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Muli Katzurin wurde vier Mal tschechischer Meister und Pokalsieger mit CEZ Nymburk © imago

Im Interview spricht der neue ALBA-Coach über seine Trainer-Philosophie, Ambitionen in der Liga und den richtigen Zeitpunkt.

Von Sebastian Finis

München - Noch nicht einmal eine Woche im Amt und schon wird es ernst.

Die Rede ist von Muli Katzurin, dem neuen Trainer von ALBA Berlin. Der ehemalige Nationaltrainer Israels und Polens wird am Donnerstag bei der Eurocup-Partie gegen Panellinios Athen zum ersten Mal bei ALBA an der Seitenlinie stehen.

Katzurin ist der Nachfolger des letzten Freitags entlassenen Luka Pavicevic, der seit 2007 bei dem Beko-BBL-Klub unter Vertrag stand.

Der von ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi als "Wunschkandidat" betitelte Katzurin kündigte einen Fünfjahresvertrag beim israelischen Basketballverband, um sofort in der Hauptstadt los legen zu können.

Im Interview spricht der Israeli über seine Trainer-Philosophie, die Ambitionen in der Beko BBL und warum ALBAs Anfrage genau zum richtigen Zeitpunkt kam.

Frage: Herr Katzurin, waren Sie schon einmal in einer vergleichbaren Situation, dass Sie in der Mitte der Saison ein Team übernommen haben?

Muli Katzurin: Nein, in mehr als 30 Jahren als Trainer kam das noch nie vor. Ich hatte nie die Möglichkeit dazu, weil ich immer irgendein Team gecoacht habe. Das ist eine komplett neue Situation für mich, die keinesfalls leicht ist. Ich muss mich jetzt den Gegebenheiten schnell anpassen. Das ist eine sehr große Herausforderung für mich, aber auch eine Chance, und genau deshalb bin ich gekommen.

Frage: Sie arbeiteten zuletzt als Sportdirektor des israelischen Basketballverbandes. Sehen Sie Ihre Aufgabe bei ALBA als Comeback ins Trainer-Business?

Katzurin: Als Comeback würde ich es nicht bezeichnen, schließlich habe ich bis zur vergangenen Saison als Trainer gearbeitet. Der Job als Sportdirektor, den ich die letzten sechs Monate ausgeübt habe, war für mich neu und ganz anders. Ich musste viele Dinge organisieren und entscheiden.

Die Dinge haben sich nicht so entwickelt, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich möchte Ihnen keine Details nennen. Nur so viel: Ich war mit der dortigen Situation in den letzten zwei Monaten nicht so glücklich. Deshalb habe ich mich entschlossen, zu kündigen. ALBA kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Perfektes Timing!

Frage: ALBA Berlin braucht frischen Wind. Was wollen Sie jetzt ändern?

Katzurin: Es wird eine Änderung der Philosophie geben. Ich möchte, dass unser Team mehr rennt und einfache Punkte macht. Wir werden häufiger Fastbreak spielen. Zudem möchte ich öfter eine Pressverteidigung spielen lassen, um die Gegner zu Fehlern zu zwingen. Daraus werden sich hoffentlich viele einfache Punkte für uns ergeben.

Eine gute Verteidigung ist die Grundlage für jeden Angriff. Deshalb müssen wir in der Defensive noch aggressiver zu Werke gehen. Des Weiteren möchte ich die individuellen Qualitäten der einzelnen Spieler noch mehr zur Geltung kommen lassen.

Die Säule im Basketball ist ein optimales Verhältnis zwischen der Philosophie des Trainers und der Qualität der Spieler. Ich denke, dass die Spieler gut zu meiner Philosophie passen. Jeden Tag werden wir ein paar neue Elemente hinzufügen.

Frage: Werden Sie komplett neue Spielsysteme einführen oder auch ein paar alte übernehmen?

Katzurin: Es geht nicht um irgendwelche Systeme, sondern um meine Philosophie. Ich mache das, an was ich glaube. Und die Spieler werden tun, was ich ihnen gezeigt habe. So läuft das. Ich kopiere meine Vorgänger nicht. Vieles was ich tue, ist nichts Neues. Was die Taktik im Speziellen angeht, möchte ich mir aber nicht in die Karten schauen lassen.

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Frage: Wie beurteilen Sie ALBAs Spielermaterial? Werden Sie Veränderungen im Kader vornehmen?

Katzurin: Der Kader ist exzellent. Er besteht aus sehr vielen guten Spielern. Ich bin glücklich mit den Spielern, die wir zur Verfügung haben und werde versuchen, das Beste aus ihnen herauszuholen. Deshalb werden wir erstmal mit diesem Kader weiterspielen.

