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Heiko Schaffartzik war bei der Europameister- schaft 2009 Topscorer des DBB-Teams © imago

Nach mehr als sechs Jahren trägt Schaffartzik wieder das Trikot von ALBA Berlin. Bei SPORT1 spricht er über seine Erfahrungen.

Von Michael Spandern und Marcus Giebel

München - Er ist wieder zurück. In Berlin. Seiner Heimatstadt.

Um mit ALBA Titel in der Beko BBL zu gewinnen. Am besten schon in dieser Saison.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Vorfreude ist groß, endlich wieder das Trikot des erfolgreichsten deutschen Klubs des gerade zu Ende gegangenen Jahrzehnts überstreifen zu können.

"Ich hatte immer den Wunsch, irgendwann wieder hier zu spielen", sagt Heiko Schaffartzik zu SPORT1. Mit leuchtenden Augen steht er vor der O2-World - seiner neuen Heimspielstätte.

In den vergangenen Jahren war der Spielmacher häufig in der 14.800 Zuschauer fassenden Arena aufgelaufen.

Grenzenloses Selbstbewusstsein

Doch erst jetzt - nach mehr als sechs Jahren - werden die Fans wieder uneingeschränkt hinter ihm stehen. Beim Einlaufen seinen Namen rufen.

Bis Sommer 2012 hat er unterschrieben - auch die Berliner wollten den 27-Jährigen über diese Saison hinaus binden - möglicherweise steigt schon zum Rückrundenauftakt beim MBC (Sa., ab 19.30 Uhr LIVESCORES) sein Comeback.

Doch selbst wenn Coach Luka Pavicevic noch nicht auf ihn setzen sollte, Schaffartziks Selbstbewusstsein ist grenzenlos. "Ich bin sehr von mir überzeugt", ist ein Satz, der dem DBB-Nationalspieler oft über die Lippen kommt.

Stabilität und Flexibilität im fremden Land

Nach acht verschiedenen Klubs in sechs Jahren muss es auch so sein. Gerade die vergangenen Monate in der Türkei bei Türk Telekom Ankara verlangten Stabilität, aber auch Flexibilität.

"Ich habe gelernt, wie es ist, sich als Ausländer in einer fremden Kultur zurechtfinden zu müssen", erklärt der 27-Jährige.

Und fügt hinzu: "Auch basketballerisch habe ich einiges gelernt. Denn das Spiel in der Türkei ist ein ganz anderes als in Deutschland."(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Weggetrieben aus Ankara hat ihn einzig eine Regelung: Die türkischen Klubs müssen in der Liga immer zwei Einheimische auf dem Parkett haben.

Erst weiterentwickeln, dann "comfort zone"

"Nach dem Aus in der Eurochallenge hätte ich nicht mehr viele Einsatzminuten bekommen, weil auf den großen Positionen vorwiegend Ausländer spielten", so Schaffartzik, der folglich um die Auflösung seines Vertrages gebeten hatte.

Den Schritt ins Ausland würde er jedoch immer wieder tun: "Wenn man sich als Mensch weiterentwickeln will, muss man aus seiner 'Comfort Zone' heraus."

Dass es ihn nun ausgerechnet nach Hause verschlagen hat, sei dennoch kein Rückschritt.

Die Wahrheit erkannt

Hier wohnt er zunächst wieder bei seiner Familie und hat seine Freunde, "was mich natürlich freut". Und hier will er zeigen, was er in den vergangenen sechs Jahren dazugelernt hat - auf wie neben dem Parkett.

"Ich habe gelernt, andere Meinungen zu akzeptieren und festzustellen, dass meine nicht immer die richtige ist. Das hat ein Weilchen gedauert, aber das habe ich als meine Wahrheit erkannt", hat Hobby-Gitarrist Schaffartzik etwa festgestellt.

Ein bisschen Zeit brauche er auch bei der Eingewöhnung in der neuen, alten Heimat: "Ich muss erstmal an die Mannschaft herangeführt werden und das Spiel lernen."

"Nicht als Backup geholt"

Lange hinten anstellen oder auf der Bank versauern, wie bereits einige deutsche Nationalspieler unter Trainer Luka Pavicevic, will es aber nicht. "Ich wüsste nicht, dass ich als Backup geholt worden bin."

Geholt hat ihn ALBA allerdings genau zu der Zeit, als Marko Marinovics Ersatzmann Hollis Price mit einem Muskelfaserriss ausfällt - noch mindestens eine Woche.

Auch danach glaubt Schaffartzik, den Berlinern helfen zu können - notfalls auch als Shooting Guard.

Schwerster Kampf im Jugendalter

Bereit ist der 1,83-Meter-Mann in jedem Fall. Denn seinen schwersten Kampf hat er schon im Jugendalter gewonnen, als er an Leukämie erkrankt war.

Damals waren ALBA-Verantwortliche zur Weihnachtsfeier in die Kinderkrebsstation des Virchow-Klinikums gekommen und hatten ihm die nötige Kraft gegeben.

Erst danach reifte in dem damals 13-Jährigen der Wille und die Überzeugung, Basketballprofi zu werden.

Nur eine Änderung in Berlin

In diesem Jahr nun kann er seinem Herzensklub etwas zurückgeben. Wie schon zwischen 2002 und 2004.

Doch was hat sich seither geändert, in seiner Stadt, bei seinem Klub?

Bei dieser Frage kommt Schaffartziks typischer Humor durch. Er überlegt kurz und beginnt zu schmunzeln. "Die Halle", sagt er grinsend, "ALBA hat eine größere Halle."

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