Bayerns Neue: "Keine Lust auf Platz 2"
Von Florian Pertsch
München - Die Liga rüstet auf.
Bamberg, Oldenburg und Berlin, die renommierten Klubs der Liga, holen einen namhaften Spieler nach dem anderen.
Auch Vizemeister Ulm scheint den Abgang von Isaiah Swann mit Ex-NBA-Spieler Allan Ray adäquat ersetzt zu haben.
Da kann der neue Titelaspirant Bayern München natürlich nicht untätig bleiben und greift auf dem Spielermarkt selbst ordentlich zu (Bericht: Bayern greift nach dem Titel).
Die US-Amerikaner Tyrese Rice und Lawrence Roberts von Lietuvos Rytas, Yotam Halperin aus St. Petersburg und Brandon Thomas (News) vom Ligakonkurrenten Artland Dragons wurden geholt, um die Liga das Fürchten zu lehren.
Vor dem Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen sprach das Duo Rice/Roberts im SPORT1-Doppelinterview über den Druck als Titelkandidat, den neuen Teamkollegen Yotam Halperin und die Stärke der Beko BBL.
SPORT1: Herr Rice, Herr Roberts, wie ist Ihr erster Eindruck von München?
Tyrese Rice: Es gefällt mir sehr gut hier, ich habe sogar schon ein bisschen was von der Stadt sehen können.
Lawrence Roberts: München ist sehr grün, es ist eine sehr schöne Stadt zum Leben. Ich habe ja schon ein paar Mal in Deutschland gespielt, und ich fand es immer sehr angenehm hier.
SPORT1: Sie haben beide zusammen bei Lietuvos Rytas in Litauen gespielt. Wie schätzen Sie die Beko BBL im Vergleich zur litauischen Liga ein?
Roberts: In Litauen gibt es zwei, drei Top-Teams, aber dann sinkt das Niveau doch merklich ab. Ich glaube also, dass die Liga in Deutschland etwas stärker ist, und freue mich auf diese Herausforderung.
Rice: Ich habe ja bereits vor zwei Jahren in der Bundesliga gespielt, und ich muss sagen, die Liga wird immer stärker und ist momentan unter den vier stärksten Ligen in Europa.
SPORT1: Herr Rice, bei Artland waren Sie in der Saison 2010/11 mit 17,2 Punkten im Schnitt der zweitbeste Scorer der Liga. Glauben Sie, dass Sie bei Bayern daran anknüpfen können?
Rice: Mit der Vielzahl an offensiven Optionen im Team wird das wahrscheinlich nicht möglich sein, jeder kann bei uns punkten. Aber das ist nicht schlimm, dann liefere ich eben wieder mehr Assists ab.
SPORT1: Wie würden Sie Ihre Rollen im Team definieren?
Roberts: Die Rollen wurden noch nicht wirklich verteilt, dafür war noch keine Zeit. Ich kann jedoch garantieren, dass ich immer hart und mit maximalem Einsatz spiele. Mir ist es egal, ob ich dem Team durch Punkte oder etwas anderes zum Erfolg verhelfen kann, Hauptsache wir gewinnen. Wenn du verlierst, interessiert es niemanden, ob du 30 Punkte gemacht hast.
Rice: Mir geht es in erster Linie darum, Spaß zu haben und Spiele zu gewinnen. Ich freue mich zum Beispiel auf das Pick and Roll mit Chevon Troutman. Dann noch Yotam Halperin, er kann so wahnsinnig viel mit dem Ball. Das macht es mir auf dem Feld sehr einfach.
SPORT1: Halperin spielte vergangene Saison bei St. Petersburg und war somit auch Ihr Gegner. Was ist er für ein Typ Spieler?
Rice: Wir haben bestimmt fünf Mal gegeneinander gespielt und das war kein Spaß. Seine Übersicht auf dem Feld ist sagenhaft. Nach einem Pick and Roll hat er alles im Blick und trifft fast immer die richtige Entscheidung. Hinzu kommt, dass er auch einen starken Distanzwurf besitzt und für einen Guard ziemlich groß ist. Es ist wirklich knallhart, gegen ihn zu spielen.
SPORT1: Sie spielten gegen Halperin und mit Roberts, was macht Ihren alten und neuen Kollegen aus?
Rice: Lawrence gibt immer alles und macht eben auch die kleinen Dinge abseits des Balles, die in keiner Statistik auftauchen. Deswegen hatten auch so viele Vereine Interesse, ihn zu verpflichten.
SPORT1: Hatten Sie auch andere Angebote?
Rice: Ja, da gab es ein paar Klubs, aber um ehrlich zu sein, habe ich nach dem Bayern-Angebot nicht mehr groß überlegt. München hat sich von Anfang an sehr bemüht und war so die erste Option.
SPORT1: Herr Roberts, mit Chevon Troutman, Jared Homan und Jan-Hendrick Jagla ist die Dichte auf den großen Positionen sehr hoch. Trauen Sie sich die Starting Five zu?
Roberts: Egal wo ich gespielt habe, ich habe immer meine Minuten bekommen. Die Rolle als Starter war mir dabei nie wichtig. Wenn ich hart arbeite, kommt der Rest von ganz alleine.
SPORT1: Die Ansage von Präsident Uli Hoeneß und Trainer Dirk Bauermann waren recht deutlich. Glauben Sie, dass die Meisterschaft mit diesem Team realistisch ist?
Roberts: Klar sind das hohe Erwartungen, aber genau dafür wurden wir geholt. Ich habe keine Lust auf den zweiten Platz. Es gibt nichts Schöneres, als einen Titel zu gewinnen, und mit diesem Team ist das auf jeden Fall möglich.
SPORT1: Hoeneß sprach auch davon, dass er zur Weihnachtszeit nicht wieder wegen Leistungsschwankungen zittern möchte. Dazu die Zielsetzung Meisterschaft, spüren Sie den Druck jetzt schon?
Rice: Sagen wir es so: Ich bin hier, um Erfolg zu haben und natürlich habe ich Druck erwartet - in jeder Phase der Saison. Die Fußball-Mannschaft des Vereins war mir natürlich ein Begriff und darum wusste ich auch, wer Uli Hoeneß ist. Als ich für Artland spielte, startete Bayern in die ProA-Saison und schon da hat man gesehen, dass es dieser Klub ernst meint.