vergrößernverkleinern
Coach John Patrick gewann 2010 mit der BG Göttingen 74 die EuroChallenge © imago

Göttingens Trainer John Patrick bei SPORT1 über den Coup gegen Bamberg, den nächsten Gegner aus Frankfurt und seine Zukunft.

Von Jakob Gajdzik

München - Er steht wie kein zweiter für die BG 74.

Coach John Patrick, seit 2003 mit einjähriger Unterbrechung in Göttingen tätig, führte die "Veilchen " in die Beko BBL und 2010 sensationell zum Triumph in der EuroChallenge.

Dass er den Göttingern aber über diese Saison hinaus die Treue hält, ist keineswegs sicher, wie er im SPORT1-Interview erklärt.

Der Verein kann mit den großen Zielen des US-Amerikaners nur bedingt Schritt halten.

Vor dem Hit beim Tabellenzweiten Deutsche Bank Skyliners in Frankfurt (Sa., ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) spricht der 43-Jährige über den Überraschungssieg gegen Bamberg, Pfiffe als Motivationsspritze und Phasen, in denen Individualisten übers Feld laufen.

Und er stellt gleich zwei Frankfurtern Einzeltitel in Aussicht.

SPORT1: Herr Patrick, Ihr Team hat dem Goliath aus Bamberg die erst zweite Saisonschlappe beigebracht. Waren auch Sie überrascht?

John Patrick: Nein, denn wir sind eine Mannschaft mit zwei Gesichtern. Wir haben Spiele, in denen wir hervorragend gespielt haben, größtenteils im Eurocup, und welche in denen wir weniger überzeugt haben. Das ist normal für eine junge, neuformierte Mannschaft. In vielen Spielen waren wir zu unkonzentriert. Gegen die Bamberger, die die beste Mannschaft der Liga sind, haben wir es geschafft, offensiv und besonders defensiv sehr konzentriert zu spielen. Durch unser Publikum hatten wir auch den emotionalen Vorteil.

SPORT1: Haben Sie nun den Code, wie die Brose Baskets zu knacken sind?

Patrick: Es war schwierig, weil Bamberg physisch eine sehr starke Mannschaft hat, aber da haben wir gut dagegen gehalten. Dafür muss ich meiner Mannschaft ein großes Lob aussprechen. Nach den beiden Partien in Bamberg in der Pre-Season und im Hinspiel, wo meine Mannschaft ausgepfiffen wurde, waren wir auch besonders heiß.

[kaltura id="0_mv23spgi" class="full_size" title="Bamberg zeigt Nerven"]

SPORT1: Der Sieg gegen Bamberg war schon der dritte Erfolg in der Beko BBL nacheinander. Warum läuft es nun besser?

Patrick: Basketball ist auch ein Spiel des Momentum und des Selbstvertrauens. Wenn eine Mannschaft heiß läuft, dann läuft es plötzlich und die Würfe gehen rein. Auf der Gegenseite bekommt man Selbstzweifel, wenn es mal nicht so läuft. Das ist besonders bei so einer jungen Mannschaft wie bei uns der Fall. Wenn es nicht läuft, steht man da als eine Gruppe von Individualisten. Unser Ziel vor der Saison war es, nicht im Oktober oder November in Form zu sein, sondern in den Monaten von März bis Mai. Jetzt haben wir ein Niveau erreicht, mit dem ich zufrieden bin. Nun müssen wir aufpassen, dass wir dieses halten. Denn es geht immer nur in eine Richtung: Entweder nach oben oder nach unten.

SPORT1: Nun wartet mit dem derzeitigen Tabellenzweiten in Frankfurt ein weiterer harter Brocken. Wie stimmen Sie Ihr Team auf die Skyliners ein?

Patrick: Ähnlich wie Bamberg ist Frankfurt eine physisch starke Mannschaft, die sehr intensiv und athletisch spielt. Und sie geben nie auf. Mit DaShaun Wood haben sie den schnellsten Spieler der Liga. Auch Spieler wie McKinney, Robertson oder der ehemalige NBA-Spieler Powell sind Spitzenleute. Mit Muurinen spielt dort zudem der meiner Meinung nach beste Verteidiger in der Liga, unter dem Korb haben Sie einen Chris Moss. Diese Mannschaft hat das Potenzial, die Meisterschaft zu gewinnen. Das wird ein heißer Tanz.

