - aber kaum zeigen.

Frage: Sie sprechen Ihre Zeit bei ALBA an, wo sie insgesamt fünf Jahre unter Vertrag standen. Was hat Sie dazu bewogen, im Sommer zu wechseln?

Zwiener: Ich bin dankbar für die Zeit in Berlin, in der ich viel gelernt habe. Dennoch war es für mich ein wechselvoller Abschnitt voller Aufs und Abs. Nachdem ich in den letzten beiden Jahren viel auf der Bank gesessen habe, war es für mich nun wieder an der Zeit zu spielen.

Frage: Vom Bankdrücker in Berlin zum Führungsspieler in Trier: Wie gelang Ihnen dieser Rollenwechsel so eindrucksvoll?

Zwiener: Zunächst gilt der Dank meinem Trainer Henrik Rödl, der mich ja nicht nur von Berlin nach Trier geholt hat, sondern seinerzeit schon aus Bremen nach Berlin. Er hat Vertrauen in meine Fähigkeiten und gibt mir vor allem auch die Spielzeit, diese zu zeigen. Selbstbewusstsein bekommt man nur über die Minuten, die man auf dem Feld steht. Und wie ich eben schon erwähnt habe, wusste ich ja immer, was ich kann.

Frage: Ist die vermehrte Spielzeit das einzige Geheimnis?

Zwiener: Ich denke, ja. Spielzeit und das Vertrauen des Trainers, wobei das ja im Grunde das Gleiche ist. In Trier habe ich jetzt die Chance, nicht nur anderen, sondern auch mir persönlich zu beweisen, dass ich ein guter Spieler bin!

Frage: Henrik Rödl hat Sie praktisch aus Berlin "mitgenommen", genau wie Dojcin, Faßler und Clay. Hand aufs Herz: Wären Sie auch gewechselt, wenn Henrik Rödl Sie nicht angesprochen hätte?

Zwiener: Für mich war es natürlich eine günstige Konstellation, dass Henrik in Trier Chef-Trainer geworden ist. Wir kennen uns sehr lange und schätzen uns. Aber auch unabhängig von Henrik hätte ich ALBA im Sommer verlassen, um anderswo Spielzeit zu bekommen. Ob es dann auch Trier geworden wäre, steht auf einem anderen Blatt. Bei ALBA hatte ich eine super Zeit, und Berlin ist eine tolle Stadt. Ich habe dort viele Freundschaften geschlossen, aber letztlich geht es um den Beruf, und da wollte ich mich weiterentwickeln.

Frage: Mit Faßler und Clay sind zwei weitere junge Spieler aus Berlin nach Trier gewechselt. Ist es für Sie etwas Besonderes, mit den beiden in Trier wieder zusammen zu spielen?

Zwiener: Auf jeden Fall. Wir haben natürlich schon vorher über die Möglichkeit gesprochen, uns in Trier praktisch wieder zu treffen. Für uns alle ist das eine Riesensache. Auch hier muss man den Hut vor Henrik Rödl ziehen, der konsequent jungen deutschen Spielern Einsatzzeit in der Beko BBL gibt. Viele andere haben diesen Mut nicht.

Frage: Schon jetzt werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus: Am 22. Januar 2011 findet der Beko BBL Allstar Day in Ihrer neuen sportlichen Heimat Trier statt. Ihr Statement?

Zwiener: Also, ich werde mir die Veranstaltung auf jeden Fall anschauen (lacht). Aber im Ernst: An eine mögliche Nominierung als Allstar verschwende ich keinen Gedanken.

Frage: Wenn Sie noch nicht an eine Nominierung als Allstar denken, dann tun Sie dies sicherlich auch nicht in Sachen Nationalmannschaft?

Zwiener: Genau so ist es. Natürlich ist es für mich eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen, mit der ich ja schon bei den Olympischen Spielen in Peking war - ein unvergessliches Erlebnis. Ich müsste lügen, wenn ich sage, es ist nicht mein Ziel, wieder für die Auswahlmannschaft nominiert zu werden. Aber man darf auch nicht vergessen, dass ich in Berlin die letzten zwei Jahre mehr oder weniger nur auf der Bank gesessen habe. Wenn ich mich nun in Trier wieder für Bundestrainer Dirk Bauermann empfehlen kann - umso besser. Allerdings besteht gerade auf meiner Position mit Robin Benzing, Elias Harris oder Philipp Schwethelm Riesen-Konkurrenz.

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