Stephan Baeck erinnert die Münchner: Infrastruktur und Können allein genügen nicht. Bei Bamberg erkennt er ein besonderes Gen.

Hallo Basketball-Freunde,

wir haben ein weiteres Statement des amtierenden Deutschen Meisters im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten ratiopharm Ulm gesehen.

Eindrucksvoll und mit der für sie typisch kompromisslosen Spielweise haben die Bamberger erneut gezeigt, dass sie zurzeit das Non-Plus-Ultra in der Beko BBL sind.

Ulm hatte der Tiefe und der Qualität der Bamberger nur phasenweise etwas entgegen zu setzen - zu stark, zu konsequent auf die eigenen Stärken bedacht und vor allem zu druckvoll über die gesamte Spieldauer präsentierte sich das Bamberger Team.

Ulm wurde permanent gezwungen, schwierige und zum Teil wilde Würfe zu nehmen. Diese über 40 Minuten hochprozentig zu verwandeln wäre die einzige Chance der Ulmer gewesen, das Spiel bis zum Ende offen zu halten.

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Es ist die Konsequenz in der Spielanlage und Bereitschaft der Mannschaft die Rollenverteilung im Team anzunehmen, die Sie im Moment von jeder anderen Mannschaft in der Liga unterscheidet.

Ein weiterer Vorteil der Bamberger ist, dass sie es offensichtlich genießen, sich in Spitzenspielen zu beweisen. Sie haben dieses Gen und den Willen, Herausforderer in die Schranken zu weisen. Die Mannschaft wirkt extra-motiviert in solchen Spielen.

Offenbart der Gegner dann eine Schwäche - wie die Entscheidung Ulms, den Wurf von außen zuzulassen - wird schonungslos Kapital daraus geschlagen.

Jetzt noch zum anderen "Aufreger" des Wochenendes - die Niederlage des FC Bayern beim Vorletzten TBB Trier.

Bei den Münchnern war es wieder einmal das letzte Viertel, das ihnen das Genick gebrochen hat. Sie haben zum wiederholten Male in fremder Halle einen soliden Vorsprung aus der Hand gegeben und finden einfach keinen Weg, diese Schwäche abzustellen.

Verneinte man in München zu Beginn der Niederlagenserie noch ein mentales Problem, wird jetzt klar, dass die Spieler verunsichert sind, wenn die Heimmannschaft am Ende aufdreht.

Anstatt mit dem Vertrauen in die eigene Stärke das Spiel zu beenden, lähmt der "Oh nein, hoffentlich nicht schon wieder"-Gedanke das eigene Spiel und verursacht Fehler.

Die Bayern sind ohne Zweifel ein starkes Team, das zeigen sie regelmäßig in ihren Heimspielen, und auch international haben sie sich mit teilweise sehr guten Leistungen etabliert. Am Können liegt es nicht; für mich ist die Auswärtsschwäche mittlerweile ein klares Kopfproblem.

Das Ziel Playoffs ist nun ernsthaft in Gefahr. Und wenn die Bayern nicht bald anfangen, auch auswärts zu gewinnen, wird es sehr schwer, noch in die Playoffs einzuziehen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es wäre natürlich ein Rückschritt auf dem Weg Basketball in München zu etablieren, aber man darf nicht vergessen, dass der FCB bereits eine Menge geleistet hat.

Das für die Verantwortlichen um Uli Hoeneß so wichtige Signal der Akzeptanz von Basketball in München ist eindeutig von Zuschauer und Fans gegeben worden.

Die positive und angenehme Verbindung von Fußball zu Basketball mit Protagonisten wie Bastian Schweinsteiger bereichern den eigenen Klub und helfen ohne Zweifel dem Basketball in Deutschland.

Der FC Bayern hat es in kürzester Zeit geschafft, die Infrastruktur der Basketballabteilung auf das Niveau eines Spitzenklubs zu bringen. Das schafft die so wichtigen Voraussetzungen und Arbeitsbedingungen für langfristigen Erfolg.

Was die Bayern jetzt noch brauchen ist Geduld - und am Ende natürlich auch sportlichen Erfolg.

In diesem Sinne, NEXXT!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 46, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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