Wegen Bauermann: Bamberg-Boss greift die Bayern an
Aus Bamberg berichtet Michael Spandern
Bamberg - Der völlig unerwartete Rauswurf von Bayern-Trainer Dirk Bauermann hält die Beko BBL kurz vor ihrem Auftakt am Mittwoch (ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in Atem.
Beim Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg, den Bauermann 2005 und 2007 zur Meisterschaft führte, stößt die geräuschvolle Trennung ( BAYERN: "Was soll diese Disko-Sch...?") auf großes Unverständnis.
Der ehemalige Bundestrainer sei "von hinten durch den Rücken eliminiert" worden, greift Geschäftsführer Wolfgang Heyder die Bayern-Bosse bei SPORT1 an und stellt klar: "Das Wie stört mich."
"Man kennt ihn doch"
Heyder brach eine Lanze für Bauermann, der sich nicht nur beim DBB, sondern von der Stunde Null an beim FC Bayern Basketball "unglaubliche Verdienste" erworben habe: "Er hat das Projekt extrem gut repräsentiert."
"Seine Erfolge wird kaum ein anderer deutscher Trainer so bald erreichen", erinnerte Heyder an neun Deutsche Meistertitel, die Bauermann mit Bayer 04 Leverkusen und Bamberg sammelte, sowie das Deutschlands EM-Silber von 2005.
Dass der FCB ihm nun eine unzureichende Führung der Mannschaft vorwirft, sei völlig unverständlich - "man kennt ihn doch". Und für Fehltritte seiner Akteure im Nachtleben sei nicht Bauermann verantwortlich: "Es dürfte schwer werden, wenn ein Trainer das reglementieren soll."
Baldi vermutet einen dramatischen Vorfall
ALBA-Boss Marco Baldi sieht das etwas anders: "In Berlin wäre das sicher kein Thema, weil wir da ganz klare Regeln haben. Und wer sich nicht daran hält, kriegt Probleme", sagte er SPORT1.
Er kann sich aber nicht vorstellen, dass allein die Disco-Vergehen einige Profis Bauermann den Job gekostet haben: "Bayern hat da durch die Fußballer, z.B. Ribery, eine Riesenerfahrung. Die wissen, wie sie damit umzugehen haben."
Baldi mag nicht spekulieren, was darüber hinaus geschehen sein könnte, sagt aber: "Wenn ich wenige Tage vor der Saison so eine Entscheidung hätte treffen müssen, hätte etwas Dramatisches passiert sein müssen - ansonsten wäre es ja ein Eingeständnis, dass unsere gesamten Planungen falsch gewesen wären."
Sportliche Folgen "nicht so groß"
Planungen, die enorme Investitionen in neue Spieler einschlossen - und die Konkurrenz nachhaltig beeindrucken.
"Wir hatten noch nie einen Klub wie die Bayern - mit so einem Budget, so erfahrenen und gestandenen Spielern, was sie natürlich auch so teuer macht", staunt Baldi: "Trotz der Querelen werden sie der Maßstab für alle sein.
Zumal er glaubt, dass die sportlichen Auswirkungen des Umsturzes zugunsten des bisherigen Assistenten Yannis Christopoulos "nicht so groß" sein werden. "Es gibt ja auch eine Kontinuität, da Christopoulos von Anfang an dabei war. Er kennt die Spieler und die Mannschaft und weiß auch, warum der FCB welchen Spieler rekrutiert hat."
Bayern noch auf Trainersuche?
Aus Ulm kommt sogar ein großes Lob für den Neuen - wobei dies vielmehr eine scharfe Spitze gegen Bauermann ist. Die Liga habe aufgerüstet, "teilweise Aufrüstung durch Abrüstung, wie ein Klub es kurz vor Saisonstart vorgemacht hat", stichelte Dr. Thomas Stoll, Manager des Vizemeisters.
Allzu groß ist der Glaube daran, dass Christopoulos lange den Cheftrainer-Posten bei den Bayern ausfüllt, in der Liga allerdings nicht: "Ob die Bayern bei dem Druck und den Erwartungen, die dort herrschen, die Ruhe und Geduld haben, wenn es zu Anfang knistern sollte, zeigt sich erst", unkt Baldi.
Heyder wird deutlicher: "Ich kann nicht sagen, ob sie nicht noch einen neuen Trainer suchen."