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Louis Dale wechselte vor der Saison vom US-College Cornell nach Göttingen © imago

Nach dem Göttinger Coup gegen die Brose Baskets erklärt Top-Scorer Louis Dale im SPORT1-Interview, wie Bamberg zu packen war.

Aus Göttingen berichtet Jan Wilke

Göttingen - Casey Jacobsens Blick war leer. Konsterniert blickte er in eine Wand aus lila-weißen Schals, Fahnen und Transparenten.

"Ihr könnt nach Hause fahren" schallte es ihm nach dem 69:82 (45:39) seiner Brose Baskets gegen die BG Göttingen aus 3700 Kehlen entgegen. Dass Bamberg in der "Festung" Lokhalle seine zweite Saisonniederlage in der Beko BBL kassieren würde - danach hatte es zunächst nicht unbedingt ausgesehen.

Gegen starke Veilchen hatte der Tabellenführer bis zur Pause alles im Griff, agierte in der Offense wie ein echter Champion: kühl, abgeklärt und mit hoher Trefferquote (Die Stenogramme des 25. Spieltags).

Vor allem Predrag Suput gab den Göttingern Rätsel auf. Im ersten Durchgang erzielte der serbische Forward 20 Punkte, traf 80 Prozent seiner Dreierversuche.

Verschwendete Energie

Dann aber kam die BG. Mit riesigem Elan kämpfte sich das Team von John Patrick in das Spiel zurück, führte schnell mit über zehn Punkten und gab diese Führung nicht mehr aus der Hand.

Bamberg agierte auf einmal gar nicht mehr Champion-like, sondern nervös und überhastet.

Symptomatisch für die Flaute: Innerhalb von wenigen Minuten versemmelte Reyshawn Terry drei Dreier und setzte an der Linie ebenso viele Freiwürfe in Serie daneben. Die Energie, die Göttingen aufs Feld brachte, verbrauchte Bamberg an falscher Stelle - in Diskussionen mit dem Schiedsrichter-Gespann und dem Gegner.

Weit weniger gesprächig zeigten sich die Baskets nach der Partie. Wortlos rauschten sie an den wartenden Pressevertretern vorbei. Das war bei der BG anders. Im SPORT1-Interview erklärt Topscorer Louis Dale (20 Zähler) den Sieg über Bamberg.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Das Gefühl, den Double-Gewinner zu schlagen, kennt hierzulande bisher nur Düsseldorf. Wie fühlt sich das an?

Dale: Es ist unglaublich, ein super Erfolg. Der Schlüssel, um ein solches Spitzenteam zu schlagen, war unser Teamgeist. Wir sind heute raus gegangen und haben extrem aggressiv und sehr, sehr physisch gespielt. Es ist ohnehin so etwas wie unser Markenzeichen, aber es war heute ganz besonders wichtig, immer wieder hart auf den Ball zu gehen und auf keinen Fall in der Intensität nachzulassen.

[kaltura id="0_mv23spgi" class="full_size" title="Bamberg zeigt Nerven"]

SPORT1: Die Bamberger waren nur in der ersten Hälfte erwartet stark.

Dale: Das lag wohl auch an uns. Wir wussten, dass wir dran bleiben und kämpfen mussten, weil sie oft mit viel Power in ihre Partien starten. Aber wir haben eben versucht, ihnen unser Spiel aufzuzwingen. Das hat richtig gut funktioniert.

SPORT1: Mit diesem Big Point hat sich ihr Team im Kampf um die Playoffs eindrucksvoll zurückgemeldet. Im Eurocup stehen sie im Viertelfinale. Was ist in dieser Saison noch möglich?

Dale: Wir müssen auf diesen Sieg aufbauen, den Schwung und die positive Stimmung von heute mit in die nächsten Spiele nehmen. Jetzt ist doch alles möglich. Gerade im Eurocup, Playoff-Spiele sind immer wieder eine spezielle Situation. Wir wollen uns dort richtig gut präsentieren und werden alles geben, um weiterzukommen.

SPORT1: Für sie persönlich lief es in Göttingen bisher nicht immer optimal. Trotz zeitweise guter Leistungen bekamen sie von John Patrick teils nur wenig Spielzeit. War der Auftritt heute eine Genugtuung für sie?

Dale: Nein, darum geht es nicht. Wissen sie, meine Teamkollegen zählen auf mich und mein Spiel. Sie wollen, dass ich reinkomme und Energie und Spirit aufs Parkett bringe. Das ist, was zählt und das ist mir heute ganz gut gelungen.

SPORT1: Trotzdem muss es sie doch stören, dass sie zum Beispiel gegen Budivelnik gerade mal 15 Sekunden gespielt haben. Können sie sich erklären warum?

Dale: Nein, keine Ahnung.

SPORT1: John Patrick verfolgt eine klare Strategie: Wer einen dummen Fehler macht, wird ausgewechselt. So soll die Konzentration hoch gehalten werden. Wie finden sie das?

Dale: Das ist eben seine Art zu coachen und ein Team einzustellen. Wir versuchen, es so gut wie möglich zu machen und seine Vorstellungen umzusetzen.

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