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Chevon Troutman (l.) ist mit 6,4 Rebounds pro Spiel siebtbester Rebounder der BBL © imago

Bayern beendet den Auswärtsfluch und rückt den Playoffs näher. Ein junger Nationalspieler überzeugt, einer macht noch Sorgen.

Von Florian Pertsch

München - Für gewöhnlich fallen erleichterten Menschen Steine vom Herzen, im Falle von Trainer Dirk Bauermann war es doch ein mittlerer Berg.

Der erfahrene Coach wählte bei der Pressekonferenz in Hagen bewusst diese Übertreibung, wartete sein Team doch seit Mitte Oktober auf einen Auswärtssieg.

Mehr als vier Monate Enttäuschung in fremder Halle endeten mit dem 82:72 gegen Phoenix Hagen (BERICHT: Bayern fällt "mittlerer Berg" vom Herzen).

Dank des zweiten Auswärtssieges in dieser Saison rücken die Bayern auf den siebten Platz der Beko BBL vor. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nicht schön, aber entschlossen

"Das war mit Sicherheit ein Sieg, der nicht übertrieben schön war, aber es war ein Sieg der Entschlossenheit und eines großen kollektiven Willens", sagt Bauermann.

Den größten Willen zeigte an diesem Abend Power Forward Chevon Troutman, der in den letzten sechs Auswärtspartien nicht so recht zum Zug kam. Nur 6,3 Punkte im Schnitt landeten auf dem Konto, statt wie in der bisherigen Spielzeit 12,1.

Die Problematik hatte der Trainer bereits vor dem Hagen-Spiel erkannt.

Bei SPORT1 zeigte er sich zuversichtlich, die Situation auch weiterhin im Griff zu haben.

Müssen Chevy stärker einbinden

"Mit Jared (Homan, Anm. d. Red.) haben wir einen relativ dominanten Spieler, aber es muss uns konsequent gelingen, Chevy stärker ins Spiel einzubinden. Sie harmonieren zusammen immer besser."

Von einer Lösung, beide nicht zusammen einzusetzen, hält Bauermann nichts: "Sie gehören gerade auch zusammen auf das Feld."

Dass beide den Plan des Trainers erfüllen können zeigten sie in Hagen - Troutman blühte auf, kam auf 19 Punkte und 8 Rebounds und Homan legte mit 13 Punkten und 5 Rebounds ebenfalls ordentliche Statistiken hin (STENOGRAMME: Der 24. Spieltag).

Die beiden Türme unter dem Korb waren für Bauermann aber nur ein Faktor zum Sieg.

[kaltura id="0_f250y15h" class="full_size" title="Video Highlights Hagen Bayern"]

Ganz entgegen der Gewohnheit nach einem Sieg des Kollektivs, hob er einen Spieler aber besonders hervor: Robin Benzing.

Benzing überzeugt in Hälfte zwei

"Robin hat sich in der ersten Hälfte sehr schwer getan. Dennis Wucherer hat dann ein paar Worte mit ihm gewechselt, und die zweite Halbzeit war viel besser. Es freut einen, dass die jungen deutschen Nationalspieler in so einer Situation wachsen", lobte der Trainer den Ex-Ulmer.

Trotz Benzings starker Leistung gibt Bauermann den jungen deutschen Nationalspielern etwas mehr Zeit.

"Natürlich müssen wir diese Saison erfolgreich sein, aber gerade bei den deutschen Spielern haben wir auch an die nächste Spielzeit gedacht, wenn wir sechs Deutsche im Kader brauchen", erklärte er bei SPORT1.

"Jetzt hatten wir eben eine kleine Durststrecke, da müssen die Jungs durch, solche 'Wachstumsschmerzen' kommen vor", fügt er weiter an.

Schwethelm kommt noch nicht in Tritt

Im Falle von Benzing scheinen die "Wachstumsschmerzen" vorerst gelindert, bleibt noch der "Patient" Philipp Schwethelm.

Gegen Hagen sah der ehemalige Bremerhavener Guard keine Sekunde Spielzeit, eine Tatsache die SPORT1-Kolumnist Stephan Baeck sehr betrüblich findet.

"Philipp steckt momentan in einer schwierigen Phase und ist nicht in der Lage der Mannschaft zu helfen. Er ist trotz seines jungen Alters erfahren genug, um sich auch jetzt wieder freizuspielen. Momentan herrscht aber das Problem, dass Je'kel Foster auch ein Verletzter zurück, dem Bauermann momentan wie auch Demond Greene mehr Spielzeit gibt."

Doch auch der Situation Schwethelms begegnet Bauermann mit seinem unerschütterlichen Optimismus.

"Wir sind trotz des nicht einfachen Saisonverlaufs sehr zufrieden und werden an ihm noch viel Freude haben", stärkt er dem 22-Jährigen den Rücken.

Playoff-Sorgen nicht verschwunden

Die Liste der Baustellen bei Bayern ist nach dem Erfolg deutlich kürzer geworden, zumindest vorerst.

Denn letztlich wird der Erfolg eben zum größten Teil daran gemessen, ob der Aufsteiger in die Playoffs kommt oder nicht.

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht benötigt Bayern München aber ziemlich sicher noch den ein oder anderen Auswärtssieg mehr.

Es wird sich zeigen, ob der mittlere Berg der einzige Felsen war, der den Basketballern auf dem Herzen lag, oder ob noch ein wenig Geröll übrig geblieben ist.

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