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Holston (l.) traf in seinem Senior Year am College (2009) in 32 Spielen 147 Dreier © getty

"You can't teach height" ist eine alte Basketballweisheit. Das Größe aber nicht alles ist, beweist Artlands David Holston.

Von Florian Pertsch

München- In einem Basketball-Team ist er leicht zu übersehen, würde locker als Handtuchjunge durchgehen.

Sobald er aber auf dem Feld loslegen darf, wird schnell klar, das Thema Handtuch ist nur für den Gegner wichtig - wenn er es geschlagen wirft.

David Holston, Aufbauspieler der Artland Dragons, mischt derzeit die Beko BBL auf, und das bei nur 170 cm Körpergröße. Der US-Amerikaner liefert in seinem ersten Jahr für Quakenbrück 17,6 Punkte und 6,0 Assists ab und zeigt der Liga, dass Größe im Basketball doch nicht alles ist.

Im SPORT1-Interview sprach der kleinste Drachen des Artland über den Saisonstart mit Quakenbrück, das Niedersachsenderby gegen Oldenburg (Sa. ab 14.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) und unverschämte Teamkollegen.

SPORT1: Herr Holston, gut die Hälfte der Saison ist gespielt, wie sieht Ihr bisheriges Fazit aus?

David Holston: Ich bin sehr zufrieden. Wir haben uns als Mannschaft gefunden und verbessern das Teamplay jeden Tag. Wir stehen gut in der Tabelle und haben noch Luft nach oben. Insgesamt haben wir eine wirklich gute erste Saisonhälfte abgeliefert.

SPORT1: Luft nach oben? Momentan steht Artland auf Rang drei. Wie hoch soll es denn in der Tabelle noch gehen?

Holston: Ich denke, die Tabellenspitze ist möglich für uns. Wenn wir jeden Tag hart arbeiten, dann haben wir das Potenzial, oben anzugreifen.

SPORT1: Schauen wir auf Ihre persönlichen Statistiken. Sie liegen bei den Punkten, Assists und Steals auf dem zweiten Platz. Denken Sie, Sie können z.B. den Bonner Jared Jordan bei den Assists noch überflügeln?

Holston: Ich versuche den Stats nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ich will einfach nur mein Spiel machen und am Ende als Sieger auf dem Parkett stehen.

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SPORT1: Mit 170 Zentimeter Körpergröße sind Sie sogar für einen Spielmacher sehr klein. Wie wurden Sie in der Liga aufgenommen? Gab es viel Trash Talk oder Respektlosigkeiten von den Gegnern?

Holston: Nein, es hielt sich in Grenzen. In der Vergangenheit gab es schon einige Sprüche, aber ich habe mich mit der Zeit daran gewöhnt und spiele einfach darüber hinweg. Dafür halten sich meine Teamkollegen nicht zurück.

SPORT1: Ihre Kollegen? Wann machen die ihre Scherze über Sie?

Holston: Im Training gibt es schon einiges an Trash Talk, aber das ist okay. Das sind alles klasse Jungs, und ich hab kein Problem damit. Ich weiß ja, wie sie es meinen.

SPORT1: War es schwer, sich an den europäischen Basketball zu gewöhnen?

Holston Als ich 2009 zu Pinar Karsiyaka Izmir in die Türkei wechselte, war es zu Anfang nicht ganz leicht für mich. Ich musste mein Spiel und das Training etwas umstellen, aber mittlerweile läuft es ganz gut für mich.

SPORT1: Kann man wohl sagen, Ihre Statistiken sprechen eine deutliche Sprache. Bei solchen Zahlen ist man automatisch im Gespräch für den Titel des Most Valuable Player. Ist das ein Ziel für Sie?

Holston: Wenn das klappen würde, dann wäre es natürlich eine große Ehre für mich. Ich werde einfach weiter hart arbeiten. Mal sehen, wozu es am Ende reicht. Was immer der liebe Gott für mich geplant hat. Ich bin bereit.

SPORT1: Sie wurden vor kurzem 26 Jahre alt. Ist die NBA noch ein Thema für Sie, oder sind Sie in Europa zufrieden?

Holston: Mir gefällt es in Europa sehr gut, an die NBA verschwende ich derzeit keinen Gedanken. Mein Ziel ist es, Titel zu gewinnen, egal auf welchem Kontinent, ganz gleich mit welchem Team.

SPORT1: Sie spielten nach dem College zwei Jahre in der Türkei - sicherlich ein kleiner Kulturschock. Jetzt der Wechsel in die deutsche Provinz nach Quakenbrück. Wie gefällt es Ihnen im Artland?

Holston: Ich finde Quakenbrück fantastisch. Mir gefällt es sehr gut, viel besser als in der Türkei. Hier sprechen viel mehr Leute Englisch, und auch das Essen schmeckt mir deutlich besser.

SPORT1: Werfen wir einen Blick auf das nächste Ligaspiel. Am Samstag empfängt Artland im Derby den Rivalen aus Oldenburg. Ist Ihnen bewusst, dass dieses Spiel in der Region etwas Besonderes ist?

Holston: Ja klar, das habe ich schon beim Hinspiel mitbekommen. Einen Tag vor dem Duell waren alle ganz aufgeregt, vor allem die Fans. Ich hab dann meine Teamkollegen gefragt, was es damit auf sich hat, und sie haben mir erklärt, dass das Spiel für alle in der Region von großer Bedeutung ist. Am Samstag ist es also wieder soweit, und wir werden bereit sein.

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