Auftaktdebakel! Bauermann-lose Bayern vorgeführt
Aus dem Audi Dome berichtet Eric Böhm
München - Der hochgehandelte Liga-Krösus hat einen peinlichen Fehlstart fabriziert.
Am 1. Spieltag der Beko BBL ging der FC Bayern München gegen die EWE Baskets Oldenburg mit 61:80 (28:40) unter.
Die Pflichtspiel-Premiere des neuen Coaches Yannis Christopoulos ging damit vor 4817 Zuschauern, darunter FCB-Präsident Uli Hoeneß, gründlich daneben. In der vergangenen Saison hatte der FCB an gleicher Stätte noch 102:71 gesiegt.
Die äußerst ausgeglichenen Gäste hatten Rickey Paulding (15) und Ronald Burrell (13) ihre herausragenden Scorer. Für den FCB traf Power Forward Chevon Troutman (14) am besten. ( DATENCENTER: Der Beko-BBL-Spielplan)
Bayerns-Sportdirektor Marco Pesic gab bei SPORT1 zu: "Das zweite und dritte Viertel waren nicht gut, da haben Energie und Aggressivität gefehlt." Christopoulos stärkte Pesic demonstrativ den Rücken: "Er ist keine Übergangslösung. Er muss jetzt in Ruhe arbeiten. Yannis wird Trainer bleiben."
Dank an Bauermann
Vor dem Tipoff hatte sich der Verein noch bei dem wenige Tage vor Saisonstart geschassten Ex-Trainer Dirk Bauermann ( Bericht) bedankt. ( STATISTIK: Stenogramme 1. Spieltag)
Die Startformation mit Neuzugang Tyrese Rice als Point Guard, Israels KapitänYotam Halperin, Brandon Thomas, Troutman und Center Jared Homan machte jedoch deutlich, dass ein neuer Wind weht.
Drei Zugänge begannen, während die vier prominenten einheimischen Akteure um Kapitän Steffen Hamann - trotz neuer Quotenregelung - zunächst allesamt die Bank drückten.
Start gibt kein Selbstvertrauen
Durch einen Dreier von Scharfschütze Halperin und einen krachenden Dunking durch Homan erwischten die Bayern den besseren Start und gingen schnell 9:4 in Führung.
Die gezielt verstärkten Oldenburger kamen ohne den abgewanderten Topscorer Bobby Brown erst nach einer gewissen Anlaufzeit besser in Tritt. (DIASHOW: Der SPORT1-Favoritencheck)
Gegen die eingewechselten DBB-Cracks Hamann, Demond Greene und Robin Benzing kamen Forward Paulding und Co. schnell wieder zurück. Nach dem ersten Viertel führte der FCB dank Greenes Dreier noch mit 20:19.
Joyce zieht die Fäden
Vor den Augen der noch unter Champions-League-Frust leidenden Fußball-Prominenz Hoeneß und Bastian Schweinsteiger demonstrierten die "Donnervögel" gutes Zusammenspiel und kamen immer wieder zum Korb durch.
Der aus Trier gekommene Aufbauspieler Dru Joyce (13 Zähler) stellte Rice und Hamann klar in den Schatten. Seine Anspiele führten regelmäßig zu einfachen Punkten oder Freiwürfen.
Die in der vergangenen Saison noch so heimstarken Gastgeber - 2011/2012 gab es in der regulären Saison nur eine Pleite - fanden nur schwer Mittel gegen die Marschroute des neuen Oldenburger Trainers Sebastian Machowski.
Auch die teils hochkarätigen Neuen übernahmen nur selten das Kommando und enttäuschten über weite Strecken.
Alte Schwächen bleiben
Christopoulos versuchte, sein namhaftes Ensemble im Angriff etwas freier als sein Vorgänger agieren zu lassen - dabei traten aber zu oft alte Fehler zu Tage.
Zu schnelle Würfe, verlegte Layups und unerklärliche Fehlpässe spielten den Norddeutschen in die Hände. Der deutliche 28:40-Pausenrückstand war die logische Folge. Der lange Robin Smeulders (10 Punkte) war von den hochgelobten Big Men der Bayern nie zu kontrollieren.
Oldenburg zieht davon
Nach der Pause änderte sich wenig. Überhastete Abschlüsse wechselten sich mit teilnahmsloser Verteidigung ab. Der Meister von 2009 ließ sich nicht zweimal bitten.
Mit Paulding, Smeulders und Chubb erspielten sie sich durch einen famosen 23:6-Lauf einen klaren 63:33-Vorsprung und versetzten den Audi Dome in blankes Entsetzen.
Christopoulos wirkte im Anzug statt der üblichen Trainingsklamotten gleichermaßen deplatziert und ratlos, denn sein Team ließ selbst einfachste Tugenden vermissen.
Nur noch Kosmetik
Immerhin zeigten die noch nicht eingespielten Bayern Moral. Angeführt von Rice gestalten sie das Ergebnis im Schlussviertel noch etwas erträglicher.
In Gefahr konnten die enttäuschenden Gastgeber die Niedersachsen aber zu keinen Zeitpunkt mehr bringen.
Benzing personifizierte das Debakel. Er blieb ohne Punkt und durfte kurz vor Schluss mit dem fünften Foul vorzeitig zum Duschen. In dieser Form bleiben die hochtrabenden Ziele nur Luftschlösser.