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Die Brose Baskets Bamberg feierten nach 2010 zum zweiten Mal das nationale Double © imago

Mit dem nationalen Double tritt Bamberg in die Fußstapfen von Gegner ALBA. Finals-MVP Hines schwärmt. Katzurin ist bedient.

Bamberg - Als Kapitän Casey Jacobsen im Konfettiregen den Meisterpokal in die Luft stemmte, stand "Freak City" endgültig Kopf und die selbsternannte "Frankenhölle" bebte wie selten zuvor.

Bei ohrenbetäubendem Lärm und fast unerträglicher Hitze wurden die Brose Baskets Bamberg nach einem furiosen Saisonfinale am Samstag zum vierten Mal in ihrer Vereinsgeschichte zum Deutschen Meister gekrönt.

"Heute sind wir das beste Team in ganz Europa", sagte Bambergs überragender Flügelspieler Kyle Hines nach dem 72:65 (29:30) (Spielbericht) gegen den früheren Serienmeister ALBA Berlin. (STENOGRAMME: Die Playoff-Finals)

Im fünften und entscheidenden Finalspiel der Playoffs in der Beko BBL erkämpften sich die Baskets vor 6800 Zuschauern den dritten Sieg in der Best-of-Five-Serie.

Auf den Spuren von Berlin 2003

Die Oberfranken verteidigten nicht nur den Titel aus der Vorsaison erfolgreich, sie feierten auch das zweite Double in Serie. Das gelang zuletzt Berlin im Jahr 2003. (419939DIASHOW: Die Meisterfeier)

"Ich hab in meinen elf Jahren als Trainer nie eine Mannschaft betreut, die einen Titel mehr verdient hat als diese", sagte Trainer Chris Fleming: "Alle Spieler haben vom ersten Trainingstag an exzellent gearbeitet und wir haben immer an den Titel geglaubt."

Das galt selbst für das 25. Ligaheimspiel der Saison, das die Gäste aus der Hauptstadt lange im Griff hatten. (Jetzt mitspielen: Werden Sie SPORT1 Tipp-König!)

Partie in der Endphase gedreht

Bis zum Schlussviertel lagen die "Albatrosse" vorn, erst in einer hochdramatischen Endphase drehten die Bamberger angeführt vom starken Spielmacher John Goldsberry das Spiel und blieben damit in der Saison ohne Niederlage in eigener Halle.

"Wir haben alles geopfert, was wir hatten, das hat uns die letzten Monate ausgezeichnet. Diesen Titel kann uns keiner mehr nehmen", sagte Kapitän Jacobsen.

[kaltura id="0_ixscbl5z" class="full_size" title="Bamberg holt das Double"]

Fleming gewinnt national alles

Der 41 Jahre alte Erfolgscoach Chris Fleming ("Ich werde ein paar Bierchen trinken") machte die Bamberger in den letzten beiden Jahren zur unumstrittenen Nummer eins im deutschen Basketball.

Zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege belegen das eindrucksvoll. Auch in der nächsten Spielzeit werden die Brose Baskets in der Euroleague, der europäischen Königsklasse, antreten. "Es ist unglaublich, dass wir das wieder geschafft haben. Das ist sportlich eine große Herausforderung", sagte Manager Wolfgang Heyder.

Mit der Arbeit im Umfeld sei man schon weiter als in den Vorjahren. "Unser Budget steht schon jetzt. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zusatz", sagte Heyder. Leistungsträger wie Kyle Hines, der zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde, und Brian Roberts sollen trotz Angeboten anderer Klubs gehalten werden.

Heyder hält Nowitzki-Spekulationen für überflüssig

Diskussionen über einen möglichen Transfer von NBA-Superstar Dirk Nowitzki in die Bundesliga schob Bambergs Geschäftsführer Wolfgang Heyder einen Riegel vor.

"Diese Frage stellt sich doch im Moment gar nicht. Dirk lässt sich nicht einfach so herumschieben, und solange es in der NBA keinen Arbeitskampf gibt, muss man darüber nicht nachdenken", sagte Heyder.

Zuletzt hatten sowohl Vizemeister ALBA Berlin als auch der finanzkräftige Bundesligaaufsteiger Bayern München Interesse bekundet, im Falls eines Lockouts in der nordamerikanischen Profiliga NBA die Angel nach dem frisch gebackenen Meister von den Dallas Mavericks auszuwerfen. (Bericht: Kampf um Nowitzki immer heißer)

"Man muss sehen, ob so etwas finanziell überhaupt möglich ist. Für mich sind es im Moment Spekulationen der Medien. Fraglich ist doch auch, ob es für Dirk sportlich überhaupt reizvoll ist. Das wird für ihn eine große Rolle spielen", sagte Heyder.

Katzurin bleibt PK fern

Während in der Bamberger Innenstadt die Nacht zum Tag gemacht wurde und die Party auf dem Maxplatz bis zum Morgengrauen dauerte, blieb bei den Berlinern nur die Enttäuschung.

"Den zweiten Platz will niemand haben, aber wir müssen damit leben", sagte Julius Jenkins, mit 22 Punkten Topscorer der Begegnung. Sein Trainer Muli Katzurin erwies sich hingegen als schlechter Verlierer und blieb der Pressekonferenz nach dem Spiel fern.

ALBA verpasste den neunten Meistertitel der Vereinsgeschichte knapp und steht wie im Vorjahr ohne Titel da. "Trotzdem haben wir eine ordentliche Saison gespielt. Die Enttäuschung überwiegt im Moment aber", sagte Teammanager Mithat Demirel.

Peinliche Panne bei Hauptsponsor

Zu allem Übel passierte Berlins Hauptsponsor ein peinlicher Fehler.

Die ALBA-Group gratulierte den Hauptstädtern mit einer Werbeanzeige zum Titelgewinn. "Wir stehen hinter ALBA! Genau wie Bamberg ... Deutscher Meister 2011", hieß es in der Werbung, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 2 Uhr morgens auf der Basketball-Internetplattform "schoenen-dunk.de" auftauchte und bei den Fans für reichlich Gelächter sorgte.

Die Anzeige des Müllentsorgungs-Unternehmens wurde für den Fall des Titelgewinns der "Albatrosse" vorbereitet und soll fälschlicherweise freigeschaltet worden sein. Wer für den Fehler verantwortlich ist, war am Sonntag noch unklar.

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