Amis statt DBB-Riesen: Bayern gegen den Quotentrend
Von Eric Böhm
München - Der FC Bayern München hat sich einen Plan zurechtgelegt, der die Ausländerbeschränkung der Beko BBL nahezu ad absurdum führt.
Während Ligakontrahenten händeringend nach deutschen Spielern fahnden, um die nun vorgeschriebenen sechs Plätze auf dem Spielbericht füllen zu können, schickt der FCB Nationalspieler weg.
Stattdessen wird mit den Talenten Bogdan Radosavljevic und Mauricio Marin (kam von ALBA Berlin) aufgefüllt, die in wichtigen Spielen wohl kaum zu nennenswerten Minuten kommen werden.
"Das ist Teil eines langfristigen Konzepts. Wir sind überzeugt, dass wir auf lange Sicht profitieren werden", erklärt Sportdirektor Marko Pesic bei der "tz" die Abgänge von Philipp Schwethelm und Bastian Doreth.
Entwicklung oder Abschiebung?
Während die Entscheidung, Doreth durch ein Leihgeschäft Spielpraxis in Trier zu ermöglichen, noch nachvollziehbar ist, riecht Schwethelms Wechsel nach Ulm eher nach Ausmusterung.
Nach einem ordentlichen Start verschwand der EM-Teilnehmer von 2011 im Saisonverlauf völlig von der Bildfläche. In den Playoffs spielte er - im Gegensatz zu Doreth - überhaupt keine Rolle.
"Philipp soll im nächsten Jahr beim deutschen Vize-Meister Ulm den nächsten Karriereschnitt machen", sagt Pesic.
6+4 statt 6+6
Zweifel sind erlaubt, schließlich konnte sich der 23-Jährige in einer Mannschaft nicht durchsetzen, die nicht über das Viertelfinale hinauskam.
Ersetzt werden die beiden Deutschen nicht. Zu Coach Dirk Bauermanns Rotation werden also nur die DBB-Routiniers Veteranen Steffen Hamann, Demond Greene, Jan-Hendrik Jagla und Robin Benzing gehören.
Die Regelung, die einheimischen Talenten dringend benötigte Einsatzzeit verschaffen sollte, verspricht also kaum Verbesserungen - abgesehen von höheren Gehältern für Leistungsträger mit deutschem Pass.
Roberts ergänzt Türme
Die finanzkräftigen Münchner bedienen sich lieber wieder auf dem reichhaltigen internationalen Markt.
Lawrence Roberts kommt mit der Empfehlung von 87 NBA-Spielen im Trikot der Memphis Grizzlies von Litauens Spitzenklub Lietuvos Rytas ( NEWS: Bayern holen Forward Roberts).
Mit dem Power Forward, Chevon Troutman und Jared Homan - beide verlängerten ihre Verträge - steht ein exzellenter Frontcourt zur Verfügung.
"Ich kenne ihn schon länger. Er ist genau das Mosaiksteinchen unter den Körben, das uns gefehlt hat", betont Pesic.
Kaum Chancen für Marin
Zum Spielen wird Nachwuchs-Center Radosavljevic da nur schwer kommen, obwohl er 2011 immerhin zum europäischen All-Star Game der Unter-18-Jährigen teilnahm. Ähnlich sieht es für Marin aus.
Der 18-jährige Shooting Guard bringt sehr gute Voraussetzungen mit. Bei seiner Verpflichtung wurde aber umgehend betont, er sei auch für die zweite Mannschaft in der Regionalliga spielberechtigt.
"Ich freue mich sehr auf die bevorstehenden Jahre beim FC Bayern und auf die Zusammenarbeit mit Dirk Bauermann", lässt sich Marin nicht abschrecken.
Ohne Schwethelm, Doreth und Jonathan Wallace - der Publikumsliebling erhielt keinen neuen Kontrakt - wäre im Aufbau eigentlich Platz, aber dort soll noch nachgebessert werden.
Rice zurück in die BBL?
Fast schon naturgemäß wird ein Amerikaner als heißer Kandidat gehandelt. Tyrese Rice, der schon für die Artland Dragons in der BBL spielte, ist offenbar der Wunschspieler ( BERICHT: Aufgepeppte Donnervögel jagen die Big Bs).
Der dynamische Spielmacher stand in der abgelaufenen Saison gemeinsam mit Roberts in Litauen auf dem Court und soll sich mit Kapitän Hamann den Aufbau teilen.
Außerdem wird noch ein Combo-Guard gesucht. Beide Planstellen könnten in den nächsten Wochen besetzt werden.
"Die Erfahrung zeigt, dass man nur mit einer gewissen Stabilität im Kader kontinuierlich Erfolge haben kann", meint Pesic - zumindest für die deutschen Talente scheint das nur bedingt zu gelten.