Frage: Wie sieht es mit dem Trainerstab aus?

Katzurin: Ich habe den Coaching-Staff gebeten zu bleiben, denn es ist auch im Interesse des Vereins, mit ihnen die Arbeit fortzusetzen. Wir befinden uns in einer besonderen Situation, wir sind mitten in der Saison. Ich war deshalb froh, dass sie zusagten, mit mir zu arbeiten. Jeder von ihnen ist auf seinem Gebiet sehr gut.

Frage: Wie gut kennen Sie die Beko BBL und ALBAs Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft?

Katzurin: In den letzten vier Jahren habe ich den tschechischen Erstligisten Nymburk gecoacht. Über Satellit habe ich jedes Wochenende die deutsche Liga verfolgt. Ich kenne den Stil der Beko BBL und viele andere Dinge in Deutschland. Die Situation in der Liga ist nicht leicht. Wir haben einen strengen Terminplan mit vielen Spielen in kurzer Zeit. Wir müssen für jedes einzelne Spiel bereit sein.

Die Ziele sind klar. In den Playoffs müssen wir auf dem Höhepunkt unserer Leistungsfähigkeit sein. Ich kann mich noch erinnern, dass in der vergangenen Saison die vier besten Teams der regulären Spielzeit in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden sind.

Ich weiß, dass die Liga mit vielen konkurrenzfähigen Teams ausgestattet ist und viel Athletik in sich trägt. Die Beko BBL ist eine qualitativ hochwertige, sehr interessante Liga. In den meisten Standorten sind die Hallen bei den Spielen voll.

Frage: Wenn Sie sich die jetzige Situation von ALBA anschauen: Ist es noch realistisch, Meister zu werden?

Katzurin: Die Meisterschaft ist offen. Jedes Team, das sich für die Playoffs qualifiziert, kann theoretisch Meister werden. Man muss zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Verfassung sein und Spiele gewinnen. ALBA strebt immer nach ganz oben, gibt sich nicht mit dem zweiten Platz zufrieden (DATENCENTER: Tabellen und Ergebnisse).

Es ist meine Herausforderung, die Meisterschaft zu gewinnen. Ich hasse es, Spiele zu verlieren. Ich werde meinen Spielern im Falle einer Niederlage sagen, dass wir uns so fühlen sollten, dass wir alles Mögliche getan haben, aber das andere Team besser war als wir. Das ist für mich eine akzeptable Situation. Anders herum lasse ich es nicht durchgehen, wenn wir nicht alles für den Sieg getan haben.

Frage: Welcher Faktor wird besonders entscheidend sein?

Katzurin: Bei den Heimspielen brauchen wir vor allem die tatkräftige Unterstützung unserer Fans. Wir müssen die o2 World mit Menschen füllen und die Atmosphäre in der großen Arena aufleben lassen.

Unsere Gegner dürfen sich bei uns nicht wohl fühlen. Wir müssen mit Stimmung und Lautstärke in der Halle dagegen halten. ALBA BERLIN spielt für seine Fans. Wir wollen sie glücklich machen und wollen, dass sie unsere Spieler pushen. Das brauchen wir.

Frage: ALBA hatte zuletzt das Problem, nicht konstant genug zu sein. Mit welchen Mitteln wollen Sie Konstanz in die Leistungen der Mannschaft bringen?

Katzurin: Basketball ist ein sehr einfaches Spiel. Wer es kompliziert macht, sind die Trainer, Schiedsrichter oder wer auch immer. Entscheidend ist die Einstellung der Spieler. Wir sollten mit der richtigen Einstellung in jedes Spiel gehen, unseren Stil durchziehen und zuhause sowie auswärts in der gleichen Art und Weise auftreten.

Wir sollten zwar Respekt vor dem Gegner, aber vor niemandem Angst haben. Wir müssen jedes Spiel ernst nehmen, uns richtig vorbereiten, an uns glauben, Vertrauen in unser Spiel haben und mit der Power von ALBA in jede Partie gehen.

Frage: Sind Sie sich bewusst, dass Ihr Vertrag vermutlich nicht verlängert wird, wenn Sie die Erwartungen bis zum Ende der Saison nicht erfüllen?

Katzurin: Dessen bin ich mir bewusst, aber es stört mich nicht. Ich bin hierher gekommen, um das zu tun, was ich gut kann. Verträge sind nur Papier. Es bedeutet nichts im Sport. Wenn du einen guten Job machst, bleibst du, wenn nicht, fliegst du. Das ist überall gleich.

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