Stephan Baeck analysiert in seiner Kolumne die Schwäche des FCB in knappen Spielen und stärkt ein Sorgenkind.

Hallo Basketball-Freunde,

nach einem überragenden Start und tollen Spielen in der Beko BBL und Euroleague ist Bamberg nun erst mal in ein Loch gefallen.

Nach den Niederlagen gegen ALBA Berlin und KK Zagreb bedeutet das 65:68 in Gießen bereits die dritte Niederlage für die Brose Baskets Bamberg in Folge.

In Zagreb waren die Bamberger das komplette Spiel über überhaupt nicht präsent - und das in einem fürs Erreichen der Top-16-Runde so ungeheuer wichtigen Spiel! Auch in Gießen setzte sich dieser Trend fort. Ebenfalls wurde hier das Rebound-Duell verloren, was für mich immer auch ein Zeichen für fehlenden Willen und fehlende Energie ist.

Es fehlt derzeit eindeutig an Konzentration, Intensität und Fokussierung, sonst eine der ganz großen Stärken des Bamberger Teams.

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Es wurde bereits viel über die Aussage von Bambergs Manager Wolfgang Heyder, die Brose Baskets seien in der BBL unterfordert, geschrieben und geredet. Er selbst hat seine Aussage relativiert und das sollte man auch so akzeptieren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zu Beginn der Saison fehlten durch den Spielplan bedingt einfach starke Gegner in der Beko BBL, und durch eigenes Verschulden hat man in der Vorbereitung versäumt, gegen starke Teams zu testen. So war man von der Intensität und Härte, aber auch Qualität eines Euroleague-Spiels einfach überrascht und nicht genügend vorbereitet.

Was den Lockout der NBA betrifft, bin ich mit dem ehemaligen Bundestrainer Dirk Bauermann einer Meinung und freue mich als Basketball-Fan in erster Linie darüber, dass eine Einigung erzielt werden konnte und die NBA-Saison nun doch beginnen kann.

An ein Deal mit Kevin Durant und Bayreuth habe ich ohnehin nicht wirklich geglaubt, doch für Bayreuth und die Beko BBL war es eine nette Geschichte , die Bayreuth gut verkaufen konnte.

Ich finde es gut, dass jetzt Klarheit herrscht und die Bundesliga-Vereine ohne eventuellen NBA-Personal planen müssen.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es sportlich am effektivsten ist, eine Mannschaft kontinuierlich über die Saison hinweg zu entwickeln. Am Ende der Saison sollte man seinen besten Basketball spielen, um möglichst weit zu kommen.

Da hilft natürlich auch keine kurzfristige Verpflichtung eines NBA-Spieler, der zwischendurch für ein oder zwei Spiele da ist.

Hinsichtlich der öffentlichen Aufmerksamkeit war es für die Beko BBL während der Lockout-Zeit sicherlich ganz schön, sich mit den berühmten Namen zu umgeben. Allerdings kann die BBL inzwischen auch selbstbewusst genug sein und zeigen, dass sie selbst eine gut organisierte Liga ist, die qualitativ guten Sport bietet.

Das Spiel zwischen Bayern München und ALBA Berlin war beispielsweise sehr hart umkämpft und wirklich schön anzusehen. Man konnte sehen, dass beide Mannschaften diese Standortbestimmung sehr ernst genommen haben und das komplette Spiel mit entsprechender Intensität bestritten haben.

Wieder einmal waren es die Kleinigkeiten - ein abgegebener Offensivrebound hier, ein vergebener Freiwurf dort und die Fähigkeit, wenn es darauf ankommt bei größter Intensität fehlerfrei zu spielen -, die bei so einem engen Spiel die Entscheidung gebracht haben. Ein Manko im Bayern-Spiel, was die extrem knappen Niederlagen bisher belegen.

Ben Hansbrough hat zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gespielt, und die Verantwortlichen des FC Bayern sprechen selbst davon, dass der Lernprozess für Hansbrough nicht so schnell verläuft, wie man sich erhofft hat. Man erwartet, dass er bis Januar mehr und mehr Spielanteile bekommen wird, aber bis dahin ist es eben noch ein weiter Weg.

Es würde der Mannschaft gut tun, neben Steffen Haman einen weiteren Spieler auf der Aufbauposition zu haben, der der Mannschaft auch andere Alternativen, ein anderes Gesicht geben kann. Steffen ist mittlerweile ein sehr routinierter Spieler, der schwierige Situationen gut lösen kann und sich als europäischer Aufbauspieler konstant weiterentwickelt hat, vor allem mit Zug zum Korb.

Was gut tun würde, ist allerdings ein Spieler, der auch für sich selbst Würfe kreieren könnte und auch aus der Distanz gefährlich ist. Dann bekäme das Pick-and-Roll-Spiel der Bayern eine weitere Qualität, und die anderen Spieler könnten noch besser in Szene gesetzt werden.

Sollte Hansbrough so ein Spieler sein, werden wir ihn im Januar bestimmt vermehrt sehen.

In diesem Sinne, NEXXT!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 46, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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