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Steffen Hamann wurde 2005 und 2007 mit Bamberg Deutscher Meister © imago

Bayerns Aufbau Steffen Hamann verrät im Interview, wie er seinen Ex-Klub ALBA Berlin schlagen will. Groll hegt er keinen.

Von Raphael Weber

München - Zwei Jahre spielte Steffen Hamann für ALBA Berlin, bevor er sich im Sommer 2010 dem FC Bayern München anschloss.

Im Spitzenspiel der Beko BBL trifft er mit dem Aufsteiger auf seinen Ex-Klub (ab 20 Uhr ) und verrät im SPORT1-Interview, wie Bayern die Hauptstädter schlagen will: "Der Schlüssel ist, DaShaun Wood und Heiko Schaffartzik zu stoppen."

Auf das Duell mit Berlins Point-Guard-Duo freut sich der ausgewiesene Defensiv-Spezialist Hamann besonders: "Für solche Herausforderungen trainiert man jeden Tag hart."

Gegen ALBA hegt der Nationalspieler trotz der Vertragsauflösung 2010 keine Groll. "Ich habe keine Wehmut oder will mich an ALBA rächen", erklärt er. (BERICHT: Trotz Kuschelgipfel: FCB-Furcht vor Rap-Marathon)

Im SPORT1-Interview spricht Hamann außerdem über die Heimstärke, die Ziele sowie die "Neider und Hater" des FCB.

SPORT1: Herr Hamann, mit ALBA kommt ein Spitzenteam nach München. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Spiel?

Steffen Hamann: Wir sind alle heiß und wollen unsere Leistung aufs Parkett bringen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Zuhause haben wir uns immer ganz gut angestellt. Wenn wir, wie gegen Treviso, 40 Minuten guten Basketball spielen, können wir ALBA ein heißes Spiel liefern.

SPORT1: Berlin feierte zuletzt fünf Siege in Serie und hat am vergangenen Spieltag Double-Gewinner Bamberg geschlagen(Bericht): Ist ALBA im Vorteil?

Hamann: Sie sind, wie wir, holprig in die Saison gestartet, dazu gab es gleich zu Saisonbegin die Enttäuschung mit dem Verpassen der Euroleague. Jetzt kommen sie langsam ins Rollen und machen ihrem Namen alle Ehre. ALBA hat eine sehr starke Mannschaft, die schwer zu schlagen ist. Das haben sie gegen Bamberg bewiesen. Auch ihre Bank ist erstklassig besetzt. Genau diese Stärken haben wir aber auch. Es wird ein Duell auf Augenhöhe.

SPORT1: Zuhause ist der FC Bayern noch ungeschlagen, auswärts läuft es dagegen noch nicht rund. Warum?

Hamann: Wir fühlen uns im Audi Dome sehr wohl, die Fans unterstützen uns super und wir trainieren jeden Tag dort. Auswärts verlieren wir knapp. Wir hatten gegen Bonn und Oldenburg die Chance, zu gewinnen und mussten uns erst nach der Verlängerung geschlagen geben. Auch in Zagreb waren wir dran. Diese Chancen haben wir liegen lassen und das ärgert uns tödlich. Doch wir sind auf einem guten Weg und haben bewiesen, dass wir jede Mannschaft schlagen können ? auch auswärts. Bis jetzt waren nur Gegner im Dome, die wir schlagen müssen. Mit ALBA kommt eine andere Hausnummer.

SPORT1: Warum hat es in dieser Saison noch nicht mit einem Sieg gegen ein Spitzenteam geklappt?

Hamann: Auswärts ist es immer schwer, vor allem als FC Bayern München. Die Hallen sind enorm gegen einen solchen Namen. Wir haben zwar sehr viele Sympathisanten in Deutschland, aber genauso viele Neider oder Hater. Das spüren wir immer, wenn wir auswärts antreten.

SPORT1: Welches Verhältnis haben Sie denn nach ihrer Vertragsauflösung im Sommer 2010 zu ihrem Ex-Klub ALBA?

Hamann: Ich habe überhaupt kein Problem mit irgendjemandem von ALBA oder mit dem Klub selbst. Es ist ein besonderes Duell, das ist jetzt mit München so und so war es auch damals schon mit Bamberg. Es geht nicht um mich, sondern um das Duell zweier Spitzenmannschaften. Ich habe keine Wehmut oder will mich an ALBA rächen. Berlin hat mit dem neuen Coach (Gordon Herbert, Anm. d. Red.) ein neues Kapitel aufgeschlagen. Von den alten Zeiten ist nicht mehr viel übrig geblieben.

SPORT1: Auf der Point-Guard-Position haben Sie mit MVP DaShaun Wood und Ihrem DBB-Kollegen Heiko Schaffartzik zwei sehr gute Scorer als direkte Gegenspieler: eine undankbare Aufgabe?

Hamann: Nein, überhaupt nicht. Für solche Herausforderungen trainiert man jeden Tag hart. Ich freue mich auf das Duell. Das sind zwei Spitzen-Point-Guards. Für uns gilt es, die beiden auseinander zu nehmen. Das wird nicht einfach, denn sie haben große Klasse und stehen auch zeitweise gemeinsam auf dem Feld. Es ist enorm gefährlich, wenn man zwei solche Scorer in der gegnerischen Mannschaft stoppen muss.

SPORT1: Worauf kommt es gegen Berlin an?

Hamann: ALBA ist von Position eins bis zwölf top besetzt, aber wenn man einen Schlüssel herausgreifen will, ist das, Wood und Schaffartzik zu stoppen. In so einem Duell entscheiden Kleinigkeiten: wer die "loose balls" bekommt, wer sich die Rebounds holt und wer in der Crunchtime die entscheidenden Punkte macht. Einsatz und Wille spielen eine große Rolle. Vor allem zuhause will man sich hinterher nicht ärgern, weil man nicht alles gegeben hat.

SPORT1: Mit einem Sieg kann Bayern an ALBA vorbeiziehen: Wohin führt der Weg des FCB in dieser Saison?

Hamann: Er wird auf jeden Fall lang und steinig. Wir sind der Aufsteiger, der sehr viele Ambitionen nach oben hat und bis jetzt werden wir dieser Rolle gerecht. Bis auf die Auswärtsniederlagen in Bonn und Oldenburg müssen wir uns nicht verstecken. Unser großes Ziel sind die Top vier. In den Playoffs ist sowieso alles möglich. Wir wollen Basketball-Deutschland etwas beweisen und haben dafür noch genug Aufgaben vor der Brust.

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