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Yassin Idbihi wechselte 2010 von den Phantoms Braunschweig zu ALBA Berlin © getty

ALBAs Yassin Idbihi spricht vor dem letzten Finale über die Berliner Stärken, Katzurins Wechselorgie und Dirk Nowitzki.

Von Jakob Gajdzik

München - Im Halbfinale gegen die Deutsche Bank Skyliners war er einer der entscheidenden Faktoren für den Final-Einzug.

Yassin Idbihi erzielte in den fünf Partien der Vorschluss-Runde im Schnitt 13,2 Punkte und schnappte sich sechs Rebounds (STENOGRAMME: Die Playoff-Finals).

In den Finals gegen Bamberg ließ der 2,08-Meter große Forward, der auch öfter auf der Center-Position überzeugt, stark nach. In den ersten drei Spielen sanken seine Werte auf 4,6 Punkte und 3,6 Rebounds pro Partie.

Im vierten Spiel zeigte Idbihi jedoch erneut seine großen Qualitäten.

Er verkörperte mit seiner Körpersprache den absoluten Willen zum Sieg und knüpfte mit 13 Punkten und sechs Rebounds wieder an seine Halbfinal-Leistungen an (DATENCENTER: Die Playoff-Ergebnisse).

"Er macht die Drecksarbeit und wenn er den Ball unterm Post bekommt, hat er einen guten Hakenwurf, den er reinmacht", lobte ihn SPORT1-Experte Ademola Okulaja nach dem Sieg im vierten Spiel (Bericht).

Vor dem entscheidenden Spiel fünf (ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1und LIVESCORES) spricht der 21-fache deutsche Nationalspieler im SPORT1-Interview über ALBAs Vorteile gegenüber dem Titelverteidiger, Muli Katzurin Wechselorgie und eine mögliche Nowitzki-Verpflichtung.

SPORT1: 87:67 im vierten Spiel gegen Bamberg, nun gehts es in die entscheidende fünfte Partie. Haben sie damit gerechnet, den Titelverteidiger so sehr ins Wanken zu bringen?

Yassin Idbihi: Am Anfang der Playoffs war es nur unser Ziel, Oldenburg zu schlagen. Ans Finale haben wir gar nicht gedacht. Als wir dann aber im Endspiel standen, hatten wir sehr viel Vertrauen in unsere Fähigkeiten. Dass die Serie aber bis zum Ende geht, darauf hätte ich auch kein Geld gewettet.

SPORT1: Wie groß ist der Glaube bei der Mannschaft, nun tatsächlich die Meisterschaft zu holen?

Idbihi: Der Glaube ist da. Wir haben viel Vertrauen in unser Talent und unseren Kader. Wir haben eine sehr tiefe Bank mit zwölf Top-Erstligaspielern. Das ist auch unser Vorteil gegenüber Bamberg. Da sind jetzt Goldsberry und Roberts angeschlagen, das ist für sie ein Problem. Sie sind nicht so tief besetzt wie wir. Ob bei uns jemand angeschlagen ist, wie Julius Jenkins im ersten Halbfinale gegen Frankfurt, fällt nicht so sehr ins Gewicht. Wir haben das Spiel trotzdem gewonnen.

SPORT1: Spiel fünf findet jedoch in Bamberg statt. Die Franken haben zuletzt am 6. Juni 2010 gegen die Deutsche Bank Skyliners in der Stechert Arena verloren. Was macht Ihnen Hoffnung? (Jetzt mitspielen: Werden Sie SPORT1 Tipp-König!)

Idbihi: Hoffnung macht mir unsere Leistung im vierten Spiel. Wir haben sehr intensiv verteidigt und alle an einem Strang gezogen. Dass wir Bamberg mit 20 Punkten schlagen, hätte ich niemals erwartet. Man darf aber auch nicht vergessen, dass alles, was vorher passiert ist, Schnee von gestern ist. Weder unser Sieg im vierten Spiel, noch Bambergs Heimserie werden irgendwen interessieren. Es gibt jetzt nur noch ein einziges Spiel, alles andere ist unwichtig.

SPORT1: Mental wird ALBA jetzt ein Vorteil nachgesagt. Ist das richtig?

