Stephan Baeck gratuliert Basketball-Deutschland zur Wahl des neuen Bundestrainers und spricht über Bayerns Auswärts-Neurose.

Hallo Basketball-Freunde,

zwei große Themen bestimmen aktuell Basketball-Deutschland.

Einerseits die Auswärts-Neurose der Bayern und die damit verbundene Nervosität, die Playoffs zu verpassen. Andererseits die Bekanntgabe, dass Svetislav Pesic erneut die deutsche Nationalmannschaft als Headcoach betreut.

Das Dilemma der Bayern, in fremden Hallen nicht so souverän wie zuhause anzutreten, ist wirklich nur schwer nachzuvollziehen. Erklärungs- und Lösungsversuche gab es viele. Vielleicht schafft ja die Ankündigung von Dirk Bauermann, in Zukunft auch mit einem Sportpsychologen zusammenzuarbeiten, Abhilfe und lässt die Bayern auswärts über den eigenen Schatten springen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Erfahrungen, die ich mit der Nationalmannschaft während der Vorbereitung auf die EM 1993 mit dieser Art der Betreuung gemacht habe, waren jedenfalls durchweg positiv. Also lassen wir die Bayern mal in Ruhe zu ihrem "Mia san Mia" kommen und widmen uns der großen Nachricht im deutschen Basketball: Svetislav Pesic ist neuer, alter Bundestrainer! Unvergessen und auf immer mit ihm verbunden ist der bisher größte Erfolg der deutschen Mannschaft: der Gewinn der Europameisterschaft 1993.

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Mir unvergessen bleibt auch meine erste Begegnung mit Svetislav Pesic. Es war 1987, wir hatten gerade mit Saturn Köln in Leverkusen gespielt, da bat er mich zu einem gemeinsamen Kaffee im Restaurant hinter der Wilhelm Dopatka Halle.

Svetislav Pesic, gerade zum Bundestrainer gekürt, wollte mit mir über meine Zukunft und die zukünftige Ausrichtung der Nationalmannschaft sprechen. Ich war total unvorbereitet, wusste gar nichts über diesen Mann, der kein Deutsch und kein Englisch sprach. Alle Kommunikation wurde am Anfang mit Dolmetscher vollzogen. Eine bizarre und mutige Entscheidung vom DBB dachte ich mir damals, vielleicht dachte ich sogar etwas kritischer...

So saß ich da in einem nicht sehr gemütlichen Lokal, lauschte Svetislav Pesic, dann Hans Kocian, dem Übersetzer, versuchte ab und zu etwas zu erwidern, was mir aber nicht wirklich gelang. Wenn man mit Svetislav Pesic spricht, braucht man Konzentration ohne Ende - zu dominant, zu konsequent, zu schlüssig ist seine Gesprächsführung. Damals war Konzentration nicht meine große Stärke, das sollte sich mit Svetislav Pesic ändern.

Es gibt Begegnungen mit Menschen, bei denen hat man das Gefühl, hier beginnt etwas Neues. Meine erste Begegnung mit Pesic war so eine. Ich wusste es damals noch nicht, aber ich sollte sogar lernen, wie man Defense buchstabiert. Basketball war für mich anfänglich nur Freude, alles fiel mir leicht auf dem Spielfeld, alles war ein großer Spaß. Mit Svetislav Pesic lernte ich auch, wie wichtig es ist Verantwortung zu tragen - in der Offensive aber auch in der Defensive.

Bei allen Kommunikationsschwierigkeiten - wie gesagt, ich war mehr aufs Zuhören beschränkt - konnte ich spüren, dass dort jemand sitzt, der einen großen Plan hat, der unbequem ist, vielleicht auch kompromisslos im Durchsetzen seiner Ziele ist, aber auch großes Charisma besitzt, einen fangen konnte und für mich sehr wichtig - ein großes Herz hatte. Ich wusste, dieser Mann würde sich um mich kümmern. Meine Karriere, ja sogar meinem Leben abseits vom Basketball war wichtig für ihn - wichtiger als mir manchmal lieb war. Dieses Herz lässt ihn bei all seinen ehemaligen Spielern in guter Erinnerung, etwas Besonders bleiben.

Er vermittelte das Gefühl, wenn man sich auf ihn einlässt, am Ende etwas Großes, etwas Positives steht. Und dieses Gefühl sollte mich nicht täuschen.

Eine weitere herausragende Eigenschaft von Svetislav Pesic ist seine Lernfähigkeit. Nicht nur sprachlich - er lernte Deutsch und Englisch in kurzer Zeit und spricht heute auch Spanisch -, sondern auch die Fähigkeit, flexibler im Umgang mit seinen Spieler zu werden, ohne natürlich jemals seinen Plan oder seine Disziplin zu vernachlässigen, haben ihn über all die Jahre zu dem gemacht was er heute immer noch ist: einer der besten Trainer Europas.

Glückwunsch DBB, Glückwunsch Deutscher Basketball!

In diesem Sinne, NEXXT!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 46, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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