Erster Angriff pariert, aber Bamberg weiter gefordert
Von Marc-Oliver Robbers
und Rainer Nachtwey
München - Bambergs Meistertrainer Chris Fleming ahnte es bereits in der Stunde des größten Triumphes.
Während die ganze Stadt das dritte Double in Folge ausgelassen feierte, blickte der 42-Jährige bei SPORT1 schon auf die kommende Saison voraus: "Die Karten werden neu gemischt, wir fangen wieder bei Null an."
Doch, dass die Bamberger diese Aussage fast wörtlich nehmen können, war Fleming da sicher nicht bewusst. Gleich fünf Meistermacher verlassen "Freak City".
Gavel entscheidet sich für Bamberg
Immerhin gab es am Sonntag Positives aus Franken zu vermelden: Anton Gavel bleibt dem Triple-Doublesieger erhalten. ( NEWS: Gavel verlängert in Bamberg)
"Wir sind sehr froh, dass wir Anton halten konnten. Er war das Herzstück unserer Mannschaft und wird es auch in den nächsten zwei Jahren wieder sein", sagt Bambergs Manager Wolfgang Heyder der "SZ". "Wir haben einen wertvollen Mosaikstein in der Zusammenstellung unserer Mannschaft gesetzt."
Damit wehren die Bamberger auch einen Abwerbeversuch von Konkurrent Bayern München ab, der den Combo-Guard gerne verpflichtet hätte.
Aderlass in "Freak City"
Dennoch ist die Dominanz der Brose Baskets gefährdet. Topscorer PJ Tucker zieht es nach Russland zu Spartak St. Petersburg, Deutschlands Center-Zukunft Tibor Pleiß unterschrieb für vier Jahre beim spanischen Spitzenklub Caja Laboral und hofft weiterhin auf ein Engagement in der NBA.
Power Forward Marcus Slaughter wechselt zu Real Madrid. An einer Weiterverpflichtung von Ex-MVP Julius Jenkins und Forward Predrag Suput zeigten die Franken kein gesteigertes Interesse.
"Wir haben die Ausstiegsoption in unserem Vertrag mit Julius gezogen, um uns die Verpflichtung eines Euroleague-tauglichen Aufbauspielers offen lassen zu können", erklärt Manager Heyer.
Jenkins spielt künftig beim Konkurrenten EWE Baskets Oldenburg ( BERICHT: Aufgepeppte Donnervögel jagen die Big Bs).
Roberts liebäugelt mit Abgang
Zu allem Überfluss kokettiert Aufbauspieler Brian Roberts mit einem Wechsel.
Der Aufbauspieler hofft auf ein Angebot aus der NBA, die Bamberger würden ihm eine Ausstiegsklausel für ebendiese in den Vertrag einbauen, aber der Amerikaner zögert. "Darüber sind wir nicht gerade happy", kommentierte Heyder die Hinhaltetaktik.
Von der 2012er-Meistertruppe stehen mit Kapitän Casey Jacobsen, Karsten Tadda und Gavel lediglich drei Fixgrößen noch im Kader.
Goldsberry macht auf Rocky
Auch die Zukunft von John Goldsberry ist noch nicht geklärt. Der Point Guard, der die vergangene Saison aufgrund eines Knorpelschadens verpasste, soll in Bamberg verlängern, wenn er gesund ist.
Zum Ende der Saison stieg er wieder ins Training ein und hinterließ einen guten Eindruck.
"Aber man muss bedenken, dass er ein Jahr lang nicht gespielt hat. John kommt Mitte Juli noch einmal nach Bamberg, um sich von A bis Z checken zu lassen. Danach werden wir entscheiden, ob er bei uns einen Vertrag für die kommende Saison erhält", sagt Heyder.
Einen weit positiveren Eindruck hat Coach Fleming.
"Im Training hat er sich super präsentiert. Sein Knie sieht auch auf der Kernspin-Tomographie sehr gesund aus. Jetzt geht es darum, John in einen spielfähigen Zustand zu bringen. Aber wer ihn kennt, der weiß, dass jede Trainingseinheit bei ihm wie ein Rocky-Film ausschaut", sagt Fleming in der "Abendzeitung".
Zu wenig deutsche Spieler
Weiterhin Sorgen bereitet den Bambergern die 6+6-Regel. Inklusive des bisher einzigen Neuzugangs Maik Zirbes (TBB Trier) haben die Brose-Baskets derzeit nur vier Deutsche unter Vertrag, die in der vergangenen Saison überhaupt Minuten in der Beko BBL absolviert haben.
Von denen dürfte allerdings neben Zirbes nur Nationalspieler Tadda eine größere Rolle in der Rotation spielen. Mit Gavels Einbürgerung - der Slowake soll im Januar einen deutschen Pass erhalten - wären es fünf.
Deutsche Spieler, die den gehobenen Ansprüchen eines Spitzenklubs wie Bamberg genügen, sind rar und stehen zum Großteil schon bei der Konkurrenz unter Vertrag. Ein Problem, das die Scoutingabteilung der Franken sicher noch beschäftigen wird.
Mit der Vertragsverlängerung von Gavel haben die Franken den ersten Angriff der Konkurrenz zwar pariert, es werden aber weitere folgen.