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Per Günther wechselte 2008 von Phoenix Hagen zu ratiopharm Ulm © imago

Ulms Per Günther macht vor dem Gipfel um die Tabellenspitze eine Kampfansage. Bambergs Tadda will "keine gute Atmosphäre".

Von Johanna Herdejost

München - Es sind nur magere sechs Punkte.

Sechs Punkte, die ratiopharm Ulm bei einem Sieg gegen die Brose Baskets Bamberg reichen würden, um dem Non-Plus-Ultra des deutschen Basketballs den Platz an der Sonne zu rauben.

Bereits im Hinspiel hatte Ulm die Mannschaft aus "Freak City" am Rande einer Niederlage. Mit 59:64 (34:33) verpasste der Underdog die Sensation knapp und kann nun per direktem Vergleich sogar vorbeiziehen.

Seit dem 6. Spieltag hat sich der Deutsche Meister ganz oben in der Tabelle eingenistet, doch nach einer ähnlich deutlichen regulären Saison wie im letzten Jahr (sechs Siege Vorsprung auf den Zweitplatzierten) schaut es diesmal nicht aus.

Denn das Überraschungsteam aus Ulm hat sich hartnäckig hinter Bamberg festgesetzt und lauert nun auf die Chance zum Machtwechsel.

Kampf um die Tabellenspitze

Am Samstag (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) kommt es in der ausverkauften ratiopharm Arena zum Gipfeltreffen der Beko BBL, und Ulms Point Guard Per Günther erwartet einen harten Kampf.

"Sie werden ungern die Tabellenspitze hergeben wollen und dementsprechend auftreten", erklärt er gegenüber SPORT1.

Was Bambergs Karsten Tadda auch bestätigt. "Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Ulm und wollen ihnen in der neuen Halle die erste Niederlage zufügen", gibt er die Zielsetzung bei SPORT1 aus.

Hoffen auf "perfektes" Spiel

Nach zehn Siegen in Folge reist Bamberg voller Selbstbewusstsein nach Ulm.

Allerdings wartet auch die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath mit einer beeindruckenden Serie von sieben Spielen ohne Niederlage auf.

"Wir wissen, dass am Samstag vieles perfekt laufen muss. Wir müssen unser volles Potential ausschöpfen, um die Bamberger zu besiegen", scheint Günther den Leitsatz seines Trainers verinnerlicht zu haben.

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Ulm mit Kampfansage

Denn dieser gibt gebetsmühlenartig sein Credo "Bleibt bescheiden" an die Mannschaft weiter, doch verstecken brauchen sich die Ulmer keineswegs.

Zu verbalen Höhenflügen heben die Donaustädter aber bewusst nicht ab, vielmehr soll durch sportliche Leistungen ein Signal an die Konkurrenz gesendet werden.

Die Favoritenrolle will sich Günther deshalb auch nicht zuschieben lassen. "Egal wo und gegen wen Bamberg spielt, sie sind immer Favorit", wiegelt er ab, um dann doch noch eine Kampfansage hinterher zu schicken:

"Wir lassen niemanden zu uns nach Hause kommen und sagen: 'Wir geben den Sieg von vorne rein her'. Wir kennen die Bamberger Schwächen und wissen, dass wir sie schlagen können."

Personalprobleme bei Ulm

Ausgerechnet für das Top-Spiel muss Leibenath allerdings auf einen seiner Top-Spieler verzichten.

Der Einsatz von Ulms Power Forward Dane Watts, der schon beim souveränen 86:66 (40:34) im Pokal gegen Oldenburg wegen einer Sprunggelenksverletzung ausfiel, ist fraglich.

"Wir hoffen, dass er gegen Bamberg zum Einsatz kommt, aber es sieht schlecht aus", so Günther.

Routinier Steven Esterkamp wird wohl deshalb wieder auf der Vier starten.

"Man muss vor seiner Leistung am Mittwoch den Hut ziehen, zumal er nicht auf seiner Stammposition gespielt hat", zieht Günther Hoffnung aus der gut funktionierenden Pokal-Rotation.

Duell unter den Brettern

Mit John Bryant, dem MVP des Allstar-Games, wird der gelernte Small Forward dahin gehen, wo es wehtut.

Denn gegen den dominanten Bamberger Frontcourt um Nationalspieler Tibor Pleiß und die beiden Amerikaner Marcus Slaughter und P.J. Tucker muss jedes Gramm unter den Brettern in die Waagschale geworfen werden.

Das weiß auch Günther: "Gegen die physisch starken Bamberger zu spielen, ist nochmal ein extremerer Fall."

Zumal Karsten Tadda ankündigt: "Natürlich hat Ulm mit John Bryant einen starken Fünfer, aber unsere Center werden ihm das Leben schwer machen."

Jenkins fällt länger aus

Auch Meistertrainer Chris Fleming hat auf Bamberger Seite einen Ausfall zu beklagen.

Julius Jenkins zog sich im letzten Viertel beim 79:65 (41:41)-Pokalsieg gegen die Artland Dragons eine Sprunggelenksverletzung zu und wird wohl nicht nur in Ulm zuschauen müssen.

"Julius' Ausfall schmerzt. Aber da unsere Mannschaft so ausgeglichen und tief besetzt ist, können wir seinen Ausfall über die paar Wochen kompensieren", erklärt Tadda.

Ohne Jenkins ist ein Aspekt im Spiel der Bamberger geschwächt, den Günther als besondere Stärke ausmacht ? die Dreipunktewürfe: "Gerade da müssen wir gut verteidigen", sagt der Point Guard.

Ulm mit sechstem Mann

Den Unterschied könnte am Samstag nicht nur das machen, was auf dem Feld passiert, sondern auch daneben.

Was Tadda von den Heimspielen in der "Frankenhölle" gewöhnt ist, könnte ihn und seine Mannschaft auch in Ulm erwarten: 6000 euphorische Fans, die die Arena in einen Hexenkessel verwandeln werden.

Deshalb steht für ihn fest: "Wir müssen die Ulmer Fans aus dem Spiel nehmen, so dass keine gute Atmosphäre entsteht."

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