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Sven Schultze (r.) wechselte 2010 aus Italien von Carife Ferrara zu ALBA Berlin © getty

Vorm Gießen-Spiel spricht Sven Schultze bei SPORT1 über ALBAs Aufwärtstrend, Nationalteam-Kollege Kaman und den Bauermann-Konflikt.

Von Philipp Langer

München - Bei ALBA Berlin ist man erfolgsverwöhnt: Das Viertelfinal-Aus in den Playoffs der vergangenen Saison gegen die Deutsche Bank Skyliners sollte ein Ausrutscher bleiben - und die neue Spielzeit wieder den Titel bringen.

Doch die "Albatrosse" blieben in der Beko BBL erneut lange hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Das Selbstbewusstsein war futsch, sogar die Playoff-Teilnahme in Gefahr.

Kurz vor dem Saisonfinale meldet sich ALBA mit zuletzt sieben Siegen aus acht Partien aber eindrucksvoll zurück.

Auch ein Verdienst von Power Forward Sven Schultze. Nun geht es gegen die LTi Giessen 46ers (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) um den Fortbestand des starken Laufs. (DATENCENTER: Beko BBL)

Im SPORT1-Interview spricht der 32-jährige Schultze über die Gründe für den Aufwärtstrend, Chris Kamans Einstellung zur Nationalmannschaft und die mögliche Doppelfunktion von Dirk Bauermann (FC Bayern).

SPORT1: Herr Schultze, hat ALBA nach einer zerfahrenen Saison gerade noch rechtzeitig zurück in die Spur gefunden?

Sven Schultze: Das kann man wohl sagen. Wir haben uns zu einem wichtigen Zeitpunkt gefangen. Ich hoffe, dass wir mit Beginn der Playoffs auf unserem höchsten Level spielen.

SPORT1: Welchen Anteil am Aufwärtstrend würden sie Muli Katzurin zuschreiben, der Luka Pavicevic als Trainer ablöste?

Schultze: Einen großen Anteil. Wir gehen wieder mit breiter Brust in die Spiele und lassen uns die Hosen nicht mehr so leicht runterziehen. Vorher kamen die Mannschaften nach Berlin und haben gesehen, dass wir verwundbar sind. Jetzt ist das wieder anders.

SPORT1: Was genau hat Katzurin verändert?

Schultze: Er hat das Potenzial der einzelnen Spieler besser abgerufen. Jeder Spieler weiß jetzt genau, was seine Aufgabe ist. Das Training ist noch intensiver und nicht so taktisch geprägt wie unter Pavicevic. Bevor Muli kam, hatten wir Phasen, in denen wir uns haben hängen lassen. Das ist jetzt aus den Köpfen raus.

SPORT1: Der Trainerwechsel war also die richtige Entscheidung?

Schultze: So wie es momentan aussieht auf jeden Fall.

SPORT1: Ist denn die Meisterschaft innerhalb der Mannschaft wieder Thema?

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Schultze: Im Moment spricht keiner davon, aber bei ALBA hat man die Meisterschaft immer im Hinterkopf.

SPORT1: Sehen Sie sich mit Bamberg mittlerweile auf Augenhöhe?

Schultze: Nein, Bamberg ist natürlich auch durch den Pokalsieg die Nummer eins. Sie sind eine eingespielte Mannschaft und spielen einen wahnsinnig guten Basketball. Mal gucken, ob sie es auch durchhalten können.

SPORT1: Was muss noch passieren, damit Sie Bamberg in den Playoffs schlagen?

Schultze: Erst mal müssen wir uns auf unser Spiel konzentrieren und die erste Runde überstehen. Generell wissen wir aber, dass wir definitiv mithalten und Bamberg schlagen können. Dafür müssen wir nur noch konstanter spielen.

SPORT1: Vor dem Playoff-Start stehen noch vier Ligaspiele auf dem Programm. Erster Gegner ist Kellerkind Gießen - ein Pflichtsieg?

Schultze: Auf dem Papier ja, aber einige Mannschaften haben uns diese Saison zu Hause eben schon geschlagen. Das wollen wir natürlich gegen Gießen verhindern und ihnen unseren Spielstil aufdrücken.

SPORT1: Welcher Stellenwert hat für Sie eigentlich die Nationalmannschaft?

Schultze: Die Nationalmannschaft ist für mich das Highlight im Sommer. Gerade jetzt, wo auch die jungen Spieler zeigen, was sie drauf haben, bin ich besonders motiviert.

SPORT1: Chris Kaman jedenfalls hat angekündigt, bei der EM in Litauen nur im Doppelpack mit Dirk Nowitzki spielen zu wollen. Inwieweit können Sie seine Einstellung nachvollziehen?

Schultze: Er ist zwar auf dem Papier Deutscher, aber empfindet vielleicht anders als wir. Man darf sich nicht zu sehr darauf versteifen, was er zu dem Thema gesagt hat. Wenn er spielt, wäre das natürlich super. Wenn nicht, hat eben ein anderer deutscher Spieler die Chance.

SPORT1: Haben Sie sich persönlich etwas für die EM vorgenommen?

Schultze: Ich werde versuchen, der Mannschaft das zu geben, was vielleicht letztes Jahr gefehlt hat: Ein bisschen Energie und Erfahrung. Ich werde alles dafür tun, damit die Mannschaft so erfolgreich wie möglich ist.

SPORT1: In den letzten Wochen wurde viel über die mögliche Doppelfunktion von Dirk Bauermann als Bundestrainer und Coach von Zweitliga-Aufsteiger FC Bayern diskutiert. Wie bewerten Sie die Situation?

Schultze: Das ist schwierig. Einerseits gibt es Regeln, die von der BBL vorgegeben sind. Anderseits wäre es natürlich schade, wenn Dirk Bauermann seinen Job als Nationaltrainer nicht fortsetzen könnte. Schließlich ist er der beste deutsche Basketball-Trainer.

SPORT1: Befürchten Sie durch die Ämter-Union keine Wettbewerbsverzerrung?

Schultze: Überhaupt nicht. So wie ich Dirk Bauermann einschätze, ist Bayern München für ihn eine Sache und die Nationalmannschaft eine andere. In Bamberg hat es mit ihm doch auch schon geklappt.

SPORT1: Wie sehen Sie denn Bauermanns Arbeit in München?

Schultze: Ich finde es klasse, dass Bayern aufgestiegen ist. Das ist super für den gesamten deutschen Basketball.

SPORT1: Könnten Sie sich einen Wechsel nach München vorstellen?

Schultze: Darüber mache ich mir im Moment keine Gedanken. Mein Herz ist bei ALBA Berlin, und zudem habe ich noch einen laufenden Vertrag. Alles was danach passiert, wird man sehen. Da denke ich jetzt aber nicht drüber nach.

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