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Statistisch vorbildlich: Marcus Slaughter glänzte mit guten Punkt- und Reboundwerten © getty

Nachdem Ersatz aus Spanien gefunden ist, macht Bremerhaven die Entlassung von Problemfall Marcus Slaughter offiziell.

Von Tobias Schröter

Bremerhaven - Die Eisbären Bremerhaven haben einen Schlussstrich unter das Kapitel Marcus Slaughter gezogen - aber noch einige deftige Fußnoten darunter gesetzt.

Am Donnerstag gab der Tabellenletzte die Trennung vom Top-Scorer der Liga bekannt, der nach zahlreichen Eskapaden seit rund zwei Wochen nicht mehr im Kader stand.

Der Verein nahm nun Stellung zum Fall und präsentierte bereits einen Nachfolger für den US-Amerikaner: Landsmann und Ebenfalls-Riese Craig Callahan, der in der vergangenen Saison für den spanischen Erstligisten Ricoh Manresa auf Korbjagd ging.

Umstände lange unklar

Die Querelen im Fall Slaughter hatten in den vergangenen Tagen für Spekulationen gesorgt.

Slaughter hatte bereits am vorletzten BBL-Spiel gegen Köln nicht mehr teilgenommen, zunächst wegen einer angeblichen Knieverletzung.

Um bei den Verhandlungen um die Vertragsauflösung ein möglichst gutes Ergebnis erzielen zu können, hatte sich das Eisbären-Management bisher jedoch nicht zum Thema geäußert.

Isolierter Einzelgänger

Schon lange habe der 2,06 Meter große Flügelspieler seinen Rauswurf bei den Nordseestädtern forciert, teilten die Eisbären mit.

Erste Unstimmigkeiten habe es nach dem Nordderby gegen Oldenburg Anfang Oktober gegeben, als Slaughter eine Woche jegliche Kommunikation mit seinen Mitspielern verweigerte.

Auch im Training habe sich der US-Amerikaner zunehmend hängen lassen. In der Folge habe Slaughter "jeglichen Respekt und Kredit bei seinen Mannschaftskameraden verloren" und sei "immer mehr zum Einzelgänger mutiert".

Provozierende Eskapaden

Damit nicht genug. In der Pokalpartie gegen Düsseldorf (107:114) habe der Forward seine Auswechslung gefordert, über Schmerzen im Knie geklagt.

"Daraufhin wurde Slaughter von Eisbären-Teamarzt Jan Ernst krankgeschrieben", erklärt der Verein, ohne ein Diagnose mitzuliefern.

Das "Sonntagsjournal" berichtet von einem anderen Grund für die Unpässlichkeit: Slaughter habe 40 Minuten vor dem Spiel noch eine Currywurst mit Pommes Frites verdrückt.

Eigenmächtige Reise nach Frankreich

Am vergangenen Sonntag folgte dann das letzte Kapitel des Falls Slaughter in Deutschland.

Während seine Mannschaftskameraden in Tübingen ihre nächste Niederlage hinnehmen mussten, habe Slaughter beim Eishockey-Zweitligaspiel zwischen den Fischtown Pinguins und Freiburg im Bremerhavener Eisstadion "auf provokante Art und Weise für die anwesenden Fotografen posiert".

Tags drauf fuhr der Top-Scorer der BBL, der bis zu seinem Ausscheiden durchschnittlich 18,8 Punkte pro Partie erzielt hatte, dann offenbar ohne Abstimmung mit dem Eisbären-Management nach Frankreich und unterschrieb einen Vertrag beim Erstligisten STB Le Havre.

Sein Nachfolger Callahan soll nun der Mannschaft die nötige Stabilität verleihen und wieder Ruhe ins Chaos bringen. Angesichts von 2:18 Punkten und der roten Laterne ist das in Bremerhaven auch bitter nötig.

Auf der Suche nach Verstärkung

Während der Neu-Eisbär den Verein im bereits seit einigen Tagen laufenden Probetraining überzeugen konnte, wird ein zweiter Tryout-Kandidat nicht verpflichtet.

Tyray Pearson, in der Saison 2005/06 für Braunschweig erfolgreich und danach in Bonn wegen einer schweren Achillessehnen-Verletzung nicht zum Zuge gekommen, spielte zuletzt ebenfalls in Spanien, verließ die Eisbären ohne Vertrag.

Die Suche nach einer weiteren Verstärkung soll daher in den kommenden Wochen fortgesetzt werden.

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