Der Pavicevic-Rauswurf erfolgt zu spät. Manager Baldi kommt sein Festhalten am Trainer teuer. Der Neue dürfte es schwer haben.

Im Eurocup bis Dienstag ungeschlagen, in der Beko BBL kurz nach Rückrundenstart in Schlagdistanz zum Tabellenzweiten - kein Problem in einer Liga, in der es erstmals nur ums Erreichen der Playoffs geht, in denen wie 2010 gesehen alles passieren kann.

Nicht so beim oft zitierten Branchenkrösus ALBA Berlin. Trainer Luka Pavicevic, der seit 2007 einen Meistertitel, einen Pokalsieg und einen zweiten Platz im Eurocup auf der Habenseite hatte, bekommt seine Papiere.

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Die Dominanz, mit der sich die wirtschaftlich nicht schlechter gestellten Brose Baskets aus Bamberg mittlerweile zur klaren Nummer 1 in Deutschland aufgeschwungen haben, erhöhte den Druck an der Spree.

Doch vor allem das Auftreten der "Albatrosse" widersprach zuletzt dem Selbstverständnis des Renommierklubs.

Allerdings: Eben dieses blutleere Auftreten sollte bereits ausgemerzt werden, indem ALBA nach dem sang- und klanglosen Viertelfinal-Aus gegen den Hauptrunden-Siebten Deutsche Bank Skyliners im Mai einen Umbruch einleitete.

"Wir werden jeden Stein umdrehen - mit Ausnahme des Trainers", versprach Manager Marco Baldi und ließ Taten folgen: Berlin trennte sich zum Teil geräuschvoll von neun Bundesliga-Spielern, einschließlich Heiko Schaffartzik kamen seither ebenso viele neue.

Ein teures Unternehmen - das spätestens nach der 52:103-Rekordklatsche in Bamberg als verbranntes Geld verbucht werden musste.

"Danach hätten wir eine Reaktion sehen müssen", so Baldi. "Aber wir haben einfach keine Stabilität rein bekommen."

Noch teurer als die sommerliche Erneuerung des Kaders dürfte Baldi nun sein Treueschwur zu Pavicevic kommen.

Nicht nur, dass es den bis 2012 laufenden Vertrag abzufinden gilt. Theoretiker Pavicevic hat einen Kader hinterlassen, der zwar viel Spielintelligenz und Systemfestigkeit aufweist. Aber dessen kämpferische Schwächen resultieren mitunter auch aus athletischen, die in einer Liga voller amerikanischer Überflieger schmerzlich ins Gewicht fallen.

Auch deshalb dürfte es der Neue - womöglich der in der Euroleague bewährte Italiener Matteo Boniciolli, den Virtus Rom in diesem Monat entlassen hat - schwer haben.

Um noch in diesem Jahr nach einem Titel zu greifen, kann er den Regularien nach nur noch drei Spieler verpflichten.

Und auch die nötige Zeit, Trainer und Verstärkungen zu finden, ist durch das Festhalten an Pavicevic bereits vergeudet worden.

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