Hoeneß zerkratzt sein Hochglanz-Projekt
In kaum zu überbietender Schärfe hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß gegen den vor einer Woche gefeuerten Dirk Bauermann nachgetreten.
War schon die Entlassung des langjährigen Bundestrainers mit schwerwiegenden Vorwürfen gewürzt, legte Hoeneß bei SPORT1 noch einiges drauf und unterstellte, dass Spieler zu wenig trainiert hätten und deshalb in schlechtem körperlichen Zustand seien ( Video).
Das Auftakt-Debakel gegen Oldenburg ( Nachbericht u. Video) im heimischen Audi Dome mag ihm Recht geben. Grundsätzlich aber steht Bauermann nicht im Ruf, seine Mannen zu unterfordern oder an der langen Leine zu lassen.
Vielmehr klingt einiger Populismus durch, wenn Hoeneß nach einigen Nachtschwärmereien der Profis poltert: "Wenn sie die Kraft haben, abends wegzugehen, arbeiten sie tagsüber zu wenig."
Ganz im Sinne Hoeneß' hatte ja bereits sein für die Basketball-Sparte zuständiger Vize Bernd Rauch eingefordert, dass auch um 8 Uhr morgens trainiert werden müsse. Die Liga-Konkurrenz dürfte das mit gewisser Irritation vernommen haben...
Doch Hoeneß hat mit der Demontage seines Wunschtrainers, den er zum Projektstart 2010 als einzigen für die Bayern geeigneten Mann gepriesen hatte, auch den Spielern vor den Kopf gestoßen.
Denn ihre Fitness nach dem Ende der Sommerpause ist nicht nur Sache des Trainers, sondern liegt auch in der Verantwortung jedes einzelnen Profis.
Nun aber stehen athletisch überdurchschnittliche Routiniers wie Steffen Hamann oder Demond Greene am Pranger, und auch zwei Helden der EM-Qualifikation - Jan Jagla und Robin Benzing.
Über deren Verfassung hatte sich Bundestrainer Svetislav Pesic, zugleich Schwiegervater Jaglas, den langen Sommer über nicht beklagt.
Genau dieser Pesic, der trotz Hoeneß' Vulgärdementi ("Latrinenparole") weiterhin als kommender Bayern-Trainer im Gespräch ist.
Allerdings lässt der Präsident die Gelegenheit aus, deutlich eine Lanze für den unbefristet zum Head Coach beförderten Yannis Christopoulos zu brechen, sagt nur: "Wir müssen schauen, dass wir diese Saison gut überstehen."
Es gerät jedoch nach Hoeneß' Abrechnung mehr als nur diese Spielzeit in Gefahr: Der sportliche Branchenprimus Brose Baskets Bamberg landete in den letzten beiden Jahren einige Transfercoups, da es sich unter Profis herumgesprochen hat, wie wenig Störgeräusche dort bei der Jagd nach Titeln entstehen.
Im nächsten Sommer aber, wo es den nächsten großen Umbruch beim FCB geben wird, dürfte sich jeder Spieler (und wohl auch ein Trainer) überlegen, ob er seinen Ruf in München aufs Spiel setzt.
Unter einem Präsidenten, der nur allzu genüsslich seine Macht demonstriert, wenn er über Bauermann sagt: "Er hat geglaubt, dass wir es uns nicht erlauben können, ihm das anzutun. Da hat er sich getäuscht."
Das Hochglanz-Projekt Bayern-Basketball hat bereits jetzt tiefe Kratzer im Lack.