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Chris Fleming gewann 2008 mit den Artland Dragons den deutschen Pokal © imago

Bambergs Coach Chris Fleming spricht bei SPORT1 über die Pleite in Berlin, ALBAs Topscorer und eine strittige Entscheidung.

Von Jakob Gajdzik

München - Die Gratulation nach Berlin kam postwendend.

Nach der 71:80-Niederlage der Brose Baskets Bamberg im zweiten Finalspiel der Beko BBL (Bericht und Video) zeigte sich Coach Chris Fleming zwar als fairer Verlierer, doch die Pleite bei den "Albatrossen" wurmte ihn trotzdem. (SPORT1-Check: Eigentlich hat ALBA keine Chance)

"Offensiv wie defensiv schlecht organisiert" hat der 41-Jährige seine Mannschaft in der Hauptstadt gesehen. Einen Erfolgscoach wie ihn wurmt das ungemein.

Seitdem Fleming 2008 von den Artland Dragons ins Frankenland gewechselt ist, dominiert Bamberg den nationalen Basketball. (Jetzt mitspielen: Werden Sie SPORT1 Tipp-König!)

Wiederholung des Doubles möglich

Vergangenes Jahr holten die Baskets das Double aus Pokal und Meisterschaft und stehen nach dem erneuten Gewinn des Pokals in diesem Jahr vor der Wiederholung dieses Coups. Einen Sieg gegen ALBA in den Finals vorausgesetzt. (STENOGRAMME: Die Playoff-Finals)

Im SPORT1-Interview spricht der Bamberger Trainer vor dem dritten Spiel am Samstag (ab 19.45 LIVE im TV auf SPORT1) über die Fehler seiner Mannschaft im zweiten Spiel, die Stärken des ALBA-Topscorers und eine strittige Entscheidung.

SPORT1: Herr Fleming, Sie haben die zweite Final-Partie gegen ALBA Berlin mit 71:80 verloren. Was waren die Gründe?

Chris Fleming: Man muss anerkennen, dass ALBA einfach gut gespielt hat. Wir waren nach einem guten Start sowohl offensiv wie auch defensiv sehr schlecht organisiert. Wir haben die Angriffe zu schlecht ausgespielt und auch schlecht geworfen. Somit haben wir den Berlinern viele Möglichkeiten gestattet, leichte Punkte zu erzielen. ALBA hat in der Schlussphase Würfe getroffen, die wir uns erst gar nicht erarbeitet haben. Somit hatten wir es auch nicht verdient zu gewinnen.

SPORT1: Hat sich die Mannschaft nach der frühen 18:2-Führung zu sicher gefühlt?

Fleming: Ich denke nicht. Dennoch müssen wir die ganzen 40 Minuten souverän spielen. Das haben wir nicht geschafft. Das ist nötig, um ein Finale zu gewinnen, insbesondere auswärts. Wir haben in Berlin nicht das Level erreicht, das wir brauchen.

SPORT1: Besonders ALBAs Julius Jenkins war bei 23 Punkten nicht in den Griff zu kriegen. Wie wollen Sie in Bamberg gegen ihn verteidigen?

Fleming: Die meisten von Jenkins' Punkten fielen nach Fehlern aus unserer schlecht organisierten Offensive. Er ist bekannterweise in Fast-Break-Situationen extrem schwer zu stoppen. Davon hatte er gegen uns jede Menge gehabt, hat selbst auch Bälle geklaut und abgeschlossen. Das lag daran, dass wir unkonzentriert gepasst haben. Es kann auch sein, dass er auch am Samstag auf eine ähnliche Punktezahl kommt, weil er einfach ein sehr guter Spieler ist. Wir müssen aber die Art und Weise ändern, wie er punktet.

[kaltura id="0_eheehptq" class="full_size" title="ALBA gleicht aus"]

SPORT1: Sehen Sie das größere Problem also in der unkonzentrierten Offensive?

Fleming: Nein, ab dem zweiten Viertel haben wir auch defensiv Sachen gemacht, die wir sonst nicht machen. Bei den Rebounds hatten wir Probleme, was ALBA zu vielen Offensiv-Rebounds genutzt hat. Das müssen wir am Samstag viel besser machen.

SPORT1: Im Halbfinale wurden beide Spiele auswärts bei den Artland Dragons verloren, nun gegen ALBA das dritte in Folge. Wie erklären Sie sich diese Auswärtsschwäche?

