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Für Dirk Bauermann ist der FC Bayern München bereits die elfte Station als Trainer © getty

Vor dem Gastspiel in Hagen erklärt FCB-Coach Dirk Bauermann im SPORT1-Interview den immensen Auswärtsdruck und seine Rolle.

Von Florian Pertsch

München - Wenn die Münchner zu ihrem Gastspiel nach Hagen reisen, begleitet sie die schwere Last des Erfolgsdruckes und das Wissen um ein vorgezogenes Endspiel - inmitten der Saison (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auswärts schwach, die Playoffs in Gefahr, und die Mannschaft hat ihre Identität immer noch nicht gefunden - den Basketballern des FCB stehen schwierige Zeiten ins Haus.

Desaströse Auswärtsbilanz

In bisher elf Auswärtsspielen ging das Team von Coach Dirk Bauermann in der Beko BBL zehn Mal mit hängenden Köpfen vom Parkett.

Gegen den Tabellen-Fünfzehnten Phoenix Hagen ist ein Sieg daher Pflicht, um im Playoff-Rennen zu bleiben.

Derzeit liegen die Münchner mit einem Sieg Vorsprung vor den Phantoms Braunschweig auf Platz acht. Die Phantoms haben allerdings eine Partie weniger absolviert.

Vor dem Auswärtsspiel nennt Bauermann im Gespräch mit SPORT1 die Gründe für die turbulente Spielzeit, bleibt aber weiterhin optimistisch.

SPORT1: Herr Bauermann, es geht nach Hagen. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Dirk Bauermann: Die Atmosphäre in der Mannschaft ist hervorragend, die Moral ebenfalls. Die Arbeit im Training hat hohe Qualität. Aber natürlich laufen wir nach der Niederlage in Frankfurt nicht mit einem Dauerlächeln durch den Tag. Die Stimmung ist so, wie sie bei einer Spitzenmannschaft sein muss. Ein bisschen sauer auf sich selbst, aber gleichzeitig kann das Team es kaum abwarten, es wieder gutzumachen.

[kaltura id="0_jz03gf7d" class="full_size" title=""Pesic ist die ideale Lösung""]

SPORT1: Das Hauptproblem scheint der hohe Auswärtsdruck zu sein. Nach Frankfurt sprachen Sie darüber, eventuell einen Mentaltrainer hinzuzuziehen. Haben Sie in dieser Richtung etwas unternommen?

Bauermann: Zunächst einmal wurde ich von der Presse gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit wäre. Das habe ich bejaht. Wir spielen ja nicht drei Spiele in Folge schlecht, haben eine Niederlagenserie oder so. Zu Hause spielen wir sehr gut, aber auswärts haben wir große Probleme. Daran sieht man, und das hatte ich in solch einer Ausprägung noch nie in meiner kompletten Karriere, dass auswärts eine mentale Blockade existiert.

SPORT1: Wie kann es zu einer solchen Blockade kommen?

Bauermann: Bei einem Bayern-Spiel ist quasi immer der Zirkus in der Stadt. Jeder will die Bayern sehen, und jeder will uns schlagen. Die Stimmung ist immer am Anschlag, vor und während dem Spiel. Damit muss man erst einmal klarkommen.

SPORT1: Aber das allein dürfte doch nicht für die eklatante Schwäche verantwortlich sein.

Bauermann: Der andere Punkt sind die zum Teil grotesken Spielverläufe. Diese Kombination aus Druck und seltsamen Spielen trifft nun auf ein Team, welches eben noch nicht die Stabilität einer Mannschaft wie Bamberg hat. Und dennoch schaffen wir es immer wieder, gute Spiele zu zeigen und unter Druck Punkte zu holen. Und dann schauen wir mal, was jetzt in Hagen wird.

SPORT1: Ihre Mannschaften zeichneten sich in der Vergangenheit immer durch ein starkes Teamplay und eine große Geschlossenheit aus. Beim jetzigen Team reicht ein Rückschlag während des Spiels und das Team bricht auseinander. Woran liegt das?

Bauermann: Mit der emotionalen Stabilität haben wir ohne Frage ein Problem. Das hängt auch damit zusammen, dass sich dieses Team nicht in Ruhe entwickeln konnte. In der Saisonvorbereitung war ich noch bei der Europameisterschaft in Litauen, die Nationalspieler ebenfalls. Ford und Boumtje-Boumtje haben das Team verlassen, Robin (Benzing, d. Red.) war verletzt. Es war ein ständiger Findungsprozess. Das konnte mit all dem Druck nicht gut gehen. So konnte die gewohnte Stabilität nicht zustande kommen.

SPORT1: Was fehlt noch, um diese Stabilität zu erreichen?

Bauermann: Was mir persönlich sehr wichtig ist, ist eine mannschaftliche Identität, dass jeder Spieler seine Rolle im Team kennt. Das haben wir noch nicht verinnerlicht und können es nicht zu jedem Zeitpunkt abrufen. Ich weiß, es ist schon fast März, aber ich kann leider nicht zaubern.

SPORT1: Dirk Nowitzki lobt Sie als einen der besten Motivatoren. Beim Bayern scheinen die Worte manchmal zu verhallen. Erreichen Sie die Mannschaft noch?

Bauermann: Wenn die Worte verhallen würden, dann könnten wir zu Hause nicht diese Ergebnisse produzieren. Am besten zeigt sich das an der Kombination der Partien gegen Trier und Ulm. Nach einer bitteren Auswärtsniederlage haben wir kurz danach den Zweiten geschlagen. Die Worte fallen also noch auf fruchtbaren Boden. Manchmal helfen aber während eines Spiels, wenn sich innerhalb von wenigen Minuten eine Situation radikal ändert, nur eine gewisse emotionale und eine systemische Stabilität um Rückschläge wegzustecken.

SPORT1: Letzte Frage: Svetislav Pesic ist gerade zum neuen Nationaltrainer des deutschen Basketballteams ernannt worden. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Bauermann: Ich finde es großartig, dass solch ein renommierter Trainer für das Amt gefunden wurde. Aufgrund der Problematik mit der Liga, war es fast unmöglich einen deutschen Trainer mit Potenzial für dieses Amt zu finden, da so ziemlich alle als Ligatrainer tätig sind. Svetislav hat in seiner ganzen Karriere bewiesen, dass er gerne und gut mit jungen Spielern arbeitet, genau das brauchen wir jetzt.

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