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Dirk Bauermann (r.) wurde als Trainer bereits neunmal Deutscher Meister © imago

Die Bayern komplettieren ihren Kader für die Beko BBL-Saison. Der Wunschkandidat kommt. Manager Pesic sagt nein zu NBA-Stars.

Von Eric Böhm

München - Die Szenerie hatte etwas von der guten alten Zeit.

Uli Hoeneß skizziert auf dem Podium Visionen für seinen FC Bayern, nebenbei präsentiert er gleich noch namhafte Neuzugänge sowie lukrative Sponsoren.

Nur diesmal ging es um Basketball. Trotzdem ließ der Präsident keinen Zweifel aufkommen, dass er dieses aktuelle Projekt genauso leidenschaftlich voran treibt, wie sein Lebenswerk mit dem kickenden Personal.

Der vier Millionen Euro teure Umbau der Sedlmayer-Halle zum "Audi Dome" trägt seine Handschrift und werde den Aufsteiger in der Beko BBL laut Hoeneß "Bayern-Like" repräsentieren.

Bauermann freut sich auf Benzing

In der 6.700 Zuschauern Platz bietenden Arena, die bis zum 15. September fertig sein soll, werden dann auch die letzten Neuzugänge Robin Benzing (Ulm), Je'Kel Foster (Cremona/Italien) und Sharrod Ford (Montegranaro/Italien) auf dem Court zu sehen sein.

Nationalspieler Benzing wurde ja bereits in den letzten Wochen als Neuzugang gehandelt (BERICHT: Benzing an der Angel, "Raketen" in Aussicht).

Auf den variablen Forward freut sich vor allem Coach Dirk Bauermann: "Über ihn freue ich mich besonders. Es war mir ganz wichtig, ihn als jungen Deutschen verpflichten zu können."

Keine großen "Raketen"

Die beiden Amerikaner sind dagegen nicht die ganz großen versprochenen "Raketen", werden den Kader aber deutlich verstärken und sind in Deutschland keine Unbekannten (DATENCENTER: Der Spielplan 2011/12).

Big Man Ford (28) spielte zwischen 2005 und 2007 erfolgreich für ALBA Berlin. Außerdem hat der Defensivspezialist drei NBA-Einsätze für die Phoenix Suns aufzuweisen.

Foster (27) spielte in der Beko BBL bereits für Ludwigsburg sowie Oldenburg. Dabei erarbeitete sich der Aufbauspieler vor allem eine Reputation als Scharfschütze und wurde 2007 zum Newcomer des Jahres gewählt.

"Uns war wichtig eine homogene Mannschaft mit Qualität und Variabilität in der Breite zu schaffen. Beide passen sehr gut in dieses Konzept", so Sportdirektor Marko Pesic.

Absage an NBA-Stars

In der Tat bietet der Kader mit den bereits bekannten Neuen Jan-Hendrik Jagla (BERICHT: Jagla zum FC Bayern), Ben Hansbrough (Notre Dame) und Youngster Philipp Schwethelm (Bremerhaven) viele Möglichkeiten.

Pesic erteilte zudem Spekulationen um die eventuelle Verpflichtung Dirk Nowitzkis oder anderer ausgesperrter NBA-Stars eine klare Absage.

"Das ist kein Thema für uns. Unser Kader ist komplett. Die Situation der unter Vertrag stehenden Spieler ist rechtlich noch gar nicht geklärt. Für ein seriöses Projekt können wir es uns nicht leisten, dass ein Spieler innerhalb von 48 Stunden wieder zurück muss", betonte Pesic gegenüber SPORT1.

Große Erwartungen

Die Erwartungshaltung an die großen Bayern ist bereits jetzt sehr hoch, dessen sind sich allen Beteiligten bewusst.

"Natürlich wird von uns viel erwartet. Wir freuen uns auf die Herausforderung. Wir müssen und werden erfolgreich sein", meinte der alte und neue Kapitän Steffen Hamann.

Heyder sieht FCB als Titelkandidat

Sogar Wolfgang Heyder, Manager des Deutschen Meisters Brose Baskets Bamberg, sieht den Aufsteiger als Kandidat für Meisterschaft: "Der FC Bayern zählt zu den Titelfavoriten", sagte der 54-Jährige und schwärmte gleichzeitig von den Neuzugängen Foster und Ford.

"Zwei absolute Traumspieler, an denen wir auch interessiert waren", sagt Heyder: "Unser Budget hat das aber leider nicht zugelassen."

Der große Rummel, das Bayern-würdige Ambiente und nicht zuletzt Hoeneß' Ehrgeiz machten aber gleich auf der ersten großen Pressekonferenz als Erstligist deutlich, dass Mittelmaß für den FC Bayern nicht infrage kommt.

"Wir sind froh mit Marko Pesic und Dirk Bauermann zwei absolute Fachleute zu haben, die einen super Job machen. Der sportliche Erfolg ist auch für dieses Projekt maßgebend", sagte der Bayern-Boss.

Bauermann verteidigt Wildcard

Die Doppelbelastung im Eurocup nimmt der schillernde Neuling gern in Kauf. Die Wildcard des europäischen Verbandes (ULEB) hatte nicht überall in Basketball-Deutschland für Wohlwollen gesorgt.

"Wir waren überrascht. Die ULEB sieht das Potenzial. Wir nehmen keinem anderen Erstligisten einen Platz weg. Es gibt sicher gemischte Reaktionen, aber manche Leute übersehen vielleicht die Chancen für den Sport", wehrte sich Bauermann auf SPORT1-Nachfrage gegen die Meinung, seinem Team stünde das Startrecht nicht zu.

Bayern: "Gut für europäischen Basketball"

Zuspuch erhalten die Bayern von Bambergs Manager Heyder: "Dem europäischen Basketball kann der FC Bayern nur gut tun. Vor allem, weil der Verein ein Paradebeispiel für solides Wirtschaften ist", so Heyder: "Ein absolutes Vorbild. Und als Marke tritt ein weiterer großer Klub auf die europäische Basketballbühne."

Derweil hat Pesic während der kurzen Zusammenarbeit schon einiges von Hoeneß gelernt. Denn er formulierte eine forsche Zielvorstellung für den Eurocup: "Wenn wir teilnehmen dürfen, sollte die Runde der letzten 16 auch das Ziel sein."

Die Abteilung Attacke gibt es beim FC Bayern also ab jetzt nicht nur auf dem grünen Rasen, sondern auch im Dome.

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