SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck analysiert Frankfurts Talfahrt und sieht Pleiß vor einem harten Konkurrenzkampf.

Hallo Basketball-Freunde,

die Stimmung bei den Fraport Skyliners ist zur Zeit recht angespannt. Sportlich läuft es schlecht, und die Aussagen des Trainers nach der hohen Niederlage gegen ALBA Berlin haben das Team, Verantwortliche, Fans und Medien in Aufregung versetzt.

Die jüngsten Niederlagen gegen Bamberg (Bericht) und Berlin (Bericht) und haben gezeigt, dass es an Zutrauen zueinander, aber vor allem an einem Spielmacher fehlt, der diese Mannschaft führt. Damit meine ich einen, der die Mitspieler besser macht, der Ruhe ins Spiel bringt und die richtigen Entscheidungen trifft, aber auch den gegnerischen Aufbauspieler schon in dessen Hälfte unter Druck setzt.

Justin Gray ist ein hervorragender Einzelspieler, der diese Position in der Vorbereitung sehr gut ausgefüllt hat, sich aber nun sehr schwer tut, andere Spieler in Positionen zu bringen, von wo aus sie ihre Stärken zur Geltung bringen können.

Die Folge ist, dass jeder Spieler für sich selbst sorgen muss und das Frankfurter Spiel schnell sehr "Eins gegen Eins"-lastig wird.

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Die Aussagen von Trainer Muli Katzurin nach dem Spiel gegen Berlin haben für viel Wirbel in der Presse und bei Fans gesorgt (News).

Natürlich sind in erster Linie die Spieler selbst dafür verantwortlich, mit Selbstvertrauen zu agieren und zu spielen. Natürlich kann man sich Selbstvertrauen nicht in einem Geschäft kaufen, in erster Linie muss man es sich hart im Training erarbeiten. Die Gewissheit hart und gut zu trainieren bringt Selbstvertrauen.

Gleichwohl kann und muss der Trainer im Training daraufhin arbeiten, das seine Spieler diese Gelegenheit auch bekommen. Als Trainer kann er mit Training und Ansprache entscheidend dazu beitragen, dass die Spieler Selbstbewusstsein entwickeln.

Davon abgesehen halte ich die Aussage der Frankfurter Verantwortlichen, man befinde sich in einem Übergangsjahr, in diesem Zusammenhang für nicht förderlich. Was bewirkt das in den Köpfen der Spieler, wenn man sagt, dieses Jahr wird sowieso nicht so gut, wir konnten eben nicht die besten Spieler verpflichten?

Man muss sich immer hohe Ziele setzen, auch wenn sie manchmal unrealistisch wirken, um das Beste aus jedem herausholen zu können.

Die Bamberger eilen dagegen in der Beko BBL von Sieg zu Sieg, auch wenn die Leistungen ihres deutschen Centers Tibor Pleiß noch schwankend sind. Junge Spieler agieren nunmal nicht immer konstant auf höchstem Niveau. Seine erste Aufgabe muss es nun sein, sich zu stabilisieren und Konstanz in sein Spiel zu bringen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Außerdem heißt es für Tibor jetzt, sich mit den Konkurrenten auseinanderzusetzen. Er ist nicht mehr nur Jäger, sondern auch der Gejagte der nächsten jungen Talente.

Der Trierer Maik Zirbes steht in den Startlöchern. Er hat ein gutes Gefühl für Ball und Korb und die entsprechende Athletik. Mit Henrik Rödl hat er einen Trainer, der ihn schützt und stützt. Außerdem brennt er darauf, den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu tun.

Und mit Philipp Neumann ist ein weiterer junger deutscher Spieler im Bamberger Kader, der auch zurecht seine Spielzeit einfordert. Diese Situation muss Tibor für sich selbst nutzen, um weiter an sich zu arbeiten und noch besser zu werden. Konkurrenz belebt das Geschäft

Während sich Pleiß und Co. noch am Anfang ihrer Karriere befinden, musste Bayerns Center Ruben Boumtje Boumtje seine aktive Laufbahn vor ein paar Tagen wegen einer Herzkrankheit beenden.

Diese Nachricht hat mich sehr traurig gemacht. Er hat sein Leben dem Profi-Sport geopfert und muss dann vom Arzt hören, dass es gefährlich für die Gesundheit sei, diesen Sport weiter auszuüben.

Er war ein untadeliger Sportsmann, hat hart aber fair gespielt. Er war ein Centerspieler alter Garde. Jetzt gilt es für ihn neue Herausforderung, abseits des Profisports zu finden. Ich wünsche ihm alles Gute dabei!

Bis dahin ? Nexxt!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 45, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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