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A.J. Moye wechselte vor der Saison von Kouvot Kouvola nach Frankfurt © imago

Nur 105 Tage danach spricht A.J. Moye über die - auch privaten - Folgen seines Schlaganfalls und seine Comeback-Hoffnung.

Offenbach - A.J. Moye beißt auf die Zähne. Er hängt sich in die Gummiriemen und sprintet mit schmerzverzerrtem Gesicht noch einmal zehn quälend lange Sekunden auf der Stelle.

Dann lässt er sich auf die dicke Trainingsmatte im Rehazentrum fallen und lächelt.

105 Tage nach seinem Schlaganfall hat der Guard der Deutsche Bank Skyliners Frankfurt die schwierigste Zeit überstanden und sein inneres Gleichgewicht wiedergefunden.

"Ich weiß, es macht keinen Sinn, aber im Moment bin ich sehr glücklich. Der Schlaganfall hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Der Schlaganfall hat mir beigebracht, das Leben zu lieben und den Basketball nicht so wichtig zu nehmen", sagt Moye.

Koordinationsprobleme am nächsten Morgen

Dreieinhalb Monate nach seinem Schlaganfall blickt Moye wieder positiv in die Zukunft (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1).

Am 15. November war der Familienvater im Training mit einem seiner Mitspieler zusammengestoßen, konnte aber trotz eines Hämatoms am Auge zunächst weitertrainieren.

Am nächsten Morgen hatte er erste Koordinationsprobleme und wirkte schläfrig, abwesend. Als sich sein Zustand verschlechterte, wurde Moye mit einem Notarztwagen ins Krankenhaus transportiert, wo er mit der niederschmetternden Diagnose auf die Intensivstation eingeliefert wurde.

Das Leben als Puzzle

Der Schlaganfall im November blieb nicht der einzige schwere Rückschlag für Ajene Malaki Moye.

"In meinem Leben ist an einem Tag alles zusammengefallen. Und jetzt baue ich das alles wie ein Puzzle wieder auf. Ich war zunächst sehr alleine. Denn meine Freundin hat sich wegen des Schlaganfalls von mir getrennt. Das war wirklich hart. Deshalb bin ich unheimlich glücklich, dass meine Mutter und meine Tochter Solana derzeit zu Besuch in Deutschland sind", sagt Moye.

Blick immer nach vorne

Schon in jungen Jahren lernte er in East Point/Atlanta die Schattenseiten des Lebens kennen: "Als ich 18 war, wollte ich mit meinem besten Freund Geburtstag feiern gehen - er wurde erschossen. Ich habe gelernt, nach vorne zu schauen."

Seit nunmehr sechs Wochen arbeitet Moye nun fast täglich rund drei Stunden intensiv im Offenbacher Reha-Zentrum Sporeg gemeinsam mit Reinhard Gebel an seiner Rückkehr aufs Parkett.

Dabei trainiert Moye vor allem Koordination, Ausdauer und Gleichgewicht. Zudem werden die Muskeln behutsam wieder aufgebaut, Sauerstoff zugeführt und Massagen durchgeführt.

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Bruschi als Vorbild und Hilfe

In den Pausen liest Moye das Buch des ehemaligen NFL-Profis Tedy Bruschi, der nach einem Schlaganfall ein Comeback schaffte.

Ob auch Moye die Rückkehr als Profi gelingt, werden erst die kommenden Wochen zeigen. (Comeback-Hoffnung nach Schlaganfall)

"Die einzigen Zweifel, die ich in meinem Leben tatsächlich noch habe, betreffen meine Zukunft im professionellen Basketball. Ansonsten habe ich vor nichts mehr Angst", sagte Moye.

Freude an der Quälerei

Das Gefühl für professionellen Basketball hat Moye aber noch nicht verloren.

Während sich der Brasilianer Caio vom Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt spaßfrei durch die Reha bei Sporeg quält, zeigte Moye bei den intensiven Übungen mit dem am Knöchel verletzten Teamkollegen Pascal Roller, dass er mit unbändigem Willen sein Comeback anstrebt.

"Es klingt verrückt, aber ich glaube sogar, dass ich schon wieder spielen könnte. Ich habe das Gefühl, dass ich zurückkommen werde. Sicher kann ich mir da natürlich nicht sein. Aber es ist jetzt schon großartig, mit den Jungs der Skyliners ein paar Körbe zu werfen", sagte Moye. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Entscheidenden Wochen stehen an

Sein Reha-Arzt Reinhard Gebel muss Moye in seiner Trainings-Euphorie ab und an bremsen.

Denn für Gebel befindet sich Moye derzeit in einer "entscheidenden Phase".

"Wir haben tatsächlich die Hoffnung, dass A.J. wieder Basketball spielen kann. Auf welchem Level, das werden erst die kommenden Wochen zeigen. Aber A.J. bringt die wichtigste Voraussetzung mit - er entwickelt sich jeden Tag weiter", sagte Sporeg-Inhaber Gebel.

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