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Heiko Schaffartzik kam im Januar 2011 von Türk Telekomspor nach Berlin © getty

Vor dem Kracher halten sich Bayern und ALBA mit Kampfansagen zurück. Hamann warnt vor "Rapper" Schaffartziks Rhythmus.

Von Raphael Weber

München - Früher drückten sie in Berlin gemeinsam die Schulbank und feierten Seite an Seite mit ALBA und dem deutschen Nationalteam große Erfolge.

Heute lenken Marko Pesic und Mithat Demirel als Sportdirektoren die Geschicke von zwei der größten Namen der Beko BBL.

Am Samstag stehen sich beide im Topspiel zwischen dem FC Bayern München und ALBA Berlin (ab 20 Uhr ) erstmals als Gegner gegnüber.

Ohnehin kommt es beim Spitzenspiel zu einer Art Klassentreffen.

ALBA mit Selbstvertrauen

Dabei gehen die Berliner mit dem Selbstvertrauen in die Partie, Double-Gewinner und Liga-Primus Bamberg am vergangenen Spieltag die erste Niederlage in der Beko BBL zugefügt zu haben (BERICHT: ALBA holt Bamberg auf den Boden ).

"An zwei aufeinander folgenden Wochenenden gegen die beiden großen Favoriten in der Liga zu spielen, ist zum jetzigen Saisonzeitpunkt eine gute Standortbestimmung", freut sich ALBA-Coach Gordon Herbert.

Die Münchner auf der anderen Seite haben zwar eine makellosen 5:0-Heimbilanz vorzuweisen, konnten gleichzeitig aber noch keinen Sieg gegen eines der Top-Teams einfahren.

Trainer als ausschlaggebende Faktoren

Demirel und Pesic sind sich einig, dass beide Teams den wohl wichtigsten Akteur auf dem Trainerstuhl haben: "Der FC Bayern ist für mich vor allem eine gut eingespielte Mannschaft, die in Dirk Bauermann einen sehr erfahrenen Trainer hat und gut gecoacht wird", so Demirel.

Auch sein Münchner Kollege hat für den gegnerischen Head Coach nur Lob übrig: "An allererster Stelle haben die Berliner einen sehr guten Trainer, der in den letzten beiden Jahren in Frankfurt Unglaubliches geleistet hat und jetzt in Berlin eine Mannschaft aufbaut, die nur sehr schwer zu schlagen sein wird."

Bayern mit vielen Ex-Berlinern

Im Gegenzug könnten die Bayern beinahe eine komplette Starting Five aus Ex-Berlinern aufstellen:

Immerhin vier ehemalige "Albatrosse" stehen aktuell beim FC Bayern unter Vertrag: Aleksandar Nadjfeji, Demond Greene, Jan-Hendrik Jagla und Steffen Hamann trugen allesamt das Trikot der Berliner.

Eine ganz besondere Aufgabe erwartet den ausgewiesenen Defensiv-Spezialisten Hamann bei seinem ersten Wiedersehen mit den Berlinern, die er nach seiner Vertragsauflösung 2010 Richtung München verlassen hatte.

Trotz des unrühmlichen Abgangs aus der Hauptstadt will der Point Guard nicht im Zorn zurückblicken und erklärt: "Ich habe keinen Frust, das Kapitel ist für mich abgehakt."

Schaffartzik abstellen

Neben dem amtierenden MVP und letztjährigen Topscorer der Beko BBL DaShaun Wood wissen die Berliner auch Scharfschütze Heiko Schaffartzik in ihren Reihen.

"Auf dem Feld ruht die Freundschaft", kündigte Hamann schon vor dem Duell mit seinem Kumpel aus dem Nationalteam an.

Dem "leidenschaftlichen Rapper" Schaffartzik könne er zwar ein paar Minuten zuhören, aber wenn er "erst mal seinen Rhythmus gefunden hat, ist Heiko nicht mehr zu stoppen und würde am liebsten einen Rap-Marathon veranstalten. Dann muss ich ihn abstellen."

Das soll am Samstag auch auf dem Platz klappen.

Herbert: "Spiel als größte Herausforderung"

Doch nicht nur für einige Münchner Spieler wird der Kracher im Audi Dome eine ganz besondere Partie.

Mit den deutschen Nationalspielern Schaffartzik, Sven Schulze, Yassin Idbihi und Lucca Staiger statten ganze vier DBB-Spieler ihrem ehemaligen Bundestrainer und jetzigen Bayern-Coach Dirk Bauermann einen Besuch ab.

ALBA-Coach Herbert warnt seine Akteure: "Das Spiel ist die bisher größte Herausforderung, der wir uns auswärts in der Beko BBL stellen müssen."

Er steht dem ambitionierten Aufsteiger alles andere als skeptisch gegenüber: "Ein guter Club, gute Spieler und ein guter Coach ? die Bayern sind eine echte Bereicherung für die Liga."

Bayern kann vorbeiziehen

Die Berliner müssen trotz aktuellem Lauf mit fünf BBL-Siegen in Folge aufpassen, denn der FCB könnte mit einem Triumph vor heimischer Kulisse sogar an den "Albatrossen" vorbeiziehen.

In der Regel konnten die Berliner bislang mit dem Pfund wuchern, dass man besser als der Gegner auf den Ball aufpasste ? gerade einmal 10,9 Turnover leistete sich ALBA pro Partie.

Allerdings trifft man in München auf ein Team, das mit 10,1 Ballverlusten pro Spiel ballsicherer als jedes andere BBL-Team ist.

Neutralisieren sich beide Teams hier auf hohem Niveau, prophezeit Herbert die Entscheidung im Abschluss: "Wenn beide Kontrahenten am Samstag so gut auf den Ball aufpassen, dann wird wohl der gewinnen, der die meisten einfachen Punkte erzielt bzw. dem Gegner die meisten leichten Körbe verwehrt."

ALBA leichter Favorit

Auch wenn ALBA als Favorit nach München reist, fällt die Prognose von Pesic selbsbewusst aus: "Wir wissen, wer da kommt, aber wir wissen auch, dass wir zu Hause mit unserer Leidenschaft gute Chancen haben, das Spiel zu gewinnen."

Sein Gegenüber und Freund Demirel ist sich der Herausforderung bewusst und erklärt: "Nach dem Heimsieg über Bamberg bildet das Gastspiel bei den Bayern für uns eine vielleicht noch größere Bewährungsprobe." Aber: "wenn wir so konzentriert spielen wie zuletzt, werden wir das Spiel gewinnen."

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