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A.J. Moye spielte von 2000 an vier Jahre für die Indiana Hoosiers in der NCAA © Bernd Klinsing

Die Ärzte machen Frankfurts A.J. Moye nach Teil I der Reha Mut. Der 28-Jährige hat neben Geduld auch Demut gelernt.

Frankfurt/Main - A.J. Moye war sprichwörtlich aus dem Gleichgewicht geraten, die rechte Körperhälfte versagte ihren Dienst, an Sprechen war nicht zu denken.

Für den Flügelspieler der Deutsche Bank Skyliners aus Frankfurt lag die Welt nach einem Schlaganfall vor sechs Wochen in Trümmern. Nach einer langen Zeit der Ungewissheit darf der 28-Jährige Amerikaner inzwischen aber sogar auf die Fortsetzung seiner Karriere hoffen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es ist eine deutliche Besserung erkennbar. Die Sprachprobleme sind nicht mehr vorhanden, auch die Schwäche und die feinmotorischen Schwierigkeiten der rechten Körperseite konnten gut behandelt werden. Aus neurologischer Sicht kann man sagen, dass keine bleibenden Schäden zu erwarten sind", erklärte der behandelnde Arzt Dr. Elmar Ginzburg.

Wohl noch lange ambulant in Reha

Am zweiten Weihnachtstag saß Moye kurz nach seiner Entlassung aus der Klinik beim Beko BBL-Punktspiel seines Teams gegen den BBC Bayreuth zumindest als Zuschauer erstmals wieder auf der Bank.

Ob und wann der Korbjäger wieder am Spielgeschehen teilnehmen kann, bleibt allerdings erstmal offen.

"Vom neurologischen Standpunkt aus kann er seine alte Leistungsfähigkeit wieder erreichen. Doch sollte man, wenn überhaupt, eher in Monaten denken als in Wochen", sagte Dr. Ginzburg, der seinen Patienten rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest aus der Reha-Klinik in Bad Orb entließ. Die weitere Behandlung findet ambulant statt.

"Das Beste aus jedem Moment machen"

"Ich lasse es ruhig angehen. Die Zeit ist auf meiner Seite", sagt Ajene Malaki Moye, der durch das einschneidende Ereignis Demut gelernt hat.

"Ich bin einfach nur dankbar dafür, dass ich wieder alle meine Körperteile normal bewegen kann. Natürlich vermisse ich das Basketball spielen, aber man kann sich nicht aussuchen, was das Leben für einen bereithält. Alles, was man tun kann, ist, das Beste aus jedem Moment zu machen", sagt Moye.

Basketball sei eine so wundervolle Sportart: "In jedem Jahr, seitdem ich spiele, habe ich etwas Neues gelernt und gesehen. Doch was sich jetzt geändert hat, ist, dass ich viel besser erkennen kann, wie wertvoll das Leben an sich ist."

Flut von Genesungswünschen

A.J. Moye war am 15. November im Training mit einem Mitspieler zusammengestoßen, konnte aber trotz des Hämatoms am Auge zunächst weitertrainieren.

Am nächsten Morgen hatte er erste Koordinationsprobleme und wirkte schläfrig. Als sich sein Zustand weiter verschlechterte, wurde Moye mit einem Notarztwagen ins Krankenhaus transportiert, wo er zwischenzeitlich auf der Intensivstation lag.

Geholfen hat Moye in seiner schweren Zeit neben der ärztlichen Betreuung auch die große Anteilnahme. Auf der Geschäftsstelle der Skyliners traf eine Flut von Genesungswünschen aus dem gesamten Bundesgebiet, den USA und anderen Teilen der Welt ein.

Aus Finnland an den Main

Moye dankte per Video-Botschaft, bevor er sich in die Reha begab. Dort wurden in den kommenden Wochen vor allem motorische Übungen zur Schulung des Gleichgewichts, der Feinmotorik und der Koordination durchgeführt. Aber auch Sprachtherapie gehörte zum täglichen Programm des Amerikaners.

Moye arbeitet täglich an seiner Fitness und denkt längst an seine Rückkehr aufs Parkett. "Ich versuche, wieder an den Punkt zurückzukommen, an dem ich war", sagt Moye, der seinem Klub etwas zurückgeben möchte.

Zur laufenden Saison war er vom finnischen Verein Kouvot Kouvola an den Main gewechselt, wo er einen Einjahresvertrag mit Option hat. Zuvor hatte der Familienvater von 2006 bis 2009 für den Liga-Rivalen Walter Tigers Tübingen gespielt.

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