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Muli Katzurin war zwischen 2007 und 2009 Trainer der polnischen Nationalmannschaft © imago

Vor dem Topspiel gegen Bamberg spricht ALBA-Coach Muli Katzurin über die Hinspiel-Demontage, Startprobleme und die Hauptstadt.

Von Jakob Gajdzik

München - Der Schmerz saß tief in der Hauptstadt.

Im Hinspiel bei den Brose Baskets Bamberg musste der achtfache Deutsche Meister der Beko BBL schmerzhaft anerkennen, dass ihnen die Franken den Rang des Liga-Primus abgelaufen haben.

Mit 52:103 wurde ALBA Berlin damals demontiert und mit der höchsten Liga-Niederlage nach Hause geschickt.

Es war der Anfang vom Ende für den damaligen Coach der Berliner Luka Pavicevic. Drei Wochen später wurde der Trainer entlassen und durch Muli Katzurin ersetzt.

Nach einem holprigen Start mit vier Niederlagen aus den ersten fünf Spielen unter dem Isreali haben sich die "Albatrosse" wieder gefangen und feierten zuletzt sechs Siege in Folge. (DATENCENTER: Beko BBL)

In der Hauptstadt treffen die beiden Basketball-Giganten am Samstag (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) nun wieder aufeinander.

Im SPORT1-Interview spricht Katzurin über seine Vorgehensweise gegen den Tabellenführer, seine Startschwierigkeiten und den schweren Stand seiner deutschen Nationalspieler.

SPORT1: Herr Katzurin, das Hinspiel ging mit 103:52 an Bamberg. Sie müssen also eine ordentliche Scharte auswetzen.

Katzurin: Wir müssen dieses Spiel vergessen, das war einfach schlecht. Wir müssen uns nun auf die kommende Partie konzentrieren, denn es wird eine sehr schwere Aufgabe.

SPORT1: Können Sie sich überhaupt vorstellen, einen Gegner zu besiegen, gegen den es vorher eine 51-Punkte-Pleite gesetzt hat?

Katzurin: Klar, man muss vor Bamberg den Hut ziehen. Sie spielen einen guten Basketball und haben bereits viele Spiele gewonnen. Doch wir versuchen jedes Spiel zu gewinnen, auch wenn der Gegner Bamberg heißt.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Wie haben Sie sich vorgenommen die Baskets zu knacken?

Katzurin: Wir haben eine Strategie und eine Idee mit der wir ins Spiel gehen, aber darüber sprechen wir nicht öffentlich. Wir werden unser Bestes geben um zu gewinnen, aber das wird Bamberg mit Sicherheit auch. Doch keine Mannschaft ist perfekt, also müssen wir uns die Schwachstellen der Baskets raussuchen und versuchen sie zu nutzen.

SPORT1: Bambergs Trainer Chris Fleming monierte im SPORT1-Interview zu wenige Spiele und den daraus resultierenden fehlenden Rhythmus seiner Mannschaft. Ist das eine mögliche Chance für ALBA?

Katzurin: Ich weiß nicht, was er damit meint. Alle Teams haben den gleichen Spielplan. Außerdem konzentriere ich mich mehr auf meine Mannschaft und meine Aufgaben, die da wären, ein gutes Spiel abzuliefern und die Leute zufrieden zu stellen.

SPORT1: Wer bereitet Ihnen bei Bamberg besonders Sorgen?

Katzurin: Das ganze Team ist stark. Sie spielen schon über einen längeren Zeitraum zusammen und haben mit Fleming auch einen Trainer, der bereits mehrere Jahre mit der Mannschaft arbeitet und ihnen sein System verpasst hat. Sie zeichnen sich durch ihre Eingespieltheit, gute Schützen und ihren Teamgeist aus.

SPORT1: ALBA-Manager Mithat Demirel hat vor dem Spiel gesagt, Bamberg hätte mit John Goldberry einen dreckigen Spieler, der gerne provoziert und somit Vorteile für sein Team rauszieht. Würden Sie das bestätigen?

Katzurin: Ich spreche nur über mein Team und das Sportliche. Diese Aussagen werde ich nicht kommentieren.

SPORT1: Für die Liga wird ein Sieg keine Rolle mehr spielen - warum ist es trotzdem eine wichtige Partie für Sie?

Katzurin: Für uns ist jedes einzelne Spiel wichtig, also auch die Partie in Bamberg. Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen, um uns eine gute Ausgangssituation für die Playoffs zu holen. Außerdem ist es auch einfach ein Spitzenduell mit vielen Emotionen. Das wird für die ganze Liga spannend zu beobachten sein.

SPORT1: Wie lässt es sich in Berlin arbeiten? Können Sie Vergleiche zu früheren Stationen ziehen?

Katzurin: Ich bin sehr zufrieden und freue mich, hier zu arbeiten. ALBA ist ein großer und einer der am besten organisierten Klubs in Europa. Der Zuschauerandrang ist sehr gut. Ich versuche hier immer das Beste für den Verein zu geben, die Mannschaft zu verbessern und auf die Playoffs vorzubereiten.

SPORT1: Haben Sie sich privat inzwischen auch eingelebt?

Katzurin: Ich kenne Berlin auch schon aus meiner Vergangenheit. Es ist eine großartige Stadt mit vielen Attraktionen und ein schöner Ort zum Leben. Aber ich hab auch nicht viel Zeit durch die Stadt zu spazieren, ich konzentriere mich hier hauptsächlich auf meine sportliche Aufgabe als Trainer.

SPORT1: Was dachten Sie, nachdem vier von fünf Spielen nach Ihrem Antritt verloren gegangen sind?

Katzurin: Wenn man neu ist, ist es nie einfach. Man braucht immer Zeit, um sich anzupassen. Auch die Mannschaft brauchte einige Zeit, um meine Ideen umzusetzen. So etwas geht nicht in zwei bis drei Trainingseinheiten. Es war und ist weiterhin ein hartes Stück Arbeit, aber ich denke, wir bewegen uns ganz klar in die richtige Richtung.

SPORT1: ALBA hat nun die letzten sechs Spiele gewonnen ? wie konnte Ihr Plan doch noch aufgehen?

Katzurin: Die Mannschaft hat meine Art und Weise zu spielen übernommen. Ich arbeite jeden Tag mit der Mannschaft und sehe, wie es immer besser klappt.

SPORT1: Ein wichtiger Faktor dürften die beiden Neuen, Taylor Rochestie und Miroslav Raduljica sein

Katzurin: Es sind Spieler die in mein System passen, aber wir sind eine Mannschaft und bestehen nicht aus Einzelspielern. Der Grund für den Erfolg ist, dass wir nun auch besser ausbalanciert sind. Die beiden setzten das um, was ich der ganzen Mannschaft mit auf den Weg gebe.

SPORT1: Die deutschen Nationalspieler, Lucca Staiger, Heiko Schaffartzik und Sven Schultze, scheinen bei Ihnen keine große Rolle zu spielen.

Katzurin: Das sehe ich nicht so. Sie machen ebenfalls einen guten Job und kommen auch auf ihre Minuten in den Spielen. Jeder in unserem Kader ist wichtig, das gilt auch für die drei. Ich bin mit ihren Fortschritten sehr zufrieden. Außerdem gilt es auch immer, in den richtigen Spielen die richtigen Spieler einzusetzen.

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