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Als Aktiver spielte Marco Baldi insgesamt sechs Jahre für die SpVgg Ludwigsburg © imago

Vor dem Duell mit den Dragons nennt ALBA-Manager Marco Baldi die Gründe für die Berliner Talfahrt und zeigt sich kämpferisch.

Von Ronald Maior

München - Aus im Eurocup, Aus im Pokal, Tabellen-Vierter in der Beko BBL mit vier Siegen Rückstand auf Spitzenreiter Bamberg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach der vorweihnachtlichen Euphorie in der Hauptstadt hat sich im neuen Jahr eine gehörige Menge Sand im Getriebe des ALBA-Motors fesgesetzt.

Eigentlich müsste derzeit mächtig Feuer unter dem Dach der Berliner lodern.

Doch die "Albatrosse" zeigen sich trotz jüngster Misserfolge motivierter denn je, den anhaltenden Sinkflug zu beenden.

Ausbau der Miniserie

Immerhin können die Berliner am 23. Spieltag der Beko BBLgegen die Artland Dragons nach zuletzt drei Siegen auf nationaler Ebene eine kleine Miniserie ausbauen (Sa., ab 20 Uhr LIVESCORES).

Angesichts der Tabellen-Konstellation benötigen die Berliner gegen den unmittelbaren Konkurrenten einen Sieg, um den Kontakt zur Tabellenspitze nicht abreißen zu lassen.

Vor dem Duell mit Quakenbrück schildert ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi im SPORT1-Interview die Lage der "Albatrosse" und erklärt die sportliche Talfahrt zu Beginn des neuen Jahres.

SPORT1: Herr Baldi, wie schwer wiegt das Pokal-Aus ALBAs gegen Braunschweig? Vor der Partie hatte Heiko Schaffartzik vom wichtigsten Spiel der Saison gesprochen.

Marco Baldi: Natürlich wiegt das Aus schwer. Wir hatten in den letzten Jahren immer ein recht schweres Los - einmal in Bamberg, einmal bei den Dragons. Wenn man dann in diesem Jahr zu Hause die Gelegenheit hat, gegen Braunschweig weiterzukommen, dann wünscht man sich schon einen anderen Ausgang.

SPORT1: Welche finanziellen Folgen hat das frühe Pokal-Aus für den Verein?

Baldi: Wir haben kalkuliert, dass wir in Europa in die Runde der Top 16 gelangen, und das haben wir geschafft. Der Pokal spielt in unseren Kalkulationen keine Rolle. Allerdings ist ein Ausscheiden immer schwer zu verdauen.

SPORT1: Haben Sie Ihre Saisonziele im Hinblick auf die Pokalwettbewerbe verpasst?

Baldi: Es wäre schon ganz gut, wenn wir an unseren eigenen Zielsetzungen gemessen werden und da nicht etwas anderes interpretiert wird. Wir haben im Eurocup als einziges deutsches Team die Top 16 erreicht; das war unser Ziel. Und deshalb sind wir im Hinblick auf unsere Zielsetzungen im Soll, auch wenn das Aus schmerzt und wir alles andere als glücklich darüber sind.

SPORT1: Spiegelt der aktuell vierte Tabellenplatz in der Beko BBL wider, was die Mannschaft in dieser Saison zu leisten in der Lage ist? Oder welchen Anspruch hat ALBA Berlin?

Baldi: Wir haben bereits vor der Saison deutlich gemacht, wer für uns der klare Favorit im Titelrennen ist. Das ist Bamberg! Sofern für uns alles optimal läuft, trauen wir uns zu, vorne mit dabei zu sein.

SPORT1: Gordon Herbert wurde vor der Saison gemeinsam mit DaShaun Wood aus Frankfurt verpflichtet, während Leistungsträger wie McElroy und Jenkins den Verein verließen. Sind die Abgänge im Mannschaftsgefüge ein möglicher Grund für die durchwachsene Saison?

Baldi: Ich glaube nicht, dass die Konstellation im Kader oder die Qualität des Kaders eine Rolle spielen. Sicher waren wir in der vergangenen Saison tiefer aufgestellt. Allerdings haben wir mitten in der Saison einen Umbruch mit einem neuen Trainer und einigen neuen Spielern vollzogen. Seit Weihnachten haben wir Schwierigkeiten, die es auszumerzen gilt. Die Qualität des Kaders ist gut, aber wir müssen aus unseren Möglichkeiten das Optimale herausholen.

SPORT1: Woran kann es dann liegen, dass bei ALBA seit der starken Phase im Spätherbst derart viel Sand im Getriebe ist?

Baldi: Wir können sicher nicht mit unserer Performance seit Weihnachten zufrieden sein. Da haben wir durch Verletzungen und durch eigene Nachlässigkeiten den Faden verloren. Wir müssen zusehen, dass wir schnell aus dieser Spur rauskommen. Dessen sind sich alle im Klub bewusst.

SPORT1: Was muss passieren, dass ALBA gegen die Dragons das Ruder herumreißen kann?

Baldi: Sicher ist das eine schwierige Aufgabe. Artland hat eine enorme Tiefe im Kader, die vielleicht nicht einmal in Bamberg wiederzufinden ist. Was die Dragons auf das Parkett bringen können, ist sehr beachtlich. Zudem sind sie durch die letzten Erfolgserlebnisse sehr selbstbewusst.

SPORT1: Spielt der Kopf derzeit eine größere Rolle?

Baldi: Im Sport lebt man auch von Selbstvertrauen und Überzeugung, und da fehlt es bei uns momentan. Das können wir uns aber nur selbst zurückholen. Wir müssen insgesamt geschlossener auftreten und in schwierigen Situationen mehr Ruhe bewahren. Dann kann das bei unserer Qualität auch ganz schnell wieder anders aussehen. Wir müssen mit kühlem Kopf versuchen, den Bock wieder umzustoßen. Aber das sind Prozesse.

SPORT1: Welche Möglichkeiten haben Sie als Geschäftsführer auf einen solchen Prozess Einfluss zu nehmen?

Baldi: Ich halte mich weitgehend zurück Wir haben einen Sportdirektor und einen Trainerstab, die sich rund um die Uhr mit den alltäglichen Themen des Sports beschäftigen. Wir tauschen uns ständig kritisch aus, aber intern. Ich sehe mich in einer unterstützenden Rolle. Es ist wichtig, dass wir zum Wohle unseres Klubs an einem Strang ziehen. Und das tun wir.

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