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Dirk Nowitzki spielt seit 1998 bei den Dallas Mavericks in der NBA © getty

Auch aus Angst um seinen Körper denkt Dirk Nowitzki an Europa. SPORT1 wagt einen Ausblick auf die möglichen Ziele des Würzburgers.

Von Michael Spandern

München - Eine Aussperrung 2011/12 schwebt wie ein Damoklesschwert über der NBA.

Doch das amerikanische Schreckensszenario weckt in Europa kühne Träume - erst recht, nachdem Brandon Jennings, Andrei Kirilenko und vor allem Dirk Nowitzki ihr Interesse an einem kurzzeitigen Gastspiel in der alten Welt bekundet haben.

Beim Buhlen um Superstar Dirkules bringen sich in Deutschland Double-Gewinner Brose Baskets Bamberg, Ex-Abomeister ALBA Berlin und Aufstiegsanwärter FC Bayern München in Stellung.

Doch Nowitzki hat bereits betont, dass er auch ein Engagement im Ausland in Erwägung zieht.

SPORT1 erklärt, welche Argumente für welche Klubs sprechen und sieht die Bayern in der besten Ausgangsposition.

Griechenland:

Die "Dallas Morning News" geben Griechenland gute Chancen, Nowitzki nach Hellas zu locken. Griechenland sei ein beliebtes Urlaubsziel des neunmaligen All-Stars und die dortige Liga eine der stärksten in Europa.

Allerdings: Hinter den spendablen Spitzenklubs Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus klafft eine beträchtliche Lücke. Und die Ausschreitungen der frenetischen Fans beim Derby haben bereits NBA-Ass Josh Childress verschreckt.

Nicht zuletzt: Urlauber Nowitzki schätzt die Natur - wie auf der Peloponnes. Der Athener Smog dürfte nicht gerade eine Attraktion für den Franken sein.

Spanien:

Die ACB bietet nicht nur wegen Euroleague-Sieger FC Barcelona und dessen Erzrivalen Real Madrid das höchste Niveau in Europa.

Zudem stellen sowohl Barca mit Wunderkind Ricky Rubio als auch die "Königlichen" mit dem Argentinier Pablo Prigioni Top-Assistenten, die für Nowitzki ein wenig Jason-Kidd-Ersatz sein könnten.

Allerdings: Ob Nowitzki sich später mal vorhalten lassen möchte, den als arrogant verschrienen Spaniern einen Schub auch noch für die Liga gegeben zu haben, darf bezweifelt werden. Zu schlimm erging es ihm in den letzten Duellen der Nationalteams.

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Deutschland:

Die Brose Baskets Bamberg stellen sportlich momentan das attraktivste Team der Beko BBL. 20 Siege aus 21 Spielen weisen den Meister als klaren Titelfavoriten aus(DATENCENTER: Alle Ergebnisse). Zudem bieten die Franken vertrautes Terrain für Dirkules.

Von der Stechert-Arena sind es bis in seine Heimatstadt Würzburg runde 100 Kilometer.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Da es dem großen Blonden in der Vergangenheit - wie auch immer - häufiger gelang, einige Tage in Würzburg abzuschalten und alte Kumpel zu treffen, dürfte das im beschaulichen Bamberg genauso klappen.

Bamberg auch mit Nowitzki kein Final-Four-Format

Nicht anzunehmen, dass die Zeitung "Fränkischer Tag" von ihrer braven Berichterstattung abrückt und Paparazzi aussendet, die Nowitzki rund um die Uhr nachstellen.

Allerdings könnte Nowitzki die Brose Baskets kaum aufs nächste Level hieven:

In Deutschland sind sie ohnehin top, in der Euroleague dürften sie selbst mit dem Superstar kein Final-Four-Format haben.

Bauermann - da weiß er, was er hat

Der FC Bayern München bietet bei den weichen Faktoren ähnlich viel: Die Stadt kennt Weltstars des Sports (Ribery, Robben, Schweinsteiger), die Medien gehen pfleglich mit "ihrem" FCB um, und in der grünen Bayern-Metropole dürfte sich Nowitzki pudelwohl fühlen.

Sportlich könnte er dem Aufsteiger in spe wie kaum einem anderen Team seinen Stempel aufdrücken: Das dann wahrscheinlich mit einigen Hochkarätern verstärkte Ensemble dürfte mit Nowitzki allemal nach dem Titel greifen. Und mit Dirk Bauermann steht ein alter Vertrauter Nowitzkis an der Seitenlinie, der weiß, wie er ein System um den MVP von 2007 formt.

Bauermann selbst betont im Hinblick auf Olympia 2012, wie wichtig es Nowitzki ist, dass er den Trainer kennt und diesem vertraut.

Euroleague ein hartes Pflaster

Gegen die Bayern spräche lediglich, dass sie 2011 nicht auf der internationalen Bühne präsent sind.

Doch das muss nicht gegen sie sprechen: Nowitzki sorgt sich nach der längsten Verletzungsserie seiner Karriere im Januar mehr denn je um seinen Körper.

Auch ein Mitwirken bei der EM im September hat er unter diesem Eindruck jüngst in Frage gestellt.

Angst, Rost anzusetzen

Er hat aber auf der anderen Seite Angst, dass er mit dann 33 Jahren "Rost ansetzen" würde, wenn er zu lange nicht spielt.

Jeder Basketballer weiß, dass Kraft- und Konditionstraining ebenso wenig wie einzelne Drills das Mannschaftstraining und vor allem den Wettkampf ersetzen können.

Die Euroleague ist in diesem Sport jedoch das härteste Pflaster, gegen das die NBA eher einem Streichelzoo gleichkommt. Gut möglich, dass Nowitzki das wöchentliche Beko-BBL-Spiel als das richtige Maß an Belastung erscheint.

Keine Weltstars in Berlin

Das könnte er freilich auch beim Renommierklub ALBA Berlin haben, der in den beiden Vorjahren jeweils in der Euroleague-Qualifikation scheiterte.

Doch in der Hauptstadt ist die Medienszene rauer - und echte Sportstars abseits von Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen rar. Zudem ist der neue Trainer Muli Katzurin für Nowitzki ein unbeschriebenes Blatt.

Seine Freundschaft zu Teammanager Mithat Demirel dürfte den Hauptstädtern daher ebenso wenig zu einer Verpflichtung genügen wie die prächtige Arena am Ostbahnhof.

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