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Guard Demond Greene (r.) wechselte 2010 von Olympia Larisa zum FC Bayern München © imago

Bayern München will selbstbewusst den langen Auswärtsfluch besiegen. Im SPORT1-Interview verrät Demond Greene, worauf es ankommt.

Von Johanna Herdejost

München - Der Stein, der den Korbjägern des FC Bayern München nach dem knappen 87:83 (34:42)-Heimerfolg gegen den Tabellen-Zweiten ratiopharm Ulm (Bericht) vom Herzen gefallen sein muss, hat man wohl bis nach Hessen gehört.

Dort tritt die Mannschaft von FCB-Trainer Dirk Bauermann am Samstag (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in der Beko BBL gegen die Fraport Skyliners an.

"Sei es mit Kratzen, Beißen, Zwicken - Hauptsache, wir holen auswärts den Sieg", unterstreicht Aufbauspieler Demond Greene gegenüber SPORT1 die Ambitionen des Aufsteigers.

Schließlich geht es für das Team aus dem Süden nicht nur um wichtige Punkte, um am Ende der Saison unter den ersten Acht zu landen. Vier lange Monate nach dem ersten und letzten Sieg in der Fremde soll endlich der Auswärtsfluch besiegt werden (Bauermann kontert Hoeneß: "Irgendwann bricht der Ast").

Im SPORT1-Interview spricht der 32-jährige Nationalspieler über die wichtige Partie beim aktuellen Tabellen-Zwölften, eine ganz spezielle Haltung in Auswärtsspielen, die den Bayern bis dato noch fehlt, und das größte Ziel des Vereins.

SPORT1: Herr Greene, was lief gegen Ulm besser als bei der Pleite letzte Woche in Trier?

Demond Greene: Wir hatten am Ende die besseren Nerven und man konnte sehen, dass wir diese Schwäche, die uns auswärts Siege gekostet hat, diesmal nicht hatten. Wir haben die großen Würfe getroffen, haben besser verteidigt und uns so im Vergleich zu dem Spiel in Trier verbessert.

SPORT1: Der Mannschaft fehlt in entscheidenden Phasen des Spiels oft die Kaltschnäuzigkeit, den Sack zuzumachen. Dabei sind etliche Veteranen im Team. An mangelnder Erfahrung kann es doch nicht liegen, dass es auswärts immer wieder schief geht?

Greene: Fehlende Erfahrung ist es sicherlich nicht, aber viel hängt vom Selbstvertrauen ab. Zuhause spielen wir mit viel Selbstvertrauen. Auswärts haben wir nie diese Stärke aufgebaut. Ich nenne es eine gewisse Arroganz. Nicht überheblich, sondern eine gesunde Arroganz, die auch mit Auswärtssiegen steigt. Ich denke an die knappen Spiele gegen Oldenburg oder Artland. Wenn man diese Partien gewinnt, dann entwickelt man Auswärtsarroganz. Die fehlt uns noch. Auswärts müssen wir jetzt eine starke Serie starten, um eine gewisse Kaltschnäuzigkeit zu entwickeln.

[kaltura id="0_mxg9611p" class="full_size" title="Bayern beweist gegen Ulm Heimst rke"]

SPORT1: Hat Uli Hoeneß der Mannschaft vor den kommenden Auswärtspartien das Patentrezept für das geforderte "Mia san mia" mitgeliefert?

Greene: Alles fängt mit dem Erfolg an. Damit wächst das "Mia san mia". Für uns ging der Schuss in den letzten Wochen auswärts nach hinten los. Wenn wir in fremden Hallen immer wieder einen auf die Mütze bekommen oder den Sieg noch hergegeben, zieht das die Mannschaft unbewusst natürlich schon nach unten. Es ist immens wichtig, dass wir im Audi Dome bislang so gut gespielt haben. Schließlich hätten wir im schlimmsten Falle eine extreme Negativserie haben können, wenn wir auswärts und zuhause verloren hätten.

SPORT1: Werden bei dem Restprogramm genügend Siege herausspringen, dass es für einen Playoff-Platz reicht?

Greene: Unser Ziel ist es, die Playoffs zu erreichen. Natürlich haben wir jetzt noch mehr Auswärtsspiele als Heimspiele. Vom Papier her sieht es nach einfachen Spielen aus, trotzdem sind die Auswärtsaufgaben für uns schwer. Wir wollen gegen Frankfurt den Wurm im Apfel finden und endlich einen Auswärtssieg holen. Frankfurt hat zwar gegen Bremerhaven verloren, sie werden jedoch extrem motiviert sein, weil sie natürlich auch von unserer Auswärtsschwäche wissen. Aber da müssen wir jetzt durch, ganz egal wie. Sei es mit Kratzen, Beißen, Zwicken - Hauptsache wir holen auswärts den Sieg.

SPORT1: Sicherlich wäre es Ihnen doch lieber, am Ende nicht auf Platz acht zu landen und so höchstwahrscheinlich schon in der ersten Runde auf Titelverteidiger Bamberg zu treffen?

Greene: In den Playoffs werden die Karten neu gemischt. Es geht nicht um ein Spiel, sondern um eine Serie. Selbst wenn man in der ersten Runde auf Bamberg treffen würde: Um Meister zu werden, muss man drei Runden bestehen. Vom ersten Tag an hat der Erste genauso große Chancen auf den Meistertitel, wie der Achte.

SPORT1: Was wäre, wenn die Playoff-Plätze am Ende doch nicht erreicht werden würden?

Greene: Wer sich zwölf Spiele vor Saisonende Gedanken darüber macht, ob er die Playoffs erreicht oder nicht, der ist fehl am Platze. Wir malen uns keine "Was-wäre-wenn"-Szenarien aus. Wir sind meilenweit davon entfernt, nur den kleinsten Gedanken daran zu verschwenden.

SPORT1: Im August stehen die Qualifikationsspiele für die EM 2013 an. Ist die Nationalmannschaft dann noch ein Thema für Sie?

Greene: Ich habe das Gefühl, dass ich mit dem Alter nur noch fitter werde. Über die Nationalmannschaft habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Die Zeiten ändern sich, und es ist nicht so, dass ich wie in den letzten Jahren darauf brenne, Nationalmannschaft zu spielen. Schließlich haben wir viele gute junge Spieler die nachrücken. Es ist eine Sache, die nicht nur an mir liegt, es sei denn, ich würde zurücktreten. Aber im Endeffekt ist es die Entscheidung des Trainers, ob er mich einlädt und in Erwägung zieht.

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