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Berlins Sportdirektor Henning Harnisch (r.) nach der gewonnenen Meisterschaft 1997 © getty

In Spiel 5 droht ALBA erneut der vorzeitige K.o.. Berlins Sportdirektor Henning Harnisch erinnert sich an erfolgreiche Zeiten.

Von Horst Schneider

München - Das letzte Meisterbanner datiert aus dem Jahr 2008, das vorletzte von 2003: In der Zwischenzeit scheiterte ALBA Berlin fünfmal vorzeitig.

In Playoff-Halbfinal-Spiel 5 der Beko BBL bei den Deutsche Bank Skyliners aus Frankfurt (Do., ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) droht den Berlinern erneut der frühe K.o..

Und die Erfahrungen von Henning Harnisch, der von 1990 bis 1998 neunmal in Folge Deutscher Meister wurde, können den "Albatrossen" kaum helfen, wie der Sportdirektor zugibt.

"Früher gab es im Kampf um den Titel allenfalls einen oder zwei Herausforderer. Heute hast Du schon im Viertelfinale nur noch Teams, die tatsächlich das Zeug haben, das Endspiel zu erreichen. Meine Erfahrungen als Spieler kann man deshalb heute nicht mehr 1:1 weitergeben", sagt der Ex-Nationalspieler.

Böse Erinnerung an 1989

Auf die Frage nach seinem prägendsten Playoff-Erlebnis kommt er gleich auf seine erste Finalserie 1989 mit Bayer Leverkusen zu sprechen: "Verlieren gehört schließlich auch zu den Playoffs und es gibt kein anstrengenderes Erlebnis, als in einem Endspiel kurz vor dem Ziel zu verlieren."

Die Finalserie 1989 zählt zu den dramatischsten in der Geschichte der Liga. Leverkusen stahl den Bayreuthern um Calvin Oldham und Bo Dukes gleich im ersten Spiel den Heimvorteil und ging im folgenden Heimspiel 2:0 in Führung. Aber die Bayreuther schlugen zurück und es kam zum fünften Spiel in Bayreuth, in dem die Oberfranken sich 83:77 durchsetzten.

"Ich erinnere mich da an ein einziges Rauschen, das einsetzte, als das Spiel rum war", beschreibt Harnisch seine Eindrücke von den letzten Sekunden.

Nur ein Jahr des Wartens

Dann kommt ihm die Situation im Mannschaftsbus in den Kopf: "Das Warten auf die Abfahrt und die Totenstille im Bus. Wunderbar auch das Wissen darum, dass man jetzt mindestens ein ganzes Jahr brauchen wird, um wieder dahin zu kommen, wo man gerade gescheitert ist." (DATENCENTER: Playoffs)

Henning Harnisch musste zu seinem Glück tatsächlich nur ein Jahr warten, denn die folgenden neun Endspiele bis 1998 erlebte er alle aus der Position des Siegers, siebenmal mit Leverkusen und zweimal mit Berlin.

[kaltura id="0_hpm7hgrf" class="full_size" title="Skyliners schlagen zur ck"]

"Jede Mannschaft, die größer werden will, braucht irgendwann einmal die erste Meisterschaft und für uns in Leverkusen war damals immer klar, dass ALBA der große Konkurrent war, der uns vom Thron stoßen wollte" erinnert sich Harnisch.

Artland mit dem "größten Charme"

Für die Playoff-Dramaturgie sind in den Augen von Henning Harnisch die unterschiedlichen Ausgangspositionen enorm wichtig: Wer ist der Favorit? Wer der Herausforderer und gibt es da noch Außenseiter, die vielleicht auch im richtigen Moment den richtigen Dreh finden können? (STENOGRAMME: Die Playoffs)

"Den größten Außenseitercharme hatten für mich rückblickend die Artland Dragons, mit welchem Selbstbewusstsein die 2007 bis ins Finale marschiert sind."

Den wohl entscheidenden psychologischen Schub holten sich die Dragons damals, indem sie als Achter den damaligen Punktrundensieger ALBA ausschalteten, was der damalige Teammanager von ALBA als seine "härteste Playoff-Erfahrung" in Erinnerung behalten hat.

Das Spiel wird physischer

"In den sechs Jahren, wo ich als Funktionär mitverantwortlich für das ALBA-Team war, sind wir nur einmal Meister geworden. Ansonsten war alles dabei: Das Scheitern im Finale, im Halbfinale und auch schon in der ersten Runde", stöhnt er.

Spieler mit Playoff-Erfahrung in den eigenen Reihen zu haben, hält er für sehr wichtig: "Als Spieler, der regelmäßig Playoffs spielt, weiß man von Jahr zu Jahr besser, worauf es ankommt, dass das Spiel physischer wird, wie man sich am besten darauf vorbereitet und wie wichtig es ist, als Team mehr zusammenzurücken."

Auch wenn er nicht mehr auf dem Parkett steht und auch nicht mehr auf der Bank sitzt, schlägt sein Basketballherz nach wie vor höher, wenn es in die Playoffs geht: "Profi-Basketball ohne Playoffs ist für mich unvorstellbar. Da tickt die Zeit ja komplett anders. Dieses zähe Warten auf das nächste Spiel. Das empfinde ich auch heute noch so."

Das Glücksgefühl des Siegers

Zudem ist die Saison heute viel länger als in den Neunzigern: "Ich finde das schon etwas grenzwertig und kann nachfühlen, wie anspruchsvoll das für die Spieler heute ist."

Harnisch weiß aber auch, dass sich die Quälerei lohnt - zumindest für den Sieger: "Das Glücksgefühl, am Ende als Erster dazustehen, ist unbeschreiblich. Es gibt nichts Schöneres als die Woche nach dem Titelgewinn. Das ist wirklich so, als ob man schwebt. Diesen Zustand kann man nicht anders simulieren."

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