Halperin sicher: "Bayern wird Meister"
Von Raphael Weber
München - Er ist der neue Star bei den Basketballern des FC Bayern München. Er hat die größte Euroleague-Erfahrung im Team. Und er hat in München Großes vor: Yotam Halperin.
Als 53. Pick wurde der vielseitige Guard 2006 von den Seattle Super Sonics gedraftet.
Nicht nur große internationale Erfahrung, sondern auch Leader-Qualitäten bringt der 28-Jährige nach München mit. Als Kapitän der israelischen Nationalmannschaft weiß er, wie man eine Mannschaft führt.
Doch für den Israeli setzte es vor dem Beko BBL-Auftakt gegen Oldenburg (Mi., ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) erst einmal einen Schock, als Trainer Dirk Bauermann entlassen wurde.
Im Interview mit SPORT1 spricht Yotam Halperin über die Bauermanns Entlassung, seinen Wechsel nach München, seine Ambitionen, das Ansehen des FC Bayern und Uli Hoeneß.
SPORT1: Herr Halperin, was war Ihr erster Gedanke, nachdem Sie vom Angebot der Bayern erfuhren und gehört haben, dass der damalige Trainer Dirk Bauermann mit Ihnen sprechen will?
Yotam Halperin: Ich war begeistert. Ich hatte vorher schon viel von diesem Klub gehört, und schon nach ein paar Tagen hier kann sich sagen, dass das hier eine der besten Organisationen für einen Basketballer ist. Ich war schon bei vielen Klubs, ob Maccabi Tel Aviv oder Olympiakos Piräus, aber es ist ein Traum, bei Bayern zu spielen. Hier haben wir alle Voraussetzungen, um professionell zu arbeiten, uns auf Basketball zu konzentrieren und als Spieler und Team besser zu werden. Das ist perfekt für mich, und ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Bayern München immer stärker werden wird.
SPORT1: Aber hat die Entlassung von Coach Bauermann die ganze Situation nicht verändert?
Halperin: Natürlich ist es auch für mich keine normale Situation. Als professioneller Spieler muss und kann ich jedoch damit umgehen. Mein Job ist es, Basketball zu spielen und darauf bin ich fokussiert.
SPORT1: Wie sehr beeinträchtigt der plötzliche Trainerwechsel die Vorbereitung auf den Saisonstart?
Halperin: Selbstverständlich hat uns die Nachricht im ersten Moment geschockt, vor allem die Spieler, die schon länger mit Dirk Bauermann zusammengearbeitet haben. Aber auch meine Mannschaftskollegen sind professionell genug, um das ganze Drumherum auszublenden. Wir haben nur den Saisonstart im Kopf und lassen uns dadurch nicht beeinträchtigen.
SPORT1: Der FC Bayern nimmt einen enormen Stellenwert in Deutschland ein. Waren Sie sich des internationalen Ansehens - vor allem der Fußballmannschaft - des FC Bayern vorher bewusst?
Halperin: Ja natürlich. Als ich unterschrieben habe meinten manche 'Ach die haben auch ein Basketballteam' und ich sagte 'Ja klar'. Jeder kennt Bayern München natürlich wegen der Fußballmannschaft, die eine der besten in Europa und der Welt ist. Jetzt wollen wir auch im Basketball für Furore sorgen. Bis jetzt sieht vieles gut aus, aber jetzt müssen wir arbeiten, arbeiten, arbeiten. Bayern wird Meister werden - vielleicht nicht so schnell, aber es wird passieren ( HINTERGRUND: FCB geht auf Titeljagd).
SPORT1: Ein großer Name beim FCB ist Präsident Uli Hoeneß: Kannten Sie ihn vorher schon?
Halperin: Ich habe schon viel von ihm gehört: Wie sehr ihm der Fußballklub am Herzen liegt und jetzt auch Basketball. Das ist für uns Spieler eine großartige Chance, so jemanden im Rücken zu haben. Wir können dankbar sein, dass es in diesem Verein Menschen wie Uli Hoeneß gibt, der als Präsident dafür sorgt, dass hier alles so großartig läuft. Ich bin mir sicher, dass er alles dafür tut, damit wir diese Saison Erfolg haben.
SPORT1: Sie wurden 2006 von Seattle gedraftet, haben aber nie in der NBA gespielt. Träumen Sie noch davon, in den USA zu spielen, oder ist das vom Tisch?
Halperin: Jeder von uns träumt als Kind davon, einmal in der NBA zu spielen. Damals, als ich gedraftet wurde, war das natürlich auch mein Traum, aber jetzt spiele ich seit elf Jahren in Europa. Ich bin überglücklich und bereue nichts. Ich bin so froh hier bei Bayern zu sein. Alle anderen Klubs - egal ob in der NBA oder in Europa - interessieren mich nicht. ( DATENCENTER: Der Beko-BBL-Spielplan)
SPORT1: Sie haben einen Ein-Jahresvertrag, Bayern spielt dieses Jahr in keinem europäischen Wettbewerb: Ist das Erreichen der Euroleague in dieser Saison entscheidend dafür, ob Sie noch lange hierbleiben?
Halperin: Ich komme nie mit dem Gedanken zu einem Klub, nur eine Saison zu bleiben. Ich will lange bleiben, aber wir müssen als Team nicht so weit vorausdenken und ich muss das auch nicht. Ich bin sicher: Wenn ich mein Bestes gebe, gut spiele und das Team gut spielt, werde ich für immer hier bleiben, denn es ist großartig. Wenn dieser Klub in der Euroleague spielt, will ich natürlich zu 100 Prozent hierbleiben.
SPORT1: Sie haben als Israeli in München unterschreiben. Gerade erst wurden Gedenkfeiern zum 40. Jahrestag der Tragödie bei den Olympischen Spielen abgehalten: Haben Sie sich über dieses Thema Gedanken gemacht?
Halperin: Wenn es um Deutschland und Juden geht, gibt es natürlich diese Themen - ob das Olympia-Attentat oder den Holocaust. Aber ich habe, abgesehen von den Gedenkfeiern, überhaupt nicht daran gedacht. Ich bin wegen Basketball hier, doch irgendwie hat man das schon im Hinterkopf.
SPORT1: Gab es Familienmitglieder oder Freunde, die gesagt haben: 'Geh da nicht hin'?
Halperin: Nein, nicht ein Einziger. Im Gegenteil: Wenn ich vom Angebot des FC Bayern erzählt habe, meinten alle, dass ich auf jeden Fall hierher wechseln soll.