Mit neuen Krachern: Bayern greift nach dem Titel
Von Florian Pertsch
München - Die Fußballer des FC Bayern München blieben vergangene Saison ohne Titel, die Basketballer auch.
Einziger Unterschied, den Basketballern wurde das Viertelfinal-Aus in den Playoffs gegen die Artland Dragons zumindest nachgesehen, enttäuscht waren aber dennoch alle Verantwortlichen.
Dementsprechend klar formulierte Präsident Uli Hoeneß bei der Saisoneröffnung die Zielsetzung für die kommende Spielzeit in der Beko BBL: "Wir wollen um die Meisterschaft mitspielen. Das heißt, der Titel kann passieren, er muss aber nicht."
Schlagkräftige Truppe für Trainer Bauermann
Dass er sich mit einem zweiten Platz aber ungern zufrieden gibt, ließ er direkt danach durchblicken: "Wir haben unsere Ziele formuliert, es macht jetzt keinen Sinn rumzueiern. Mit der Fußballmannschaft wissen wir, was es heißt, Zweiter zu werden. Das ist nicht angenehm. So weit wollen wir es nicht kommen lassen."
Und damit es eben nicht soweit kommt, war der Verein bereit, Trainer Dirk Bauermann eine schlagkräftige Truppe zu ermöglichen.
Manager Marko Pesic und Bauermann bekamen einen leeren Zettel, auf dem sie ihre Wunschspieler notieren durften, und hinter jedem dieser Namen konnte am Ende ein Haken gesetzt werden.
Trio mit internationaler Erfahrung
Yotam Halperin, israelischer Nationalspieler aus St. Petersburg, sowie Lawrence Roberts und Tyrese Rice (beide von Lietuvos Rytas) fanden so ihren Weg nach München und sollen das Projekt Meisterschaft bereits nach drei und nicht nach den ursprünglich geplanten fünf Spielzeiten möglich machen.
Die Verpflichtungen begründete Trainer Bauermann mit drei Argumenten: "Wir wollten das Team variabler, schneller und athletischer machen. Die Kaderzusammenstellung hat zusammen mit Marko viel Spaß gemacht."
Fristlose Kündigung für Foster
Doch es war nicht alles eitel Sonnenschein, denn mit Je'Kel Foster wurde einem Leistungsträger der vergangenen Saison fristlos gekündigt ( BERICHT: Foster abgetauscht). Der Guard kehrte ohne Begründung nicht aus dem US-Urlaub zurück und ist für die Münchner nicht mehr zu erreichen.
Die Verwirrung über das Geschäftsgebaren Fosters war Bauermann sichtlich anzumerken, doch beim Thema Neuzugänge geriet er schnell wieder ins Schwärmen.
"Tyrese ist ein Jet auf dem Feld und besitzt Bundesligaerfahrung (Artland Dragons, Anm. d. Red). Lawrence ist sehr athletisch und sprungstark und ich glaube, es hat selten einen Spieler mit der Qualität eines Halperin in Deutschland gegeben. Er ist sensationell in seinem Entscheidungsverhalten - einer der besten Zweier die es in Europa gibt", lobte der ehemalige Bundestrainer sein Trio.
Beim Blick auf die Liga für Bauermann eine logische Konsequenz, denn die Konkurrenz aus Bamberg und Ulm schläft nicht.
Bamberg rüstet auf
"Bamberg hat sicher einen Aderlass zu verzeichnen, aber mit ihrem Budget werden sie adäquaten Ersatz finden. Mit Bostjan Nachbar ( News) haben sie gerade einen ehemaligen NBA-Spieler verpflichtet", warnte der Bayern-Headcoach.
Auch Vizemeister Ulm fand adäquaten Ersatz für den abgewanderten Isaiah Swann. Allan Ray verstärkt die Spatzen und kann 47 Einsätze für die Boston Celtics (6,5 Punkte im Schnitt) vorweisen ( News).
In Zusammenhang mit dem Thema Ulm erklärte Bauermann auch den Verzicht auf das internationale Geschäft: "Die Überlegung war volle Konzentration auf Liga und Pokal. So toll die Spiele sind, sie sind auch eine Belastung. Ulm hat in der vergangenen Saison stark davon profitiert, dass sie nicht international gespielt haben."
Bauermann beruhigt Uli Hoeneß
Einen kompletten Verzicht auf große europäische Gegner bedeutet dies aber nicht. Die Münchner testen gegen ZSKA Moskau und Besiktas Istanbul bzw. Zalgiris Kaunas (Beko Leagues Cup) sowie Panathinaikos Athen.
"Diesmal wird das Team nicht mehr fünf Monate brauchen, um sich zu finden", versicherte Bauermann und versuchte so, Uli Hoeneß zu beruhigen, der in seiner Ansprache darum bat, ihm das "Nervenflattern um die Weihnachtszeit zu ersparen".
Der Grundstein für eine erfolgreiche Saison soll vom 20. bis 26. August im Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen gelegt werden.
"Wir freuen uns sehr auf Garmisch. Ich mich wahrscheinlich mehr, als die Mannschaft", erklärte Bauermann mit verschmitztem Grinsen.