Idbihi: Das glaube ich nicht. Jedes Spiel in der Playoff-Serie fängt bei null an. Dieses Gerede vom Vorteil oder Nachteil halte ich für übertrieben. Wir waren im Viertelfinale gegen Oldenburg angeblich auch im Nachteil als wir unsere 2:0-Führung aus der Hand gegeben haben. Dennoch haben wir das fünfte Spiel deutlich gewonnen. Auch Bamberg hat bei den Artland Dragons Spiel 4 hoch verloren, um sich dann im letzten Spiel deutlich durchzusetzen.

SPORT1: Bei beiden Siegen in Berlin war es eine starke Defensivleistung, die Bamberg geknackt hat. Ist das der Schlüssel?

Idbihi: Bei uns fängt alles in der Defensive an. Wenn wir gut verteidigen, kommen wir einfacher in die Situation unsere Schnellangriffe auszuspielen. Das können wir nicht machen, wenn wir zuerst den Ball aus dem Ring holen müssen. Das ist ein wichtiger Teil in unserem Spiel, denn so kriegen wir auch einen gewissen Rhythmus. Wenn wir am Anfang leichte Korbleger treffen, dann sitzen nachher auch die schwierigeren Würfe.

SPORT1: Sie waren nach dem schwachen dritten Spiel in Bamberg wie ausgewechselt. 13 Punkte, 6 Rebounds und 3 Assists. Woher kommt diese Leistungsschwankung?

Idbihi: Ich habe bislang insgesamt in der Serie gegen Bamberg nicht meine Leistung aus den Halbfinal-Spielen gegen Frankfurt wiederholen können. Das lag aber auch daran, dass die Bamberger Tibor Pleiß und Kyle Hines sehr gute Shot-Blocker sind, das ist ein wichtiger Faktor. Im dritten Spiel war ich auch etwas verkrampft. Im letzten Spiel dagegen habe ich mich zuerst auf die einfachen Sachen konzentriert, sicher zu verteidigen und aggressiv zum Korb zu gehen. Wenn das klappt, dann fallen auch die schwierigeren Würfe rein. Und je sicherer ich mich fühle, umso weniger beeinflussen mich die langen Arme von Pleiß oder Hines.

[kaltura id="0_zpwnha2s" class="full_size" title=" Albatrosse wehren Matchball ab"]

SPORT1: Sie sagten, Sie wären trotz der durchwachsenen Leistungen dankbar für das Vertrauen in Sie. Hat Trainer Muli Katzurin die Spieler mit seinen vielen Wechseln in den Spielen nicht eher verunsichert?

Idbihi: Nein, ganz im Gegenteil. Das hatte einen positiven Effekt. So weiß jeder Spieler, dass er gleich behandelt wird. Wenn man auf dem Spielfeld steht und nicht sofort konzentriert zu Werke geht, dann kommt ein anderer rein. Die Maßnahmen mögen ungewöhnlich gewesen sein, aber durch die Gleichbehandlung wächst eine Mannschaft auch zusammen. Niemand bekommt eine Extrawurst.

SPORT1: Was machen Sie, wenn Berlin Meister wird?

Idbihi: Es ist erst einmal besser, nichts zu planen, sondern sich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Wir müssen eine Mischung aus Konzentration und Lockerheit finden. Wenn wir das schaffen, werden wir in Bamberg eine gute Partie abliefern.

SPORT1: Bleiben bei einem Sieg die Haare von Julius Jenkins dran?

Idbihi (lacht): Bisher ist nocht nichts geplant, aber ich werde versuchen, ihn zu überreden.

SPORT1: Es ist zu hören, dass ALBA an einer möglichen verpflichten von Dirk Nowitzki interessiert ist, sollte es in der NBA zu einem Lockout kommen? Wäre es nicht ein Höhepunkt, mit so einem Spieler im Verein zu spielen?

Idbihi: Nowitzki ist momentan vielleicht der beste Spieler der Welt. Wenn er nach Berlin kommen würde, wäre das ein Traum. Ich müsste mich dann wohl jeden Tag kneifen, um zu realisieren, dass er mit mir in einer Mannschaft spielt. Aber dass diese Verpflichtung überhaupt klappt, glaube ich erst, wenn er wirklich vor mir steht. Das ist in der Mannschaft allerdings kein Thema, wir konzentrieren uns nur auf die Meisterschaft.

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