SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck sieht den Lockout als Glücksfall für die Beko BBL. Handlungsbedarf sieht er beim FCB.

Hallo Basketball-Freunde,

die Fronten zwischen der Spielergewerkschaft der NBA-Spieler und der NBA sind zur Zeit wieder einmal sehr verhärtet.

Obwohl man inzwischen in den jeweiligen Positionen gar nicht mehr so weit voneinander entfernt ist, scheinen die letzten Meter fast unüberbrückbar. Eine Beendigung des NBA-Lockouts rückt erneut in weite Ferne.

NBA-Commissioner David Stern hat bereits angekündigt bereit zu sein, die komplette NBA- Saison abzusagen.(BERICHT: No Deal! NBA-Saison vor dem Aus)

Die Wahrscheinlichkeit, dass aktuelle Stars und Superstars der NBA nun auch tatsächlich in der Beko BBL auflaufen könnten, wird dadurch immer größer.

Die Klubs, die auch sportliche Ziele mit einer solchen Verpflichtung verfolgen, müssen dann nicht mehr fürchten, die Stars bei einer Beendigung des Lockouts innerhalb von 48 Stunden wieder abzugeben.

Im Hintergrund bringen sich bereits einige Klubs mehr oder weniger offen in Stellung - und hoffen auf ein dauerhaftes Engagement von Dirk Nowitzki oder Chris Kaman.

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Einen anderen Weg hat der BBC Bayreuth eingeschlagen. Bereits vor der Verschärfung im Arbeitskampf der NBA hat sich der BBC medienwirksam in Stellung gebracht und Verhandlungen mit NBA-Topscorer Kevin Durant bekannt gegeben.(BERICHT: Durant-Verpflichtung? "Kein PR-Gag")

Das wäre natürlich gigantisch für den Traditionsverein und seiner begeisterungsfähigen Fangemeinde. Was dort los wäre, kann ich mir kaum vorstellen. Auch für die Beko BBL wäre es ein Traum, Kevin Durant in allen Hallen Deutschlands präsentieren zu können.

Aber ehrlich gesagt: Warum gerade Bayreuth? Schließlich sind einige große europäische Klubs wie Valencia und Tel Aviv ebenfalls interessiert. Warum sollte Kevin Durant zu einem im unteren Mittelfeld angesiedelten Klub der Beko BBL gehen. Aber vielleicht gibt auch es eine Verbindung von der man nichts weiß. Die Aufmerksamkeit der Medien hat Bayreuth jedenfalls schon mal sicher.

Für die Liga wäre dies der erste aktuelle NBA-Topstar und nicht nur irgendeiner, sondern einer der besten und attraktivsten Spieler. Das würde die Liga unglaublich aufwerten und ein immenses Interesse garantieren. Auch für mich wäre es unglaublich reizvoll, so einen Athleten hier auf täglicher Basis spielen zu sehen.

Deutschland ist generell kein schlechter Platz für interessierte und wechselwillige NBA-Spieler.

Die Liga hat in den letzten Jahren wirklich viel für ihr Image getan und kann den Spielern eine sichere Plattform und gute Betreuung bieten, zudem werden alle Verträge auch mit großer Sicherheit eingehalten und man hat begeisterungsfähige, euphorische, aber auch friedliche Fans, die ohne Krawalle oder Ausschreitungen auskommen.

Am ehesten sind es natürlich die großen, angesehenen Klubs wie ALBA Berlin und die Brose Baskets Bamberg. Aber auch der FC Bayern München mit seinem guten Namen und sportlichen Ambitionen in Europa, sowie die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Wirtschaftspartner, die sich in Position bringen, können einen NBA-Star zu verpflichten. Aber ich bin mir sicher, dass auch andere Klubs sich vorbereiten und mit mehr als nur dem Gedanken spielen, einen NBA Spieler für die komplette Saison zu verpflichten.

Aber kommen wir zum aktuellen Spielgeschehen der Beko BBL: Die Partie der Bayern in Quakenbrück war ein hochklassiges, knappes und unglaublich spannendes Spiel. Bayern München hatte kurz vor Schluss der regulären Spielzeit alle Karten in der Hand die Partie für sich zu entscheiden.

Die Entscheidung, bei zwei Punkten Vorsprung zwölf Sekunden vor Schluss bewusst zu foulen und die Artländer an die Linie zu schicken, ist für mich absolut nachvollziehbar. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im schlechtesten Fall werden beide Freiwürfe verwandelt und man hat die Chance mit dem letzten Wurf das Spiel für sich zu entscheiden. Man hat also sein Schicksal selbst in der Hand.

So ist es schließlich auch gekommen, einzig das Versäumnis den gut herausgespielt und offenen Wurf zu vollstrecken, schickte die Bayern in die Verlängerung ? so schön kann Basketball sein.

Freud oder Leid hängen oft an einem einzigen Wurf.

Auch in der Verlängerung sahen die Bayern bereits frühzeitig wie der sichere Sieger aus, haben dann aber im kleinsten Spieler der Partie ihren Meister gefunden. Vier erfolgreiche Drei-Punkte-Würfe von David Holston sind eine unglaublich Leistung, darf von den Bayern jedoch niemals zugelassen werden. Es sind die kleinen Sachen und mangelnde Konsequenz in knappen Spielen, die den Bayern nun bereits zweite Niederlage nach Verlängerung beschert.

Daran wird bestimmt zu arbeiten sein.

In diesem Sinne, NEXXT!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 45, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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