NBA? "Ich will erst ein besserer Spieler werden"
Von Sven Simon
Köln - Tibor Pleiß wird entgegen vieler Annahmen in der kommenden Saison nicht im Trikot der Oklahoma City Thunder spielen. Den 2,15 Meter großen Center von Meister Bamberg zieht es stattdessen in die spanische Liga zu Caja Laboral ( Bericht), mit denen er schon bald auf sein Ex-Team in der Euroleague treffen könnte.
Beim spanischen Meister hat Pleiß einen Vertrag über vier Jahre unterschrieben, doch die Thunder können via Ausstiegsklausel ihn jederzeit in die NBA holen.
Das Ziel NBA bleibt bestehen
Im Gespräch mit der Beko BBL ( www.beko-bbl.de) gibt sich Pleiß, der mit Bamberg dreimal in Serie das Double gewann, optimistisch, was ein späteres Engagement in der Elite-Liga betrifft. Der Schritt nach Spanien soll ihm dabei als Sprungbrett dienen.
Frage: Sie haben für vier Jahre in Spanien unterschrieben. Vitoria statt Thunder. Wie kam es dazu?
Tibor Pleiß: Ich habe mir sehr viele Gedanken darum gemacht und alle Punkte gegenüber gestellt. Ich habe auch mit meiner Familie und mit den Leuten, die mir wichtig sind, gesprochen. Danach bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es für meine Entwicklung am besten ist, wenn ich jetzt noch für ein paar Jahre nach Spanien gehe, in die beste Liga Europas. Dort will ich mich weiter verbessern und den nächsten Schritt machen. Das Ziel, in der NBA zu spielen, bleibt bestehen. Da möchte ich immer noch spielen. Aber ich will erst ein besserer Spieler werden.
Frage: Ihr Bamberger Teamkollege Casey Jacobsen hat dort bereits gespielt. Haben Sie schon mal mit ihm darüber gesprochen?
Pleiß: Natürlich, er war eine meiner Vertrauenspersonen. Casey war in den letzten Jahren sowas ein zweiter Vater. Er hat gesagt, dass es sehr hart ist. Dort ist Coach Dusko Ivanovic, der stets hundert Prozent verlangt, aber auch hundert Prozent gibt. Ich werde natürlich mein Bestes geben.
Frage: Milko Bjielica, mit dem Sie in Köln gespielt haben, spielt auch dort. Haben Sie mit ihm Kontakt gehabt?
Pleiß: Nein, noch nicht. Aber ich stehe mit Zoran Kukic (ehemaliger Spieler und Headcoach in Köln, Anm.d.Red.) sehr eng in Kontakt . Er hat jetzt um ein Jahr verlängert. Er fühlt sich sehr wohl, die Stadt ist schön und die Leute angenehm. Die Organisation ist sehr gut.
Frage: Sie haben Dusko Ivanovic angesprochen. Ein sehr rauer Trainer.
Pleiß: Kukic sagte mir, dass er mich in seinem Team haben möchte und dass ich gut hinein passe. Er sieht mich als einen der talentiertesten Center in Europa.
Frage: Sie hatten in Köln bereits serbische Trainer. Sind Sie gut vorbereitet?
Pleiß: Auf jeden Fall. An die serbische alte Schule bin ich gewöhnt. Mit gewissen Ausdrücken werde ich leben können (lacht).
Frage: Demnächst findet die Auslosung der Euroleague statt. Möchten Sie Bamberg in ihrer Gruppe haben?
Pleiß: Chris Fleming (Trainer von Bamberg, Anm.d.Red.) hat mir gesagt, dass er meine Entscheidung respektiert. Aber er möchte nicht mit mir in einer Gruppe sein (lacht). Auf der einen Seite wäre es natürlich schön, denn das Gefühl, in der Frankenhölle zu spielen, ist Gänsehaut pur. Aber auf der anderen Seite wär es vielleicht besser, nicht gegen sie zu spielen.
Frage: Viele namhafte deutsche Spieler waren jahrelang am College. Sie hingegen haben drei Jahre in Köln und drei Jahre in Bamberg gespielt, ein echtes Kind der Bundesliga. Gibt es Leute, denen Sie besonders dankbar sind auf Ihrem Werdegang?
Pleiß: Da gibt es einige. Natürlich Sasa Obradovic. Wenn ich nicht seine harte Schule mitgemacht hätte, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Aber eigentlich muss ich allen Trainern danken, die mich begleitet haben. Besonders Fleming und Dirk Bauermann, der mir in der Nationalmannschaft das Vertrauen geschenkt hat.
Frage: Wie schätzen Sie die letzten Jahre ein, die voller Erfolge gekrönt waren? Haben Sie das schon realisiert?
Pleiß: Ich habe es so nicht erwartet. Ich bin nach Bamberg gekommen und habe gehofft, dass ich fünf bis zehn Minuten bekomme. Aber ich habe mich dann durchgesetzt und wir haben in Bamberg Geschichte geschrieben. Es ist perfekt gelaufen und es waren wundervolle drei Jahre.
Frage: Sie fahren somit nicht nach Oklahoma City, um dort für die Thunder in der Summerleague zu spielen. Wie sieht der Fahrplan jetzt aus?
Pleiß: Jetzt steht erstmal die Nationalmannschaft im Vordergrund. Wir haben mit Svetislav Pesic einen Weltklasse-Coach, der mir hoffentlich auch viel Vertrauen entgegenbringen wird. Ich habe ihn vor Kurzem zum ersten Mal persönlich kennengelernt.
Frage: Pesic sagte, was den jungen Spielern fehle, sei die Geduld. Er meinte, Sie sollen noch in Europa bleiben. Jetzt ist es so gekommen.
Pleiß: Ich versuche, in kleinen Schritten nach vorne zu kommen. Ich bin schließlich damals nicht von Köln aus nach Spanien gegangen, obwohl ich einige Angebote hatte. Und der Zwischenschritt, nach Bamberg zu gehen, war auch richtig.