Fleming: An so etwas glaube ich nicht. Wir konzentrieren uns jetzt einfach auf das nächste Spiel, und das ist bekanntlich zu Hause. Darüber, dass wir jetzt noch ein weiteres Auswärtsspiel in Berlin haben, mache ich mir gar keine Sorgen. Wir stehen 40 Minuten auf dem Court, da ist es egal, wo wir spielen. Wir müssen konstanten Basketball spielen. Das haben wir in Berlin nicht gemacht und somit verdient verloren.

SPORT1: John Goldsberry hat wegen einer Bänderdehnung nicht spielen können. In Bamberg ist er dabei?

Fleming: Wir hoffen, dass er am Samstag spielen kann.

SPORT1: Hat Ihnen der Ausfall mehr zu schaffen gemacht, als Sie gedacht haben?

Fleming: Für mich ist Goldsberry der beste Point Guard der Liga. Wenn dieser dann nicht spielen kann, ist das für uns ein Qualitätsverlust. Wir haben ihm die lange Reise erspart, damit er zu Hause die nötige Behandlung erhält. Da war uns seine Gesundheit wichtiger, als die Präsenz auf der Bank. Dennoch: Auch ohne ihn hätten die Spieler, die in Berlin auf dem Feld standen, das Spiel gewinnen können. Wir wollen gar nicht über Goldsberrys Ausfall jammern.

SPORT1: Auch Tibor Pleiß hat gegen ALBA nicht unbedingt überzeugt. Muss er bei dem großen Potenzial nicht mehr machen?

Fleming: Ich werde Tibor nicht rauspicken und kritisieren. Wir haben als gesamtes Team nicht gut gespielt. Sicherlich kann auch er einige Dinge besser machen, aber man muss nicht sehr viel weiter schauen, um Leute zu sehen, die auch nicht ihren besten Tag hatten. Das kann man nicht alleine auf seine Schultern legen.

SPORT1: Eine Szene die für Diskussionen sorgte, war das Offensiv-Foul von Brian Roberts an Julius Jenkins im letzten Viertel. Welchen Einfluss hat so eine Fehlentscheidung auf den Spielausgang, besonders in einer so entscheidenden Phase?

Fleming: Diese Entscheidung hat uns wehgetan. Statt zwei Freiwürfen, die wir hätten bekommen müssen, erhält unser Topscorer sein viertes Foul. Das war schwer zu verdauen und bitter, aber wir haben auf sowas keinen Einfluß.

SPORT1: Insgesamt ist zu beobachten, dass es viele Fouls und Scharmützel gibt. Im ersten Spiel das Wortgefecht und den angeblichen Stich in die Augen zwischen Jacobsen und Schultze, auch im zweiten Spiel gab es viele Fouls. Ist da besonderes Feuer drin? Entscheidet am Ende auch die emotionale Ebene über die Meisterschaft?

Fleming: Finalspiele sind immer sehr von Emotionen geprägt. Wenn das nicht so wäre, würden wir keine Fans in die Halle kriegen. Das wird auch in den nächsten Spielen so sein. Aus den Vorfällen haben die Medien einfach mehr gemacht, als es in Wirklichkeit war. Das ist alles halb so wild.

SPORT1: Das dritte Spiel ist in Bamberg, dort sind sie bisher in dieser Saison ungeschlagen. Wie wichtig ist der Heimvorteil?

Fleming: Wir fühlen uns zu Hause sehr wohl und kriegen durch unsere Fans auch garantiert einen zusätzlichen Push. Aber es geht darum, die Fehler zu vermeiden, die wir in Berlin gemacht haben. Egal wo wir spielen.

SPORT1: Befürchten Sie nun, dass ALBA ihre Heim-Serie knackt?

Fleming: Diese Serie ist für mich total unwichtig. Hier macht sich keiner Gedanken darüber, was passiert wenn diese Serie reißt. Es geht nur um die Finalserie und das dritte Spiel am Samstag und um nichts anderes.

SPORT1: Neben den Fehlern, die Sie vermeiden wollen, wie ist insgesamt der Gameplan für Samstag?

Fleming: Das ist nichts für die Öffentlichkeit. Wir passen unsere taktischen Veränderungen je nach Spiel an. Aber zu diesem Zeitpunkt der Saison kennt meine Mannschaft unseren Stil. Ich sehe auch keinen Grund, unsere Art und Weise zu spielen zu ändern. Mit dem was wir haben, sind wir bisher sehr gut gefahren

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