SPORT1: Wo sind die Skyliners verwundbar?

Patrick: Die Mannschaft hat eigentlich keine Schwächen. Auf die Verletzungen von Pascal Roller und Dominik Bahiense de Mello konnten sie mit neuen Spielern reagieren. So etwas wäre bei uns nicht möglich. Mit Wood haben sie zwar nur einen Point Guard, aber dieser ist der kommende MVP der Beko BBL.

SPORT1: Im Kampf um die Playoff-Plätze ist ein Herzschlag-Finale zu erwarten. Was spricht Ihrer Meinung nach für Ihr Team?

Patrick: Es sind noch neun Partien zu spielen, um in die Playoffs zu kommen, davon müssen wir noch fünf bis sechs gewinnen. Auch wenn wir vor der Saison, auch aus finanzieller Sicht, nur das Ziel Klassenerhalt hatten, werden wir natürlich versuchen, diese Chance jetzt zu nutzen.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Ihre Mannschaft ist auch noch im Eurocup vertreten, steht dort im Viertelfinale gegen Treviso. Wie bewältigen die Spieler diese Doppelbelastung?

Patrick: Das ist eine schwierige Sache, besonders wenn man die Verletzungssorgen berücksichtigt, die wir hatten. Aber im Grunde ist das mit der Doppelbelastung zu 90 Prozent eine mentale Sache. Wir können entweder zweimal am Tag trainieren, oder unter der Woche spielen. Es macht aber viel mehr Spaß zu spielen, als zu trainieren. Im Eurocup treffen wir auf Topmannschaften mit Topspielern, was zusätzlich eine besondere Motivation darstellt. Meine Spieler sind jung und hungrig, da machen Spiele gegen ehemalige NBA-Stars wie Allen Iverson besonders viel Spaß. Da muss ich als Trainer dann auch nicht mehr viel sagen.

SPORT1: Sie sind mit Göttingen 2007 in die BBL aufgestiegen und seither im Amt. Bei den Spielern herrscht hingegen ein ständiges Kommen und Gehen. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Patrick: Das ist natürlich nicht unbedingt mein Wunsch, aber so ist die Realität. Auch in dieser Saison haben wir acht neue Spieler dazubekommen. Finanziell geht es bei uns nicht anders, somit können wir den Spielern nur Einjahres-Verträge geben. Auch ich habe nur einen Vertrag über ein Jahr. Etablierte Spieler können wir uns nicht leisten, stattdessen müssen wir müssen uns auf die Suche nach jungen Rohdiamanten machen. Von daher müssen wir da mehr bei Mannschaften aus der zweite Liga schauen. Ich hoffe das wird sich irgendwann ändern. Aber die Mannschaft die ich gerade trainiere ist eine gute Truppe, die alles gibt. Am Ende der Saison werden die Spieler und ich dann schauen, ob es weiter in die richtige Richtung geht. Ob es möglich ist, neue Sponsoren zu gewinnen, um unsere Ambitionen zu untermauern, weiter oben mitzuspielen.

SPORT1: Glauben Sie, dass Sie auch in der nächsten Saison die BG trainieren?

Patrick: Ich persönlich konzentriere mich bis zum Saisonende auf Göttingen, aber natürlich habe ich auch Ambitionen oben mitzuspielen. Was sich hier in Göttingen entwickelt hat ist klasse. Als ich 2003 hier angefangen habe, haben wir mit einer Nachwuchsmannschaft in einer Sporthalle vor 100 Leuten gespielt. Jetzt reisen unsere Fans mit uns durch ganz Europa und machen Stimmung. Das ist genial. Aber im Endeffekt ist es auch ein Beruf. Ich muss nach der Saison überlegen, wie es hier finanziell weitergeht. Das Gesamtbild muss stimmen. Ich habe auch eine Familie hier in Göttingen, für sie wäre es ein Vorteil zu bleiben. Aber ich könnte mir auch vorstellen, was anderes zu machen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel